Zeichnung der SAXONIA von Prof. Andreas Schubert
Zeichnung der SAXONIA von Prof. Andreas Schubert. Foto: Deutsche Bahn AG

Beim Schluck aus der Thermoskanne ahnt wohl kaum jemand, dass es sich dabei um eine sächsische Erfindung handelt. Als ich vor kurzem durch Zufall darauf gestoßen bin, machte mich das neugierig. Ich war verblüfft, wieviel energiegeschichtliche Bezüge es zu unserer Region gibt.

In unserer neuen Blog-Serie „Energiegeschichte“ wollen wir Ihnen, liebe Leser, diese Erfindungen in regelmäßigen Abständen vorstellen – vom mechanischen Webstuhl bis zum FCKW-freien Kühlschrank.

Aus Anlass des 175. Jubiläums der ersten deutschen Ferneisenbahnstrecke zwischen Leipzig und Dresden beginne ich heute mit der Dampfmaschine und ihrer Weiterentwicklung zur Dampflokomotive.

Als die Strecke am 7. April 1839 nach dreijähriger Bauzeit eröffnet wurde, setzte das kleine Königreich Sachsen damit einen Meilenstein in der Geschichte der Mobilität in Deutschland. Wenn ich heute Freunde in Leipzig besuchen will, absolviere ich die gut 100 Kilometer zwischen den beiden Städten in einer reichlichen Stunde mit Auto oder Bahn.

James Watt
James Watt hat die Dampfmaschine zwar nicht erfunden, sie aber deutlich verbessert.

Noch zu Beginn des 19. Jh. war das völlig undenkbar, konnten Reisende diese Distanz doch höchstens über viele Stunden in einer unbequemen Postkutsche zurücklegen. Die Eisenbahn änderte das schlagartig. Sie machte Mobilität für hunderttausende Menschen möglich und bezahlbar.

Grundlage dieser neuen Fortbewegungsart war die Hochdruck-Dampfmaschine des amerikanischen Unternehmers Oliver Evans. Sie stellte eine Weiterentwicklung der Atmosphärischen Dampfmaschine des englischen Erfinders Thomas Newcomen und der Niedrigdruck-Dampfmaschine von James Watt dar.

Diese Maschinen wandelten die in Dampf enthaltene Wärmeenergie bereits zum Teil in mechanische Energie um. Mit einem Wirkungsgrad von gerade einmal 0,5 – 1 % wurden sie vor allem zur Entwässerung von Bergwerken eingesetzt. James Watt erhöhte deren Leistung immerhin auf 3 %, indem er sie zur doppelt wirkenden Dampfmaschine verbesserte.

Als neue Kraftquelle war sie fortan in der Lage, Wind- und Wasserräder als Antrieb von Maschinen zu ersetzen. Sie kam bei der Förderung von Kohle als Energieträger oder in den verschiedensten Bereichen der Produktion zum Einsatz. Damit war sie ein bedeutender Wegbereiter der industriellen Revolution.

In dem folgenden Video erhalten Sie einen guten Überblick über die verschiedenen Varianten der Dampfmaschine und ihre Funktionsweisen:

Genügend Kraft, um Fahrzeuge anzutreiben, besaß allerdings auch die Watt’sche Dampfmaschine noch nicht. Das wurde erst durch die Verwendung eines höheren Drucks möglich, wodurch es gelang, kleinere und noch leistungsfähigere Maschinen zu bauen.

Der britische Erfinder und Ingenieur Richard Trevithick verwendete dafür unter anderem ein neues Feuerungssystem und Kessel aus Gußeisen. Das verbesserte die Verdampfung des Wassers, erhöhte den Dampfdruck und damit die Leistung erheblich. 1801 stellte er in England seine kleine Straßenlokomotive auf Rädern vor, die er „Puffing Devil“ (engl. schnaufender Teufel) nannte, und läutete damit die Geburtsstunde der Dampflokomotiven ein.

Die erste betriebsbereite Lokomotive aus Deutschland konstruierte übrigens Andreas Schubert. Sie wurde 1838/39 in der Maschinenbauanstalt Übigau bei Dresden gebaut. Ihre Feuertaufe absolvierte die Saxonia am 7. April 1839 auf der vierstündigen Eröffnungsfahrt der Ferneisenbahnstrecke Leipzig-Dresden. Mit ihrer Hilfe etablierte sich Sachsen vor 175 Jahren als technologischer Vorreiter bei der Entwicklung der Eisenbahn in Deutschland.

Satire Eisenbahn gegen Postkutsche
Dieses Spottbild auf die Eisenbahn um 1835 zeigt die Skepsis der Menschen in den Anfangsjahren der neuen Erfindung.

Das Ori­ginal ist heute zwar nicht mehr erhalten, allerdings gab die Staatsbahn der DDR im Jahr 1985 einen Nachbau in Auftrag. Dieser wird bei der Festwoche „175 Jahre deutsche Ferneisenbahn Leipzig – Dresden” vom 7. bis 13. April 2014 eine Hauptrolle spielen.

Seit dem 8. April präsentiert sich die „dampfende Sächsin“ neben anderen Dampflok-Exoten in der Ausstellung „Deutschland wird mobil“ des Dresdner Verkehrsmuseums. Elf Stationen veranschaulichen die Pioniergeschichte des Baus und Betriebs genauso wie die Euphorie und Skepsis der Menschen in den Anfangsjahren.

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