Dietrich Exner
Vor seinem Ruhestand hat Dietrich Exner jahrelang für die GASO gearbeitet. Foto: privat

Wer so wie ich regelmäßig in der Sächsischen Schweiz wandert oder klettert, sollte sich nicht nur an der einmaligen Felslandschaft erfreuen. Neben den Naturschönheiten hat sie noch viel mehr zu bieten. So kann jeder, der genauer hinschaut, auch Zeugnisse unserer Industriegeschichte entdecken.

Zum Beispiel auf der Bastei, dem Besuchermagneten Nr. 1 hoch über der Elbe. Seit gut einem halben Jahr leuchtet am Zugang zum gleichnamigen Restaurant eine originalgetreu nachgebaute historische Gaslaterne.

Eine Bronzetafel würdigt das damit verbundene Ereignis „100 Jahre Gaslicht auf der Bastei“ und den Begründer der deutschen Gasindustrie, Rudolf Sigismund Blochmann (1784 – 1871). Möglich wurde das dank finanzieller Unterstützung von der Berghotel Bastei GmbH und der ENSO AG. Darüber hat schon die Sommerausgabe des ENSO-Magazins berichtet.

Gaslaterne Bastei
Historische Gaslaterne am Zugang zum Restaurant Bastei

1908 brachte das erste sächsische Ferngasnetz das Gasglühlicht auf die Bastei. Der Wiener Professor Carl Auer von Welsbach (1858 – 1929) hatte 1884 den Gasglühstrumpf erfunden. Fast wäre es ihm damit gelungen, die Entwicklung des elektrischen Lichts aufzuhalten.

Mit der Inbetriebnahme des Ferngaswerkes Mügeln/Heidenau am 14. Oktober 1900 nahm alles seinen Anfang. Die Thüringer Gasgesellschaft (TÜGA) baute ein Ferngasnetz auf, das kontiniuerlich erweitert wurde. Unter Führung der Stadt Heidenau schlossen sich am 29. November 1922 rund 70 Stadt- und Landgemeinden mit Gasliefervertrag zum Gasversorgungsverband Ostsachsen zusammen. Wenige Tage später, am 14. Dezember 1922, wurde die Gasversorgung Ostsachsen AG (GASAG) gegründet. In den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts versorgte dieses Ferngas-Unternehmen über sein rund 1.150 Kilometer langes Netz 130 Städte und Gemeinden.

Nur wenige Kilometer von der Bastei entfernt, in Stadt Wehlen, findet sich eine weitere historische Gaslaterne, die ebenfalls aus dem Jahr 1908 stammt. Vor zehn Jahren war sie von der Jahrhundertflut an der Elbe schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Seit Mai 2004 strahlt sie an der Radfahrerkirche am Wehlener Markt wieder in altem Glanz. Fast 6.000 Euro kostete die Rekonstruktion. Die Finanzierung übernahm damals die Gasversorgung Sachsen Ost GmbH (GASO), Vorgänger der ENSO AG. Bei der GASO habe ich bis zu meiner Pensionierung gearbeitet.

Auch den Pirnaer Markplatz ziert eine historische Gaslaterne. Zum 150-jährigen Jubiläum der Pirnaer Gasanstalt im September 2009 ging sie hier wieder in Betrieb. Das Unternehmen startete am 18. Dezember 1859 mit 84 Straßenlaternen und 442 Privatgasflammen. Die so genannte Mastlaterne ist dem Original aus dem 19. Jahrhundert nachempfunden. Anhand von Skizzen und Bildvorlagen der Unteren Denkmalschutzbehörde Pirna wurde sie nachgegossen.

Gedenktafel Bastei
Gedenktafel zur historischen Gaslaterne am Restaurant Bastei

Große Verdienste um die Einführung der Gasbeleuchtung in Deutschland erwarb sich der eingangs erwähnte Mechaniker und Unternehmer Rudolf Sigismund Blochmann. In den Jahren 1827 und 1828 errichtete er am heutigen Theaterplatz das erste Gaswerk in Dresden und war bis 1849 mit dessen technischer Leitung betraut. Am 27. April 1828 beleuchteten die ersten 36 Gaslaternen den Platz vor dem Dresdner Schloss. Das „Licht ohne Docht“ war damals eine Sensation.

1827 hatte R. S. Blochmann die Gründung der „Technischen Bildungsanstalt Dresden“, der heutigen Technischen Universität, initiiert. Diese begann am 1. Mai 1838 – vier Tage nach Eröffnung der Dresdner Gasanstalt – mit der Ausbildung auch von künftigen Gastechnikern.

Blochmann, der heute als Vater der deutschen Gasindustrie gilt, betätigte sich auf vielen Gebieten. So entwickelte er den selbst schärfenden Steinbohrer. Mit ihm konnten ab 1845 im Stadtgebiet 67 Kilometer gebohrte Steinblöcke für die erste Wasserleitung Dresdens aus Sandstein verlegt werden. Daran erinnert eine Gedenktafel, die 2009 neben einer historischen Laterne mit Wandarm am Bärenzwinger unterhalb der Brühlschen Terrasse angebracht wurde. Mehr über sein Leben und Werk erfahren Sie im Onlinelexikon Sächsische Biografie.

Eine Nachbildung der Blochmannschen Studierstube ist im KraftWerk, dem Dresdner Energie-Museum der DREWAG, zu sehen. Schauen Sie doch mal vorbei!