Elektroauto
Startklar zur Weiterfahrt. Ein Elektroauto, das häufig auf den Straßen rollt, ist wirtschaftlicher. Foto: Tim Reckmann/pixelio.de

Als sich kürzlich mein 15 Jahre altes Auto in den Ruhestand verabschiedet hat, stand ich vor der Frage: Wie will ich mich zukünftig fortbewegen?

Soll es wieder ein Benziner sein? Oder vielleicht doch ein Elektroauto? Oder verzichte ich gar auf das eigene Fahrzeug und kombiniere verschiedene öffentliche Angebote, zum Beispiel ÖPNV und Carsharing?

Ich muss gestehen, das Elektrofahrzeug kam nicht in meine engere Auswahl. Neben dem noch recht übersichtlichen Fahrzeugangebot ist dies vor allem den vergleichsweise hohen Anschaffungskosten geschuldet. Auch wenn sich hier preislich schon viel getan hat, ist immer noch genau zu kalkulieren, ob sich ein Elektrofahrzeug lohnt.

Abgesehen vom Schienenverkehr ist die Verbreitung der Elektromobilität in unserer Region recht überschaubar. Bis Anfang des Jahres gab es in Sachsen lediglich 396 angemeldete Elektroautos. Erfreulich dabei: Dies sind immerhin 86 Prozent mehr als im Vorjahr.

In der Abteilung Unternehmensentwicklung habe ich die Aufgabe, mir zu überlegen, wie ein Energieversorger die Elektromobilität fördern kann. Eine Kernfrage lautet: Gibt es Anwendungsfälle, in denen bereits heute Elektrofahrzeuge wirtschaftlich sind?

Wie diese aussehen könnten und welche die größten Potenziale bieten, untersuchen wir gemeinsam mit der Drewag – Stadtwerke Dresden GmbH und der Technischen Universität Dresden im Projekt „Energie und Mobilität im Verbund“ (kurz: EnMoVer). Ich koordiniere das Projekt.

Elbsandsteingebirge - Blick auf Festung Königstein
In touristisch attraktiven Regionen wie dem Elbsandsteingebirge könnten Verleihstationen für Elektroautos entstehen. Foto: La Liana/pixelio.de

Für ENSO haben wir den ländlichen Raum, für die Drewag die Stadt Dresden im Fokus. Der Pendlerverkehr zwischen Stadt und Land scheint sich besonders für den Einsatz von Elektrofahrzeugen zu eignen.

Ausgangspunkt unserer Überlegungen ist die sogenannte Mehrfachnutzung. Das bedeutet, dass ein Fahrzeug – ähnlich wie beim Carsharing – von verschiedenen Personen genutzt wird. Wir wollen eine möglichst hohe Auslastung der Fahrzeuge erreichen. Zum einen kann dadurch ein großer Personenkreis von dem Angebot profitieren. Zum anderen verbessert dies – aufgrund der geringen Verbrauchskosten – die Wirtschaftlichkeit der Elektroautos gegenüber konventionell betriebenen Fahrzeugen.

Um diese Nutzungskonzepte in der Praxis zu erproben, stellen wir als Unternehmen Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur bereit.

Abweichend vom klassischen Carsharing gehen wir von einem „Hauptnutzer“ aus, der bevorzugt auf das Fahrzeug zugreift. Ergänzend kommen Nebennutzer hinzu, denen das Fahrzeug in freien Zeiten zur Verfügung steht.

Ein Beispiel zeigt die Grafik: Ein Pendler fährt morgens von seinem Wohnort Heidenau zur Arbeit nach Glashütte und stellt sein Auto in Arbeitsplatznähe an einem Fahrzeugübergabepunkt ab. In dieser Zeit ist beispielsweise ein Sozialdienst damit unterwegs. Ein intelligentes Verleihsystem stellt sicher, dass dem Pendler abends wieder ein Auto mit genügend Reichweite für den Weg nach Hause zur Verfügung steht. Zusätzlich könnte es in den Abend- oder Nachtstunden für Liefer- oder Sicherheitsdienste fahren. Wenn der Pendler das Fahrzeug am Wochenende nicht selbst nutzt, hätten Touristen die Möglichkeit, damit die Region zu erkunden. So wäre es fast rund um die Uhr ausgelastet.

Pendlerverkehr: Kombination private und gewerbliche Nutzung
Quelle: TU Technische Universität Dresden

Ähnliche Ansätze wollen wir für den kommunalen Wirtschaftsverkehr und den Tourismus finden. Elektrofahrzeuge könnten touristisch attraktive Standorte miteinander verbinden. Besucher hätten so die Möglichkeit, umweltschonend zum nächsten Ausflugsziel zu gelangen.

Würden Sie so ein Angebot nutzen? Und an welchen Orten fänden Sie es sinnvoll?