Solarstraße mit integrierten LEDs
LEDs in der Solarstraße können Fahrbahn-markierungen anzeigen und den Fahrer vor Gefahrstellen warnen. Bild: Dan Walden

Als Kind habe ich gern mit Autos gespielt. Anfangs reichten die kleinen „Hot Wheels“, um bei mir wahre Begeisterungsstürme hervorzurufen. Einige davon änderten sogar ihre Farbe, sobald ich sie unter warmes oder kaltes Wasser gehalten habe. Später musste es dann größer, ferngesteuert und elektrisch sein. Umso mehr freute ich mich, als Weihnachten die lang ersehnte Carrera-Autorennbahn unter dem Weihnachtsbaum lag.

Was ich seit damals nur von der Spielzeugrennbahn kenne, könnte in Zukunft Wirklichkeit werden: Strom, der aus der Straße kommt! Das amerikanische Unternehmen Solar Roadways testet zurzeit, ob sich asphaltierter Straßenbelag durch Solarmodule ersetzen lässt.

Eine solche Solarstraße erzeugt in erster Linie „grünen“ Strom, der zum Aufladen von Elektroautos genutzt oder ins Stromnetz eingespeist werden kann. Scott Brusaw, Elektroingenieur und Co-Gründer von Solar Roadways, rechnet vor, dass sich die Solarstraßen so innerhalb von etwa 20 Jahren selbst refinanzieren – ein Segen für die Haushaltskassen der Kommunen und Gemeinden.

Aber auch das zur Herstellung von Asphalt benötigte Erdöl kann dadurch eingespart werden. Ein nächster Schritt auf dem Weg zur Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern wäre somit getan!

Ein eingefügtes Heizelement erwärmt die Solarstraße bei niedrigen Temperaturen und bringt Schnee und Eis darauf zum Schmelzen. Quasi eine Fußbodenheizung für die Fahrbahn. Unfälle durch Glatteis können damit zukünftig vermieden werden.

In das Modul eingefasste Leuchtdioden dienen als modernes Verkehrsleitsystem. Sie zeigen Fahrbahnmarkierungen an und warnen den Fahrer vor nahenden Gefahrstellen.

Straßenmodul
Mehrschichtiger Aufbau der Solarmodule. Bild: Dan Walden

Diese Vielfalt an Funktionen ermöglicht der mehrschichtige Aufbau der knapp 3,7 m x 3,7 m großen Straßenelemente. Eine strukturierte Oberfläche aus bruchsicherem, transparentem Panzerglas bietet auch bei Nässe ausreichend Reifenhaftung und ist stabil genug, um dem Gewicht schwer beladener LKWs standzuhalten. In dieser Schicht befinden sich auch das eigentliche Solarmodul, die LEDs sowie das Heizelement.In der darunter liegenden Ebene ist die intelligente Steuerungselektronik für die Straße untergebracht. Sie regelt unter anderem die Beleuchtung und die Kommunikation der Module untereinander. Die gesammelte Sonnenenergie wird über Kabel abgeführt, die sich in der Grundplatte befinden.

Bei all den angeführten Vorteilen ahnen Sie, lieber Leser, sicher schon den Grund dafür, warum Sie noch nie einen Fuß (oder Reifen) auf eine solche Straße gesetzt haben: die Kosten! Laut Solar Roadways sind diese momentan noch drei- bis viermal höher als für klassische Straßenoberflächen.

Die US Federal Highways Administration hat der Ansatz trotzdem überzeugt. Die Behörde ist für den Betrieb amerikanischer Autobahnen zuständig und fördert das Pilotprojekt, welches den Bau eines ersten stromerzeugenden Parkplatz aus voll funktionsfähigen Solarmodulen vorsieht, mit einer Summe von 750.000 US Dollar.

Was halten Sie von der Idee, die Straßen der Zukunft zur Stromerzeugung zu nutzen?

Mit diesem Beitrag möchte ich im ENSO-Blog meinen virtuellen Einstand geben. Ich werde an dieser Stelle die Arbeit von Martin Waldau fortführen und freue mich darauf, mit Ihnen in Zukunft spannende Themen der Energie zu diskutieren.