Wasserglas
Gesunder Durstlöscher: Wasser aus der Leitung. Foto: Marko Greitschus/pixelio.de

Haben Sie meinen letzten Blog-Beitrag zur Zentralkläranlage Rodewitz gelesen? Dann wissen Sie, was mit dem Wasser passiert, nachdem es im Abfluss verschwunden ist. Aber wie wird das Grundwasser oder das Wasser aus einer Talsperre zu Trinkwasser aufbereitet?

Für viele von uns ist sauberes Trinkwasser eine Selbstverständlichkeit. Nur wenigen ist bewusst, welcher Aufwand dahinter steckt. Nicht zuletzt erfordern Aufbereitung und Transport des Wassers sehr viel Energie. Ein Teil dieser Energie lässt sich allerdings durch ein spezielles Turbinensystem wieder zurück gewinnen und ins ENSO-Netz einspeisen.

Die Wassergewinnung kann Eingriffe in die Natur mit sich bringen. Umso wichtiger ist es, sorgfältig mit der Ressource Wasser umzugehen. Mein Studium in der Fachrichtung Siedlungs- und Industriewasserwirtschaft an der Technischen Universität Dresden hat mir das nötige Wissen für die Herstellung und Verteilung von sauberem Trinkwasser vermittelt. Bei der ENSO habe ich gelernt, wie die Theorie in der Praxis umgesetzt wird.

Trinkwasser für 18 Städte und Gemeinden

Hochbehälter
Der Hochbehälter Morgenröte ordnet sich dank seiner farbenfrohen Gestaltung gut in die Landschaft ein.

Für die Trinkwasserversorgung in großen Teilen des Landkreises Sächsische Schweiz – Osterzgebirge ist der Zweckverband Wasserversorgung Pirna/Sebnitz (ZVWV Pirna/Sebnitz) zuständig. Ihm gehören derzeit 18 Städte und Gemeinden an. Die ENSO hat im Jahr 2000 die kaufmännische und technische Betriebsführung übernommen. Das Trinkwasser für die Region stammt aus zwei Wasserwerken. Das Wasserwerk Gottleuba bereitet Oberflächenwasser aus der Talsperre Gottleuba zu Trinkwasser auf. Dagegen nutzt das Wasserwerk Endlerkuppe Grundwasser. Über zwei Tiefbrunnen wird es aus zirka 240 Metern Tiefe an die Oberfläche gefördert.

Rohrleitung unter der Elbe

Beide Wasserwerke versorgen mehr als 150.000 Menschen im Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge. Das linkselbige und das rechtselbige Versorgungsgebiet sind durch einen so genannten Düker – eine Rohrleitung unterhalb der Elbe – miteinander verbunden. Das Leitungsnetz des ZVWV Pirna/Sebnitz weist eine Länge von rund 1.200 Kilometern auf.

Verbund mit DREWAG

Eine Besonderheit ist der Havarieverbund mit der DREWAG – Dresdner Stadtwerke GmbH. Dieser Verbund ermöglicht es, die Wasserversorgung im Bedarfsfall gegenseitig sicherzustellen. So geschah es beim Jahrhunderthochwasser der Elbe 2002, als ein Teil des Dresdner Trinkwassers von den Wasserwerken des ZVWV Pirna/Sebnitz kam.

Wasserwerk Gottleuba

Wasserwerk-Gottleuba
Blick aufs Wasserwerk Gottleuba

Aus der Talsperre Gottleuba werden durchschnittlich 170 Liter pro Sekunde entnommen. So viel Wasser passt ungefähr in eine Badewanne. Kernstück der Trinkwasseraufbereitung ist die Flockungsfiltration. Im Jahr 2005 musste die bestehende Filteranlage im Rahmen des präventiven Hochwasserschutzes um eine zweite Filterstufe erweitert werden.

In der ersten Filterstufe kommt ein Mehrschichtfilter zum Einsatz. Die obere Schicht besteht aus Hydroanthrazit. Diese Spezialkohle kann unerwünschte Geruchs- und Geschmacksstoffe „ansaugen“ und an ihre Oberfläche binden. Darunter folgt ein Quarzkies, der Schmutzpartikel zurückhält. Mit der zweiten Filterstufe erreicht das Trinkwasser die geforderte hohe Qualität.

Ist das Filtermaterial mit Schmutzpartikeln belegt, lässt die Reinigungswirkung nach. Dann müssen die Filter gespült werden. Dies geschieht mittels gereinigtem Wasser und Luft. Beide Stoffe werden in entgegengesetzter Richtung durch die Filter geleitet. Die einzelnen Filterstufen bestehen aus mehreren Filtern, so dass immer einer gereinigt werden kann, während die anderen normal weiter arbeiten. Im Anschluss an die Reinigungsstufe folgen die Einstellung des pH-Wertes und die Desinfektion.

Wasserwerk Endlerkuppe

Filteranlage
Filteranlage im Wasserwerk Endlerkuppe

Im Wasserwerk Endlerkuppe in Sebnitz/Ottendorf erfolgen die Filtration und die pH-Wert-Einstellung in einer Filterstufe. Desinfiziert wird lediglich bei Bedarf, da die Zusammensetzung und Qualität des Grundwassers weniger von außen beeinflusst wird als bei Oberflächenwasser. Die vier Filter des Wasserwerks wurden im vergangenen Jahr turnusmäßig generalüberholt.

Zentrale Steuerung

Herzstück der Trinkwasserversorgung ist die zentrale Steuerung aller wichtigen Parameter. Mitarbeiter des Wasserwerks Gottleuba überwachen von der Leitwarte die verschiedenen Aufbereitungsstufen sowie die Wasserqualität und steuern die Verteilung des Trinkwassers. Vom Wasserwerk wird es zum Zwischenspeichern in Hochbehälter geleitet. Um den Prozess energieeffizient zu gestalten, laufen die Pumpen möglichst gleichmäßig. Vom Hochbehälter gelangt das Trinkwasser dann bis zu den einzelnen Hausanschlussstationen.

Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Deshalb lösche ich meinen Durst regelmäßig damit und erspare mir so das Schleppen mancher Getränkekiste. Auch wenn ich für meine Familie koche, drehe ich den Wasserhahn auf. Das schont zum einen unsere Familienkasse, zum anderen auch die Umwelt. Und wie halten Sie es mit dem Trinkwasser?