Wasserkraftwerk Seifersdorf
ENSO errichtete das Wasserkraftwerk Seifersdorf 2004 komplett neu. Zwei Jahre zuvor zerstörte das Jahrhunderthochwasser seinen historischen Vorgänger.

Wochenende. Die Sonne lacht. Mit meiner Familie bin ich auf dem Energie-Erlebnispfad im Rabenauer Grund unterwegs. Angenehm kühl ist es hier! Unsere Wanderung führte uns von Freital-Hainsberg vorbei am historischen Wasserkraftwerk Rabenauer Grund bis zum „Gläsernen“ Wasserkraftwerk Seifersdorf. Da stehen wir nun und bewundern das Bauwerk.

Sehr modern sieht es aus. Ganz zeitgemäß glitzern an der Gebäudefassade 21 blaue Solarmodule in der Sonne. Zehn Jahre ist es her, dass ENSO den Technikveteran wiederaufgebaut und so schmuck herausgeputzt hat. Das historische Wasserkraftwerk, welches seit 1911 an dieser Stelle seinen Dienst verrichtete, fiel im August 2002 dem Jahrhunderthochwasser zum Opfer.

Ich erinnere mich sehr gut daran. Seit wir losgewandert sind, erzähle ich meinen Kindern wie es „damals“ war. Wie es aussah, hier im Rabenauer Grund, nachdem die Rote Weißeritz gewütet hatte. Und wie schließlich die Idee des „Energie-Erlebnispfades“ geboren war. Ich erinnere mich deshalb so gut daran, weil ich im Projekt mitarbeitete.

Hochwasserschäden
Das Hochwasser 2002 richtete im Wander- und Erholungsgebiet Rabenauer Grund schwere Schäden an.

Alles war kaputt. Nicht nur unsere historischen Energieerzeugungsanlagen, nein die Wassermassen hatten auch den Wanderweg, die Straßen, das Gleisbett der dampfbetriebenen Weißeritztalbahn, die Rastplätze und die Gasthäuser schwer beschädigt. Ein schmerzlicher Anblick.

Gemeinsam mit der Stadt Tharandt, der ortsansässigen Revierförsterei und der Naturschutzbehörde Freital nahmen wir uns im Frühjahr 2003 vor, die Infrastruktur wieder herzustellen und den Tourismus neu zu beleben.

Es entstand die Idee, nahe der Wasserkraftwerke (WKW) Erlebnisbereiche mit Modellen zum Ausprobieren und Lehrtafeln rund um das Thema Energie zu errichten. So wollen wir dazu anregen, bewusster mit der kostbaren Ressource umzugehen. Und erreichen, dass Groß und Klein bei einer Wandertour spielerisch etwas lernen. Mit Energie machten wir uns an die Arbeit.

Bereits ein halbes Jahr später, im September 2003, eröffneten wir den ersten Teilabschnitt zwischen Freital-Hainsberg und der Talsperre Malter. Das WKW Rabenauer Grund war um einen Erlebnisbereich mit drei Modellen reicher, an denen Interessierte ihr Energie-Wissen testen können. Eine Schautafel erklärt, wie das Wasserkraftwerk funktioniert und was es mit dem sogenannten Wasserschloss auf sich hat.

Claudia Weinhold (l.) und Juliane Marschner am Energie-Tachometer
Bei der Eröffnung des Energie-Erlebnispfades 2004 probieren meine Kollegin Juliane Marschner (r.) und ich das Energie-Tachometer aus.

Einige Kilometer weiter am Gasthaus „Rabenauer Mühle“ entstand ein Erlebnisbereich rund um die Solarenergie. Das WKW Seifersdorf bauten meine Kollegen aus der Abteilung „Kraftwerke“ nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 wieder auf und statteten es mit einer Solaranlage aus. Die befindet sich nicht wie die meisten anderen auf dem Dach, sondern in der Gebäudefassade. Das ist eine Besonderheit!

Im Freigelände lässt sich alte Technik, zum Beispiel die Original-Turbine, bewundern. In Malter auf der Staumauer stellten wir schließlich eine Schautafel auf, die die Funktionsweise der Talsperre veranschaulicht.

Diese Wegstrecke gehe ich auch heute mit meiner Familie. Obwohl die anderen Teilabschnitte längst fertig sind und sich im Herbst 2004 zu einem etwa 40 Kilometer langen Rundweg geschlossen haben, ist diese Etappe bei vielen Besuchern die beliebteste. Wahrscheinlich deshalb, weil der Rabenauer Grund hier besonders wildromantisch ist, die Erlebnisbereiche in relativ kleinen Abständen liegen, sich zahlreiche Rastmöglichkeiten bieten und die Strecke gut an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden ist.

Insgesamt hat unser Unternehmen in den letzten zehn Jahren rund 200.000 Euro in die Erlebnisbereiche, Schautafeln und eine Schutzhütte rund um den Energie-Erlebnispfad investiert. Weit mehr flossen in den Erhalt der historischen Wasserkraftanlagen.

Historische Technik im Wasserkraftwerk Rabenauer Grund
Die beiden Maschinensätze von 1911 im WKW Rabenauer Grund befinden sich noch im Originalzustand und sind voll funktionsfähig.

2012 wurde das WKW Rabenauer Grund komplett erneuert. Glücklicherweise hat es dem neuerlichen Hochwasser im vergangenen Jahr standgehalten. Leider trifft das nicht auf alle Standorte zu. Unser Wasserrad mit Strömungsbecken an der Raststätte „Zum Wanderer“ nahe der Rabenauer Mühle, das vor allem Kinder gern für sich entdeckten, steht seither still. Der Zulauf führt kein Wasser mehr. Auch unsere Schutzhütte an der Arthur-Lohse-Brücke konnte dem Wasser nicht trotzen. Sie wurde weggespült. Eine neue Stelle ist aber gefunden und wir bauen sie noch in diesem Jahr wieder auf.

Aktuell saniert unser Unternehmen auch das WKW Malter. Als Spaziergänger, Wanderer oder Radfahrer merken Sie davon nichts. Dann müssten Sie schon einen Blick hinter die Kulissen werfen. Es sind ausschließlich Anlagenteile im Inneren, die der Verjüngungskur unterzogen werden.

Führung Schulklasse
Zu besonderen Anlässen wie dem Tag des Wassers oder dem Tag der erneuerbaren Energien haben Interessierte die Möglichkeit, einen Blick ins Innere der WKW zu werfen.

Jedes Jahr führen meine Kollegen etwa 600 Besucher durch eines der historischen Wasserkraftwerke. Meistens sind es Schulklassen, die den Pfad an einem Projekttag besuchen und praxisnah etwas über die Energieerzeugung aus Wasserkraft lernen wollen. Gern nutzen auch Wandergruppen die Gelegenheit, die Technikveteranen von innen zu bewundern.

Hauptaufgabe der Abteilung „Kraftwerke“ aber bleibt es, die Anlagen zu betreiben und zu warten. Führungen sind eine – wenn auch sehr schöne – Zugabe, neben dem eigentlichen Geschäftsbetrieb. Deshalb öffnen meine Kollegen die Türen bevorzugt zu besonderen Anlässen wie dem Weltwassertag am 22. März oder dem Tag der Erneuerbaren Energien Ende April.

Mit der Stadt Tharandt und der Revierförsterei arbeiten wir nach wie vor partnerschaftlich zusammen. Das Ordnungsamt Rabenau, die Kreiswanderwarte und ein „Guter Geist“, der in unserem Auftrag unterwegs ist, unterstützen uns dabei, den Pfad sauber und in Schuss zu halten. Regelmäßig kontrollieren unsere Partner die Erlebnisbereiche, beseitigen Müll, reparieren kaputte Sitzbänke, erneuern Schautafeln. Vielen Dank dafür an dieser Stelle!

Meine Kinder lauschen immer noch auf das, was ich erzähle. Die Rote Weißeritz murmelt freundlich. Kaum vorstellbar, wie wild sie werden kann. Auf geht’s – weiter zur Talsperre nach Malter und von dort gemütlich zurück nach Freital-Hainsberg in der schnaufenden Schmalspurbahn.

Ein rundum gelungener Familienausflug, den ich Ihnen besonders jetzt in der Ferienzeit empfehlen kann!