Steffen Buck auf seinem Liegetrike
Im Namen der Wissenschaft: Für eine Pedelec-Leistungsstudie radelten Steffen Buck und acht Mitstreiter vom Bodensee nach Berlin. Fotos: e2rad

e2rad – ein Projekt zur Förderung der Elektromobilität auf zwei Rädern. So lautete die Projektbeschreibung in unserer Vorlesung Angewandtes Projektmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Friedrichshafen.

Doch wie können Studenten mit begrenzten Mitteln erlernte Methoden des Projektmanagements in der Praxis anwenden? Zum Beispiel, indem sie mit Pedelecs quer durch Deutschland radeln – vom Bodensee bis nach Berlin.

Wir, sieben Kommilitonen, unser Prof Dr. Jürgen Brath und ich, machten es uns im Namen der Wissenschaft zur Aufgabe, Projektmanagement und Technik zu verknüpfen – ganz im Sinne unseres Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen. Ich, Steffen Buck (23), war bei der Tour als stellvertretender Projektleiter und Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit dabei.

Böse Zungen behaupten, das sei keine Herausforderung – wir fahren ja schließlich mit Tretunterstützung! 1.150 Kilometer in acht Etappen mit bis zu 170 Kilometern am Tag, 60 Stunden im Sattel und über 8.000 Höhenmeter mit elektromotorisierten Drahteseln – das kann jeder!

Technik am E-Bike
Vor Tourstart verkabelte mein Kommilitone Lukas Pflaum die E-Bikes mit unserer Messtechnik.

Was ist wirklich dran an den Vorurteilen? Genau das wollten wir herausfinden: Wie anstrengend ist Pedelecfahren im Vergleich zum „normalen Radeln“?

In den Laboren der Dualen Hochschule verkabelten wir drei Pedelecs und die zugehörigen Fahrer mit Messgeräten, um Daten für eine Leistungsstudie zu sammeln. Auf dieser Grundlage wollten wir analysieren, wie viel Arbeit ein Pedelec dem Fahrer wirklich abnimmt.

Optimale Bedingungen für so einen Test sehen anders aus: Wir mussten bei Regen starten. Lediglich auf halber Strecke vor Bad Wörishofen wurden wir mit etwas Sonnenschein belohnt. Auf den nächsten vier Etappen über München, Moosburg, Regensburg und Bayreuth regnete es immer wieder. Temperaturen bis nahe an den Gefrierpunkt begleiteten uns.

Die absolute Härteprüfung erwartete uns auf dem 171 Kilometer langen Abschnitt von Gera nach Dresden: 5° C, klatschnasse Klamotten, ein kaputtes Rad und wegen eines militärischen Sperrgebietes zu Umwegen gezwungen – ohne den guten Teamgeist hätten viele aufgegeben.

Dass bei solchen Bedingungen unsere Messgeräte nicht ganz mitspielten, hatten wir befürchtet. Einmal funktionierte ein Drucksensor zur Messung der Tretleistung des Fahrers im Pedal nicht richtig. Ein anderes Mal zeichnete der Leistungsmesser zwischen Motor und Batterie die Daten nicht mehr auf.

Fahrradlenker mit Messgeräten
Unterschiedliche Messgeräte zeichneten während unserer Tour alle Daten auf, die wir für die Leistungsstudie brauchten.

Dennoch waren wir zuversichtlich, dass die Messdaten am Ende ausreichen, um beweisen zu können: Pedelecfahren ist auch Sport und sogar gesünder als herkömmliches Fahrradfahren, da extreme Belastungsspitzen vermieden werden. Das schont auf Dauer den Körper und ist besser für die Fettverbrennung.

Bei gleichbleibender Belastung ändert sich die Herzfrequenz nicht, der Körper hat genügend Zeit, frisches Blut mit ausreichender Sauerstoffsättigung und neue Energie aus den vorhandenen Fettreserven im Körper herzustellen, erinnerte ich mich an den Bio-Unterricht.

Beim Fahren spürte ich, dass ich so gut wie jede Steigung ohne Anstrengung bewältige, was auch meine Messgeräte bestätigten. Zum Vergleich musste ich auch mal ohne Unterstützung fahren, den Unterschied merkte ich deutlich. Verschwitzt, außer Atem und platt mühte ich mich ab, im Feld zu bleiben.

Trotz der ausgefallenen Messgeräte hatten wir am Ende genug Werte, mit denen sich nachweisen lässt, dass ein Pedelecfahrer im Schnitt deutlich weniger belastet wird und seine Herzfrequenz auf einem geringeren Level bleibt.

Die untere Grafik zeigt das deutlich. Die Leistungsdaten, die für mich aufgezeichnet wurden, sind relativ gleichmäßig. Die rote Linie orientiert sich an den Leistungsspitzen auf den ersten 85 Kilometern. Bei Kilometer 85 und 100 gab es zwei hohe Anstiege, die die Leistungswerte nach oben schnellen lassen. Bis auf diese beiden „Ausreißer“ liegen alle Ausschläge im Rahmen von 120 bis 240 Watt, etwa 90 Prozent sogar im Bereich von 120 bis 180 Watt.

Leistungsrafik-e2rad

Im Durchschnitt habe ich eine Leistung von 58 Watt aufbringen müssen, wie die grüne Linie zeigt. Ein normaler Radler aus unserem Team immerhin 80 Watt, also deutlich mehr. Die Trittfrequenz wiederum lag bei mir etwa 30 Prozent unter der des klassischen Fahrradfahrers.

Dauerhaft geringere Belastung und Herzfrequenz – mit wissenschaftlichen Daten von e2rad überprüft und nachgewiesen! Ich denke, wir haben einen guten Grundstein für weitere Untersuchungen gelegt. Unsere e2rad-Nachfolger können etwas tiefer in die Details gehen und aufzeigen, wie viele Kalorien ein Pedelecfahrer im Vergleich zum klassischen Radfahrer verbrennt. Damit sind Rückschlüsse auf die Fettverbrennung möglich.

Was genau sie letztlich untersuchen, bleibt ihnen überlassen. Vielleicht haben Sie einen Vorschlag, in welche Richtung die nächste Studie laufen sollte? Dann schreiben Sie mir. Ich gebe es weiter!