Rinderherde
Rinder liefern neben Milch und Fleisch auch Dung, der sich als Energiequelle nutzen lässt. Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de

Welcher kleine Junge träumt nicht davon, ein Cowboy zu sein? Auch wenn die deutsche Übersetzung „Kuhjunge“ gar nicht so romantisch klingt. Zumindest mancher große Junge könnte sich diesen Traum erfüllen und damit zugleich einen Beitrag zur Energiewende leisten.

Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium errechnet hat, lassen sich aus der Gülle einer Kuh bis zu 1.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr gewinnen.

Mit dieser Menge kann eine Waschmaschine 1.000 Mal im Vollwaschgang laufen. Würde die Gülle einer kleinen Rinderherde mit 25 Tieren energetisch genutzt, wäre damit laut Minsterium die Stromversorgung von sieben Haushalten ein ganzes Jahr lang gesichert.

Hinzu komme, dass durch die 1.000 KWh Strom aus den Kuhfladen mehr als 600 Kilogramm an Treibhausgasen vermieden werden – so viel, wie ein durchschnittliches Braunkohlekraftwerk innerhalb von zwei Sekunden ausstößt.

Vielleicht sollte ich mal unsere Nachbarn fragen, was sie von einer Zukunft als Cowboy halten. Genügend Platz und Futter auf den nahen Elbwiesen gibt es. Und nehmen wir unsere Biotonnen hinzu, wird die Sache noch lukrativer. Aus dem Inhalt einer solchen Tonne können rund vier Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Genug Energie, um eine Woche lang elektrisch zu kochen.

E-Herd
Auch Strom für den Elektro- oder Induktionsherd lässt sich aus Gülle erzeugen. Foto: Horst Liebenau / pixelio.de

Mit Kuhfladen Wäsche waschen oder kochen – zwar keine besonders leckere, aber dennoch eine verlockende Vorstellung. Doch so einfach ist das Ganze natürlich nicht.

Neben einer Biogasanlage für die Umwandlung der Gülle in Biogas müssten wir auch ein Blockheizkraftwerk, das aus Gas Strom und Wärme erzeugt, und Leitungen bauen (lassen), die die Energie zu uns ins Haus bringen.

Das kostet uns – wie die Rinderherde selbst und die Grundstücke für die Anlagen – sicher einige tausend Euro. Damit die Technik effizient arbeitet, sollte sie von Fachleuten gebaut, gesteuert, überwacht und gewartet werden. Was auch nicht zum Nulltarif geschieht.

Einmal Cowboy sein – eine reizvolle Vorstellung. Aber ob es das meinem Mann und unseren Nachbarn wert ist? Ich fürchte, nicht ;-).

Doch die „Energie vom Acker“ ist längst auf dem Vormarsch. Über 230 Biogasanlagen mit insgesamt rund 100 Megawatt installierter elektrischer Leistung waren laut Sächsischem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Ende 2012 landesweit am Netz, davon mindestens 200 in landwirtschaftlichen Betrieben. Im Freistaat konnten zum gleichen Zeitpunkt mehr als 230.000 Haushalte mit Elektroenergie auf der Grundlage von Biogas versorgt werden.

Biomethananlage-Zittau
Die beiden Fermenter gehören zur Biomethan-Anlage, die die Stadtwerke Zittau GmbH und die ENSO AG gebaut haben.

Die erste Biogas-Anlage mit ENSO-Beteiligung ging im Dezember 2011 in Zittau in Betrieb. Aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais entsteht mit Hilfe von Bakterien in einem Gärungsprozess Biogas, das auf Erdgasqualität veredelt und anschließend ins Netz der Stadtwerke Zittau eingespeist wird.

Mit diesem Erdgas können Blockheizkraftwerke Strom und Wärme an Standorten erzeugen, an denen beides benötigt wird.

Bei uns zu Hause kommt das Cowboy-Kostüm auch künftig höchstens für Fasching in Frage. Und ich setze weiter darauf, erst mal Energie zu sparen statt selbst zu erzeugen. Das eigene Verhalten birgt reichlich Sparpotenzial: Immerhin bis zu zehn Prozent weniger Verbrauch bringen der Austausch alter stromfressender Haushaltgeräte und das Vermeiden des Stand-by-Betriebs mit sich, haben Experten errechnet.

Moderne Heizungsanlagen sowie richtiges Heizen und Lüften verringern ihn noch mal um bis zu 30 Prozent. Der Spatz in der Hand ist allemal besser als die Taube auf dem Dach. Oder sehen Sie das anders?