Wald
Der Begriff Nachhaltigkeit entstammt der Forstwirtschaft. Foto: BMU/H.-G. Oed

Nachhaltigkeit. Ich gebe es zu: Zu meinen Lieblingsworten gehört der Begriff nicht. Auch wenn er häufig verwendet wird – er sagt alles und nichts, finde ich. Umso erstaunter war ich zu hören, dass das keine Erfindung unserer Tage ist.

Geprägt hat diesen Begriff ein namhafter Landsmann schon vor 300 Jahren. Es war eine schwere Zeit. In Sachsens Wäldern wurde das Holz knapp, das vor allem Erzbergwerke und Schmelzhütten dringend benötigten.

Der Oberberghauptmann am kursächsischen Hof Hans Carl von Carlowitz (1645 – 1714) appellierte 1713 in seinem Buch „Sylvicultura Oeconomica – Die Naturgemäße Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“ an seine Zeitgenossen: „Schlage nur so viel Holz ein, wie der Wald verkraften kann! So viel Holz, wie nachwachsen kann!“.

Seitdem hat der Begriff aus der Forstwirtschaft Einzug in alle Lebensbereiche gehalten. Nachhaltigkeit steht heute für den Einklang von wirtschaftlichem Fortschritt, sozialer Gerechtigkeit und Schutz der natürlichen Umwelt. Sie zielt darauf, den Generationen nach uns eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Dieses Video erklärt den Begriff einfach und anschaulich.

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Die Ideen des Oberberghauptmanns aus Oberrabenstein bei Chemnitz sind aktueller denn je. Und so ist dem Jubiläum 300 Jahre Nachhaltigkeit Mitte Juni eine Aktionswoche gewidmet. Kinder wie Erwachsene, Bildungs-, kulturelle und soziale Einrichtungen, Unternehmen, Behörden, Verbände und Vereine, Kommunen – sie alle können und sollen sich daran beteiligen.

Dem Einfallsreichtum sind dabei keine Grenzen gesetzt. Nachhaltigkeit ist überall in unserem Alltag gefragt, zum Beispiel:

  • beim Weg zur Arbeit: Dabei setze ich auf öffentliche Verkehrsmittel statt aufs Auto. Auch  das Fahrrad bietet sich im beginnenden Frühling wieder als umweltfreundliches Fortbewegungsmittel an.
  • bei der Ernährung: Regionale und saisonale Lebensmittel genießen nicht erst seit dem Pferdefleisch-Skandal Vorrang auf meinem Einkaufszettel.
  • oder beim sparsamen Umgang mit Ressourcen: Weil in alten Elektrogeräten wertvolle Rohstoffe stecken, nutzt meine Familie die Möglichkeit des Recycelns. Und beim Energie sparen helfen uns nicht zuletzt die Tipps auf der ENSO-Webseite.

    S-Bahn
    Wer nachhaltig leben will, sucht beim Arbeitsweg nach Alternativen zum Auto. Die S-Bahn ist eine. Foto: DB AG/Neumann

Heutzutage sind nicht nur die Holzvorräte knapp. Die fossilen Rohstoffe gehen zur Neige. Zugleich schreitet der Klimawandel spürbar voran. Die Nutzung erneuerbarer Energien, ein effizienterer Umgang mit Energie sowie neue Erzeugungsformen und -verfahren stehen auf der Tagesordnung.

Immer mehr Städte, Gemeinden und Regionen auch in Ostsachsen stellen sich diesen Aufgaben. Eine neue Serie im ENSO-Magazin beschäftigt sich mit regionalen Energie- und Klimaschutzkonzepten. Den Auftakt bildet die Region Oberlausitz-Niederschlesien. Die Frühjahrsausgabe widmet sich dem Landkreis Görlitz, die Sommerausgabe dem Landkreis Bautzen.

Das „Regionale Energie- und Klimaschutzkonzept Oberlausitz-Niederschlesien“ ist ein sächsisches Modellvorhaben. Es analysiert Stärken, Schwächen und Potenziale, die genutzt werden können, um die Energieziele Sachsens  zu erreichen. Zudem zeigt es regionale Leitlinien und Handlungsfelder im Hinblick auf Energieerzeugung, –bereitstellung und –effizienz auf.

Egal, ob mir der Begriff Nachhaltigkeit nun gefällt oder nicht. Für die Zukunft unserer Kinder und Enkel gibt es nur diese Alternative: alles oder nichts. Und wie halten Sie es damit?