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In der Nacht zum Ostersonntag werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt.

Dem Osterwochenende blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Mit einem lachenden, weil die ganze Familie in Vorfreude aufs Osternestersuchen ist. Mit einem weinenden, weil Mama-Osterhase in diesem Jahr eine Stunde früher los muss, um unbemerkt Eier und Süßes im Garten zu verstecken.

Schuld daran ist die Umstellung der Winter- auf die Sommerzeit. In der Nacht zum Ostersonntag werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Das heißt ganze 60 Minuten weniger Träumen. Die Freudensprünge halten sich bei mir in Grenzen. Ich sehe mich am Morgen bereits schlaftrunken durch den Garten stolpern.

Gut, dass ich die kleine Osterüberraschung an Sie ein paar Tage später ausgeschlafen per Post versenden kann. Es gibt drei Piep-Eier zu gewinnen. Kommentieren Sie meinen Beitrag bis zum 7. April und Sie haben die Chance auf eine dieser kleinen intelligenten Eieruhren zum Mitkochen.

Ich tue mich mit der Zeitumstellung schwer und mit mir viele andere. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts FORSA hat etwa jeder Vierte von uns Probleme damit. Diverse andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Zeitverschiebung sich negativ auf unsere Gesundheit auswirkt.

Wecker neben dem Bett
Einige Menschen brauchen bis zu zwei Wochen, ehe sie sich an die Zeitumstellung gewöhnt haben. Foto: pixabay

In den ersten Tagen nach der Zeitumstellung steigt laut einer britischen Studie das Unfallrisiko. Mediziner berichten von Schlafstörungen, damit einhergehender Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Der Biorythmus braucht bei manchen Menschen ein bis zwei Wochen, ehe er sich an die Zeitverschiebung angepasst hat. Denn unser Körper tickt nach einer eigenen Uhr.

Woher kommt die Idee der Zeitumstellung? Schon 1784 soll Benjamin Franklin darüber nachgedacht haben. In einem Brief an eine Pariser Zeitung kritisierte er mit humorvollem Unterton den hohen Verbrauch an Kerzen und die damit verbundenen Kosten in der dunklen Jahreszeit. 1907 äußerte der englische Geschäftsmann William Willett zum ersten Mal seriös die Idee der Zeitumstellung. Er war überzeugt, dass eine Verschiebung von 80 Minuten Kosten in Höhe von 2,5 Millionen Pfund für die Beleuchtung spart.

Ernst wurde es dann aber erst im Jahr 1975: Die Länder der damaligen europäischen Union beschlossen, die Sommerzeit einzuführen. In der Zeit nach der Ölkrise sollte durch die bessere Ausnutzung des Tageslichtes Energie eingespart werden. In Deutschland gibt es die Zeitumstellung seit 1980. Sie ist sogar per Rechtsverordnung in § 5 Einheiten- und Zeitgesetz (EinhZeitG) geregelt.

Der erhoffte Energiespareffekt ist ausgeblieben. „Die Stromversorger können bereits seit Jahren keine Sparwirkung durch den Dreh am Zeiger erkennen.“ erklärt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). So würde abends zwar weniger Strom für die Beleuchtung verbraucht, dafür aber mehr Strom für Freizeitaktivitäten wie Fernsehen benötigt. Und morgens werden die Heizungen höher gestellt. Da Licht nur einen geringen Anteil am gesamten Stromverbrauch ausmacht und energiesparende Lampen sich immer mehr durchsetzen, sinke der ohnehin geringe Spareffekt weiter.

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Behielten wir die Sommerzeit bei, würden wir uns draußen mehr bewegen, meint ein britischer Wissenschaftler. Foto: Marianne J./pixelio.de

Spricht also vieles dafür die Zeitumstellung rückgängig zu machen und sich wieder an der natürlichen Sonnenzeit zu orientieren, wie es beispielsweise Heilpraktiker oder Mediziner empfehlen. Schließlich war die Mitte des Tages seit Anbeginn der Menschheit an den Höchststand der Sonne geknüpft. Diesem Tagesablauf folgt unser Schlaf-Wach-Rhythmus durch die Ausschüttung des Hormons Melatonin.

Ein britischer Wissenschaftler schlägt vor, die Sommerzeit beizubehalten. Seine Begründung: Die verfügbaren Stunden mit Tageslicht würden steigen. Wir könnten mehr Zeit im Freien verbringen und würden uns automatisch mehr bewegen. Seiner Meinung nach die billigste Gesundheitsmaßnahme überhaupt. Andere Experten halten dagegen, dass das Aufstehen mit der Morgensonne wichtiger und viel gesünder sei.

Und jetzt? Wie überliste ich meine innere Uhr, solange ein Ende der Zeitumstellung nicht in Sicht ist? Mir wird nichts anderes übrig bleiben, als am Samstag eine halbe Stunde früher ins Bett zu gehen. Am Sonntag werde ich meinen Wecker klingeln lassen, um meinen Osterhasendienst pünktlich zu verrichten. Was soll ich sonst den Kindern sagen, wenn sie vor mir erfolglos auf die Pirsch gehen: Der Osterhase wusste nichts von der Zeitumstellung?

Foto: www.zeichnen-forum/pixelio.de

Fröhliche Ostern und einen fleißigen Osterhasen für Sie!

PS: Kennen Sie die „Straßencafé-Faustregel“? Mit ihr können Sie sich merken, wann die Uhren vor und wann sie zurückgedreht werden. „Im Frühjahr werden die Stühle vor das Lokal gestellt, im Herbst kommen sie zurück ins Lager.“

Tolle Eselsbrücke, finde ich. Haben Sie auch eine, die Sie zu Hilfe nehmen? Und wie geht es Ihnen mit der Zeitumstellung?