Luise Jachmann
Luise Jachmann mit ihrem Forschungsobjekt: organische Solarzellen. Foto: www.jugend-forscht.de

Bei Jugend forscht hat es Luise Jachmann im Jahr 2012 bis ins Bundesfinale geschafft. Die Juroren zeichneten das Projekt der damaligen Schülerin des Sächsischen Landesgymnasiums St. Afra mit dem Sonderpreis für eine technikorientierte Arbeit aus.

Als die Wettbewerbsrunde 2014 anlief, fragte ich mich, was aus Luise und ihrem erfolgreichen Projekt geworden ist. Um der Sache auf den Grund zu gehen, habe ich über Facebook Kontakt mit ihr aufgenommen. In unserem Chat erzählt die Jugendforscherin von ihren Erinnerungen an den Wettbewerb, warum eine strukturierte Arbeitsweise wichtig ist und von einer 3 in Physik.

Hallo Luise. Danke, dass du dir für unseren Chat Zeit nimmst.

Mach ich wirklich gern. So etwas ist auch neu für mich, aber ich finde, die Idee ist ziemlich gut.

Du hast 2012 an Jugend forscht teilgenommen und mit deiner Arbeit zum „Temperaturverhalten organischer Solarzellen auf Basis kleiner Moleküle“ sogar den Sprung bis ins Bundesfinale geschafft. Was hat dich an diesem sehr technischen Thema interessiert und wie bist du dazu gekommen?

Auf das Thema organische Elektronik bin ich bei der Talent School des Fraunhofer IPMS [Institut für Photonische Mikrosysteme] 2009 gestoßen. Dort ging es erstmal um organische Leuchtdioden, sogenannte OLEDs.

Als ich anschließend ein Thema für meine BeLL, also die Besondere Lernleistung, suchte, fragte ich beim Institut an, weil mich die Entwicklung der organischen Leuchtdioden und vor allem deren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten sehr interessiert haben.

Am Institut sagte man mir daraufhin, dass derzeit hauptsächlich an organischen Solarzellen geforscht wird. Und da mich erneuerbare Energien im Allgemeinen interessieren, fand ich dieses Thema natürlich noch spannender.

Erklärst du bitte kurz, was die Talent School des Frauenhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme in Dresden ist und wie man daran teilnehmen kann?

Teilnehmer der Talentschool in weißer Laborbekleidung und Mundschutz an einem Mikroskop
Bei der Talent School des Frauenhofer Instituts dürfen die Teilnehmer auch selbst experimentieren. Foto: Frauenhofer

Die Talent School des Fraunhofer Instituts soll das Interesse junger Menschen in den „MINTbereichen“ bzw. in der Forschung etc. wecken und ihnen spätere Jobmöglichkeiten näherbringen. Es ist eine Art Mini-Praktikum bzw. Seminar und erstreckt sich über ein Wochenende.

Dabei ist man mit anderen Jugendlichen seines Alters zusammen und kann sich Vorträge zu dem jeweiligen Talent School Thema anhören. Man bekommt auch die praktische Anwendung gezeigt, was ich sehr wichtig finde.

Und vor allem darf man auch selbst ‚experimentieren‘ – in unserem Fall durften wir unsere eigenen OLEDs bauen und Messungen daran durchführen.

Der zusätzliche Aufwand für so eine Besondere Lernleistung ist doch bestimmt ziemlich hoch. Wie hast du es geschafft, das mit dem normalen Unterrichtsstoff unter einen Hut zu bringen?

Der Aufwand auf einmal gesehen ist schon sehr hoch, vor allem da die Arbeit – vielleicht vergleichbar mit einer Bachelorarbeit – einen Neuwert haben soll. Daher musste ich sehr viele Messreihen aufnehmen. Das habe ich meistens mittwochs nach der Schule gemacht. Da ich in Meißen zur Schule gegangen bin, war es nicht allzu weit bis nach Dresden, d.h. ich konnte eben auch nachmittags hinfahren und arbeiten.

Ausgezahlt hat sich bei mir vor allem eine kontinuierliche Arbeitsweise. Dadurch teilt sich der große Klumpen Arbeit gut auf und man macht einfach immer mal ein bisschen nebenbei. Immerhin hat man ja auch 2 Jahre dafür Zeit. Außerdem habe ich die Sommerferien genutzt und mich 3 Wochen am Stück nur mit meiner BeLL beschäftigt.

Alles in allem ist es also gut zu bewältigen, wenn man sich die Arbeit einteilt.

Luise Jachmann mit ihrem Projekt bei Jugend forscht 2012
Luise untersuchte mit ihrem Projekt, wie sich Wärme auf den Wirkungsgrad organischer Solarzellen auswirkt. Foto: www.jugend-forscht.de

War es deine Idee, dein Projekt anschließend auch bei Jugend forscht einzureichen?

Nein, mein betreuender Lehrer hatte die Idee. Ich hätte mir nicht zugetraut, die Sache zu meistern, da ich in der Schule in Naturwissenschaften und vor allem in Physik nie überdurchschnittlich gut war. In Physik hatte ich meistens eine 3 auf dem Zeugnis. Aber letztendlich bin ich sehr froh darüber, dass ich so halb gezwungen wurde. 😉

Gibt es denn etwas aus dem Wettbewerb, an das du dich gern erinnerst?

Ich fand meistens die Gespräche nach der ‚Jury-Runde‘ an den Ständen sehr interessant. Beispielsweise war an meinem Stand ein Vertreter von Bosch, der mir ein Praktikum angeboten hat. Und ein Vertreter aus der Textilindustrie bzw. der Entwicklung von Funktionskleidung. Er hat mich gefragt, ob es denn auch denkbar wäre, die organischen Materialien in Kleidung einzuweben.

Aber natürlich sind auch viele der anderen Projekte (vor allem beim Bundeswettbewerb) richtig interessant gewesen. Was da manche ‚Jungforscher‘ erfunden, haben ist schon beachtenswert und beeindruckend.

Hast du ein Beispiel?

Der indische Schüler, der eine Gleichung gelöst hat, die seit Newtons Zeiten ungelöst war. Oder eine Biologin, die eine neue Mückenart entdeckt hat.

Hast du das Praktikum bei Bosch anschließend gemacht?

Nein, nach dem Abitur bin ich erstmal zu einem Work & Travel nach Neuseeland gegangen. Und jetzt studiere ich Jura. Da muss ich mich ranhalten, die studienrelevanten Praktika zu machen. Aber man weiß ja nie, vielleicht ergibt sich ja irgendwann noch einmal die Chance.

Trotz deiner 3 in Physik warst du mit deiner Arbeit sehr erfolgreich. Hättest du dir nicht vorstellen können, damit weiterzumachen?

Ich habe in Neuseeland kurz darüber nachgedacht. Allerdings interessiere ich mich eben nicht für Physik allgemein, sondern nur für erneuerbare Energien bzw. dieses eine spezifische Thema. Daher wäre ein naturwissenschaftliches Studium, vor allem im Bachelor, für mich eine reine Qual gewesen.

Trotzdem habe ich natürlich darüber nachgedacht… aber den Gedanken dann wieder verworfen und beschlossen, mich in diesem Themengebiet vielleicht lieber durch selbstgewählte Lektüre weiterzubilden.

Luise Jachmann präsentiert ihre Arbeit bei Jugend forscht
Ihre Forschungsergebnisse überzeugend präsentieren – auch das hat Luise bei Jugend forscht gelernt. Foto: www.jugend-forscht.de
Du hast geschrieben, dass du froh bist, zu Jugend forscht “gezwungen” worden zu sein. Was hat dir der Wettbewerb denn persönlich gebracht?

Jede Menge Erfahrung in Bezug auf die Präsentation von Projekten. Wie man sich und seine Ergebnisse nicht nur präsentiert, sondern auch verkauft.

Und die Kontakte, die du dort geknüpft hast – bestehen die heute noch?

Mit meiner Betreuerin am Fraunhofer Institut hatte ich, zumindest, während ich in Neuseeland war, noch Kontakt und ich denke, dieser würde sich auch wieder auffrischen lassen.

Ich bekomme immer noch regelmäßig Mails von Jugend forscht, die mir die Möglichkeit zur Teilnahme an Veranstaltungen anbieten.

Aber der direkte Kontakt zu den Leuten verliert sich einfach über die Zeit. Vor allem, da ich ja auch gar nicht in dieser Richtung geblieben bin. Ich glaube es wäre etwas anderes, wenn ich jetzt etwas Naturwissenschaftliches studiert hätte.

Danke, dass du dir die Zeit für unseren Chat genommen hast. Ich lade dich für den 13.03. herzlich zu uns ins CITY CENTER Dresden ein. Dann kannst du dir die Projekte der Wettbewerber 2014 anschauen, wen du es dir einrichten kannst.

Vielen Dank für die Einladung. Ich versuche, mir den Termin freizuhalten.

Ich finde es toll, was für ein schwieriges Thema Luise angepackt und bewältigt hat und bin schon gespannt, welche Arbeiten die Jugendforscher aus Sachsen in diesem Jahr präsentieren werden. Die neuen Exponate können Sie am 13. März von ca. 12:30 – 16:30 Uhr bei uns im CITY CENTER Dresden bewundern – und das diesmal sogar in besonders hoher Stückzahl. Denn die Regionalwettbewerbe Dresden-Ostsachsen und Leipzig-Nordwestsachsen finden zusammen in Dresden statt.

Also kommen Sie doch am 13.03. bei uns im CITY CENTER vorbei!