Dohlen-Nachwuchs in Hagenwerder

Auf dem Gelände unseres Umspannwerkes in Hagenwerder lebt eine Dohlen-Kolonie. Sie soll die größte in Ostsachsen sein. Jetzt stellte sich dort wieder Nachwuchs ein. Für die silbrig-schwarzen Rabenvögel in Hagenwerder hat unser Unternehmen in den vergangenen Jahren schon viel getan.

Ihre Rufe sind unverwechselbar und schon von weitem zu hören. Im Mittelalter galt die Dohle als Unglücksbote, die Krankheiten wie die Pest ankündigte. Diesen schlechten Ruf hat sie zu Unrecht. Denn sie ist ein intelligenter und überaus lernfähiger Vogel. Geradezu aufopferungsvoll kümmert sie sich um ihren Nachwuchs. Davon kann sich in Hagenwerder zurzeit jeder überzeugen. 28 Junge sind in den letzten 14 Tagen aus den Eiern geschlüpft.

Noch fehlen ihnen die Federn. Und doch haben sie den ersten – wenn auch unfreiwilligen – Ausflug schon hinter sich. Der Bautzner Dohlen-Experte Frank Urban führt über den Nachwuchs seit drei Jahren Buch. Am Montag war er gemeinsam mit seinem Sohn Christoph gekommen, um die Jungvögel zu zählen und zu beringen.

Behutsam holt Christoph Urban die Jungvögel aus den Nistkästen.

Dafür holte Christoph Urban die Minidohlen aus den Nistkästen, verstaute sie in einem Leinenbeutel und brachte sie nach unten. Dort bekamen sie einen Metallring und einen leuchtend gelben Kunststoffring, der mit einer Nummer versehen ist, ums Beinchen. So lässt sich leicht feststellen, wohin die Dohle gehört.

In vielen Gegenden Deutschlands gelten die silbrig-schwarz gefiederten Gesellen inzwischen als gefährdet, weil es immer weniger natürliche Brutplätze und zu wenig Futter für sie gibt. Deshalb erklärte der Naturschutzbund Deutschland die Dohle zum Vogel des Jahres 2012.

Mindestens einmal im Jahr beobachte und kontrolliere ich die Kolonie. Bis vor zwölf Jahren nisteten die Rabenvögel in unserem Umspannwerk (UW) in Hagenwerder, hauptsächlich in den Portalen und der Freiluft-Schaltanlage. Nestbau und Vogelkot sorgten immer wieder für arge Verschmutzungen. Deshalb haben wir die Dohlen ausquartiert. An Hochspannungsmasten nahe des UW brachten ENSO-Monteure Nistkästen an, die die Dohlen sofort annahmen. Bruterfolge blieben dennoch aus.

Tut nicht weh und ist nützlich – ein Ring ums Beinchen.

Doch das Rätsel war schnell gelöst: Einem Baummarder kamen die Verstrebungen an den Gittermasten bei der Futtersuche gerade recht. Der Nesträuber hatte leichtes Spiel. Vor drei Jahren errichteten unsere Mitarbeiter auf dem Gelände des Umspannwerkes deshalb eine separate Nisthilfe aus Holzmasten und Stahlelementen.

Seitdem wächst die Kolonie kontinuierlich. In den vergangenen Jahren kamen durchschnittlich zehn Jungvögel hinzu. Die 28 in diesem Jahr sind bisheriger Rekord. Das freut Frank Urban genauso wie mich.