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Prof. Dr. Tino Schütte lehrt seit April Energie-, Ver- und Entsorgungswirtschaft an der Hochschule Zittau/Görlitz. Fotos: HSZG

Bisher kennen Sie mich als ENSO-Blogger. Vielleicht wundern Sie sich, warum ich nun Gastautor bin. Das hat einen Grund: Seit April arbeite ich als Hochschullehrer für Energie-, Ver- und Entsorgungswirtschaft an der Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG).

Seit kurzem steht ein ENSO-Elektroauto des Typs Mitsubishi i-MiEV auf dem Gelände der Hochschule. Den Elektroflitzer hat die HSZG beim ostsächsischen Energieversorger für ein Jahr gemietet. Die Fakultät Elektrotechnik und Informatik nutzt das Auto, um die Vorteile der Elektromobilität zu untersuchen – beispielsweise zur Ladesteuerung, für eine intelligente Ladeinfrastruktur oder die Netzrückkopplung.

Zunächst nutzen Hochschulangehörige das Auto, um zwischen den Standorten Zittau und Görlitz zu pendeln. Darüber hinaus soll das Projekt die Aufmerksamkeit auf das Potenzial und die Chancen der Elektromobilität in Kombination mit regenerativer Stromerzeugung lenken.

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ENSO-Bereichsleiterin Dr. Birgit Wetzel übergibt Prof. Klaus-Dieter Haim, Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik, das Elektroauto.

Die HSZG forscht intensiv auf den Gebieten Energie und Umwelt. Ein Schwerpunkt ist dabei die Stromerzeugung aus Biomasse. Am 12. Juli ging das Thermische Versuchsfeld (TCV) in Betrieb. Es ist der erste von insgesamt drei Versuchsständen des Zittauer Kraftwerkslabors und verwertet Holzhackschnitzel. Hiermit können Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien je nach Bedarf bereitgestellt werden.

Die Versuchsanlage besteht aus einer Biomassetrocknungsanlage und einem Holz-Vergaser-Blockheizkraftwerk (BHKW). Nach dem Prinzip der thermochemischen Vergasung wird aus Holzhackschnitzeln ein Gas gewonnen, das im BHKW verbrannt wird. Die mittels Kraft-Wärme-Kopplung zur Verfügung stehende Energie kann die Hochschule für ihre eigenen Gebäude nutzen. Der Strom dient der HSZG auch für eine Elektroauto-Ladestation. Die Wärme wird zur Biomassetrocknung und zur Fernwärmeversorgung des gesamten Hallenkomplexes verwendet.

Hauptsächlich geht es aber nicht um die Versorgung, sondern um das Klären bisher unbeantworteter Detailfragen beim Betrieb solcher Anlagen. Der Prüfstand soll übertragbare Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der energetischen Biomassenutzung, insbesondere zu den thermochemischen Prozessen, liefern.

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An dieser Ladestation der Hochschule Zittau/Görlitz kann das Elektroauto “aufgetankt” werden.

Wissenschaftler und Studenten unterschiedlicher Disziplinen – der Energie- und Kraftwerkstechnik, der Elektrotechnik, der Informatik und des Wirtschaftsingenieurwesens – arbeiten darüber hinaus eng bei den komplexen Anlageprozessen zusammen. Sie wollen mithilfe des TCV und des übergeordneten, EFRE-geförderten Projektes “Kraftwerkslabor” wichtige Fragen für die Energiewirtschaft beantworten: Lassen sich erneuerbare Energien wirtschaftlich sinnvoll speichern? Wie lassen sich Verluste bei der Übertragung von Strom und Wärme senken oder ganz vermeiden? Wie kann man Kraftwerke schneller „hoch und runter fahren“ oder Leistungsbereiche erweitern?

Seit über 50 Jahren forscht die HSZG an Themen der Energietechnik und -wirtschaft. Dabei setzt sie auch auf enge Kontakte zu regionalen Unternehmen – so zur ENSO. Als Kooperationspartner sorgt das Unternehmen für Praxisnähe beim Studium an der HSZG – zum Beispiel bei der Betreuung von Beleg- und Abschlussarbeiten Zittauer Studenten. Einige von ihnen führt im kommenden Wintersemester eine Exkursion in die ENSO-Netzleitstelle nach Heidenau.

Ein gutes Beispiel für die Verbindung von Forschung und Lehre, von Theorie und Praxis ist das Zittauer Energieseminar. Am 19. und 20. September findet es bereits zum 23. Mal statt. Diesmal stehen die Energiewende sowie die Balance zwischen Wettbewerb und Regulierung im Mittelpunkt.

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Moderne Labore und Hörsäle an den Standorten Zittau und Görlitz bieten beste Studienbedingungen. Foto: hs-H. Trillenberg

Studienbewerber können sich noch bis September für das Wintersemester 2013/2014 einschreiben. Noch sind Studienplätze in den technischen und wirtschaftlichen Studienrichtungen frei. Eine qualitativ hochwertigen Ausbildung in Studiengängen wie Wirtschaftsingenieurwesen, Energie- und Umwelttechnik, Elektroenergietechnik, Automatisierungstechnik oder Informatik und moderate Lebenshaltungskosten machen Zittau zu einem guten Studienstandort.

Als Hochschullehrer möchte ich die Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Energiewirtschaft weiter vorantreiben und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft vertiefen. Den Studierenden der Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen will ich ein solides Grundlagen- und praxisnahes Vertiefungswissen vermitteln, damit sie gut auf ihr Berufsleben – vielleicht auch bei ENSO – vorbereitet sind.

Der typische Werdegang zahlreicher Mitarbeiter bei ENSO ist ein Studium an der HSZG mit anschließendem Berufseinstieg. Dass dies auch umgekehrt funktioniert, zeigt mein Wechsel an die Hochschule.

Und so freue ich mich darauf, auch in Zukunft mit meinen ehemaligen Kollegen – nicht nur zur Elektromobilität – zusammenzuarbeiten. Denn die Energieversorgung wird eines der wichtigsten Themen in Forschung, Technik und Wirtschaft bleiben.