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Geschäftsführer Patrick Schöne (li.) und Ich, Franziska Wilhelm, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei teilAuto. Foto: teilAuto

Seit Oktober 2012 gehören zur Flotte des Carsharing-Anbieters teilAuto auch zwei Elektrofahrzeuge. Sie werden im Rahmen des Projekts „SaxMobility II“ durch Mittel des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gefördert. teilAuto arbeitet dabei eng mit ENSO und DREWAG zusammen. Wie sich die ersten sächsischen E-Mobile im Carsharing-Alltag bewähren, erfahren Sie hier.

In Umfragen und über die sozialen Medien hatten einige interessierte teilAuto-Nutzer bereits mehrfach den Wunsch nach Elektroautos an uns herangetragen. Wir als Carsharing-Anbieter zögerten eine Weile, diesen Schritt zu gehen. Fragen, die uns umtrieben, waren: Wie würde das Gros unserer Kunden – allein in Dresden sind es immerhin 4.500 – mit dem neuen Antrieb zurecht kommen? Wie würden sie auf die vergleichsweise langen Ladezyklen und die beschränkte Reichweite reagieren?

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Elektroautos des Typs Citröen C-Zero an der Südseite des Dresdner Hauptbahnhofs. Foto: René Paritschkow

Außerdem spielte auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Elektroautos sind immer noch wesentlich teurer als kraftstoffgetriebene PKW. Auch hier galt es, ein für alle Beteiligten tragbares Angebot zu schaffen. Dabei unterstützen uns ENSO und DREWAG. Unsere zwei E-Fahrzeuge des Typs Citröen C-Zero sind von der DREWAG gemietet. ENSO stellt die teilAuto-Station an der Südseite des Hauptbahnhofs zur Verfügung – mit direktem Zugang zu einer Ladesäule.

Die Reichweite austesten

Um unsere Kunden für die Besonderheiten der neuen Antriebsart zu sensibilisieren, starteten wir eine Testfahreraktion. Die erste größere Ausfahrt unternahmen wir als teilAuto-Team selbst. Maximal 150 Kilometer sollen die C-Zero laut Herstellerangabe zurücklegen können. teilAuto-Geschäftsführer Patrick Schöne und ich entschieden uns für die „nur“ 113 km lange Landstraßenstrecke von Dresden nach Leipzig. Trotz vorausschauender Fahrweise mussten wir schon in Wurzen nachladen, um nicht stehen zu bleiben. Eine passende Lademöglichkeit zu finden, gestaltete sich dabei als nicht ganz einfach.

Die Erlebnisse unserer Testfahrt veröffentlichten wir als Fotodokumentation im teilAuto-Blog. Des Weiteren riefen wir unsere Kunden auf, ebenfalls als Testfahrer über ihre ersten Spritztouren mit dem E-Mobil in unserem Blog zu berichten.

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Zwischenstopp bei einer Tour mit einem Elektroauto von teilAuto in der Sächsischen Schweiz. Foto: Kathrin Muysers

Auch hier entwickelte sich die Akkukapazität oft zur dominierenden Variable. Bloggerin Kathrin Muysers notiert zum Beispiel: „die relativ kurze Reichweite des E-Autos hatte in meinem Mann den sportlichen Ehrgeiz zum sparsamen Fahren geweckt. Da sich Radio, Heizung und Lüftung viel spürbarer auf die Reichweite auswirken als bei einem Verbrennungsmotor, verzichteten wir konsequent darauf, und auch unser Tempo war im eher gemächlichen Economy-Bereich der Anzeige angesiedelt.“

Pufferzeiten zum Aufladen

Wer ein eigenes Elektrofahrzeug besitzt, kann sich auf die technischen Besonderheiten einstellen und Ladestopps genau taktieren. Nutzen – wie beim Carsharing – viele unterschiedliche Fahrer ein Auto, ist die Sachlage komplexer. Bei der Buchung müssen unsere Kunden nicht angeben, wie lang die Strecke ist, die sie zurücklegen wollen. Damit der nachfolgende Nutzer nicht mit leerer Batterie dasteht, gibt es zwischen den Reservierungen eine Mindest-Pufferzeit von einer Stunde. Falls dieser Puffer einmal nicht ausreicht, kann sich der nächste Fahrer kostenfrei auf ein anderes Carsharing-Auto in der Umgebung umbuchen lassen.

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ENSO-Ladestation gegenüber der Südseite des Dresdner Hauptbahnhofs. Foto: René Paritschkow

Doch nicht nur die Reichweite entpuppte sich als Herausforderung. Schwierigkeiten hatten manche unserer Kunden auch mit der Bedienung der Ladesäule vor der ENSO-Hauptverwaltung am Friedrich-List-Platz 2. Manche schafften es nicht, das Kabel zu entriegeln. Andere hatten Probleme, das E-Mobil nach ihrer Fahrt wieder korrekt an die Säule anzuschließen.

Angenehm überrascht waren wir und unsere Testfahrer vom Fahrgefühl. „Die Beschleunigung kann sich sehen lassen“, schreiben Gerd Winkler und Steffen Carius im teilAuto-Blog. Noch mehr begeisterte sie jedoch das fehlende Brummen des Motors. „Kein „lästiges“ Motorgeräusch stört die Unterhaltung“, heißt es da. Kathrin Muysers geht noch einen Schritt weiter und überlegt: „Wie leise wäre unsere Welt, wenn auf einen Schlag alle Autos E-Fahrzeuge wären.“

Ein erstes Resümee

Nach der ersten Bewährungsprobe im Alltag lässt sich von unserer Seite sagen: Für kurze Strecken in der Stadt eignen sich die E-Mobile jetzt schon. Die letzten Monate haben uns aber auch gezeigt, wie sehr die Elektromobilität insgesamt noch in den Kinderschuhen steckt.

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Etwa 4.500 Kunden hat teilAuto in Dresden. Foto: René Paritschkow

Vor allem im Bereich der Ladeinfrastruktur muss sich noch einiges tun. Es gibt verschiedene Ladesäulentypen, die im Handling vereinheitlicht und optimiert werden sollten. Auch die mit den Fahrzeugen gelieferte 16-Ampère-Kabel mit Schuko-Stecker, erwiesen sich nicht immer als optimal. Manche Haushaltssteckdosen werden durch einen Dauerladebetrieb in dieser Stromstärke überlastet. Mit der sichereren 10-Ampére-Variante verlängert sich die Ladezeit von sechs auf neun Stunden.

An Kabel, mit denen ausschließlich an Säulen kürzere Ladezyklen erreicht werden können, war nur mit einigem Aufwand heranzukommen. Um mehr Nutzer für die E-Mobilität zu gewinnen, muss sich auch die Dichte an Ladestationen weiter erhöhen. Wir sind gespannt, wie sich das Angebot in diesem Bereich in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Die Berichte der E-Mobil-Tester können Sie hier nachlesen.