Verbundauto VW e-up
Mit dem Praxisprojekt Verbundauto erproben DREWAG, ENSO und die TU Dresden mögliche Szenarien für die Mehrfachnutzung von Elektroautos.

Haben Sie sich schon mal überlegt, wie viele Stunden in der Woche Sie Ihr Fahrzeug wirklich nutzen? Und vor allem wie viele nicht?

Die meisten Autos fristen den Großteil ihrer Existenz im stehenden Zustand – dies gilt selbst für Carsharing-Fahrzeuge. Bedenkt man die hohen Anschaffungskosten und den auch im Stand voranschreitenden Zeitwertverlust und Verschleiß, wird einem die Verschwendung von Geld und Ressourcen bewusst. Besonders trifft das auf Elektrofahrzeuge zu, die teuer in der Anschaffung, dafür aber billiger im Unterhalt sind.

In unserem aktuellen Projekt „Energie und Mobilität im Verbund“, kurz EnMoVer, suchen wir daher nach Möglichkeiten, Elektrofahrzeuge maximal auszulasten. Unser Ansatz ist die sogenannte Mehrfachnutzung, bei der verschiedene Personen und Einsatzzwecke auf einzelnen Fahrzeugen miteinander kombiniert werden. Im März habe ich bereits hier im Blog und in der Frühjahrsausgabe des ENSO-Magazins darüber berichtet.

Nachdem das Konzept steht und die neuen Elektroflitzer bei uns eingetroffen sind, machen wir nun gemeinsam mit der DREWAG und der TU Dresden den nächsten Schritt: Mit einer Testflotte aus fünf Elektrofahrzeugen – den „Verbundautos“ – erproben wir, was die Mehrfachnutzung maximal hergibt. Ziel ist es, die Standzeiten der Fahrzeuge zu minimieren und so viele Nutzer wie möglich zu kombinieren.

Parkplatz
Privat-Pkw sind durchschnittlich nur 43 Minuten und Carsharing-Autos 62 Minuten am Tag unterwegs. Die meiste Zeit stehen sie. Foto: w.r.wagner / pixelio.de

Dafür suchen wir Freiwillige, die bereit sind, sich über mehrere Monate ein Elektrofahrzeug mit anderen zu teilen und anschließend von ihren Erfahrungen zu berichten. Die Autos stellen wir zur Verfügung und übernehmen auch die Kosten für den Stromverbrauch. Neben der Kombinierbarkeit von privaten und gewerblichen Einsatzzwecken untersucht die TU Dresden, ob und wie sich das Mobilitätsverhalten der Menschen in Dresden und Ostsachsen ändert.

Die Herausforderungen an die Organisation sind enorm. Wer sich wie ich früher ein Fahrzeug mit dem Rest der Familie geteilt hat, kann den Aufwand vielleicht erahnen. Eine Kombination „fremder“ Nutzer auf ein Elektroauto mit Reichweitenbeschränkung und langen Ladezeiten wird da nicht einfacher.

Damit alles reibungslos abläuft und die Teilnehmer immer pünktlich an ihr Ziel kommen, haben wir uns viele Gedanken gemacht. Welche Teilnehmer lassen sich miteinander kombinieren? Wie funktionieren Fahrzeugübergabe und –zugang? Wann und wo wird das Fahrzeug geladen? Was passiert, wenn ein Nutzer oder Fahrzeug ausfällt?

Eine der größten Herausforderungen ist die optimale Verknüpfung der verschiedenen Teilnehmer, kurz: Wer passt zu wem? Um dies herauszufinden, hat die TU einen Fragebogen entworfen, der die Fahrprofile der Bewerber möglichst genau widerspiegelt. Entscheidend ist deren Verzahnung. Die Kernfrage lautet: Wann und wo wird das Fahrzeug für welche Strecke benötigt, wo gibt es Schnittpunkte?

Verbundauto BMW i3
Damit dem Nutzer das „Verbundauto“ für den Einkauf nach Feierabend wieder zur Verfügung steht, müssen die Profile der verschiedenen Fahrer zusammenpassen.

Die Nutzerprofile werden teils automatisiert, teils in Handarbeit übereinander gelegt, Nutzungszeiten und Standorte verglichen sowie Verknüpfungspunkte identifiziert. Daraus „baut“ die TU dann für jedes Fahrzeug einen eigenen Einsatzplan.

Was bereits bei konventionellen Autos eine Herausforderung wäre, gestaltet sich bei Elektrofahrzeugen noch schwieriger. Eine Betankung innerhalb von zwei Minuten ist nicht möglich. Entsprechend müssen wir Reichweite, Ladezeiten und –möglichkeiten berücksichtigen.

Neben den öffentlichen Ladestationen nutzen die Teilnehmer private Ladepunkte. Beispielsweise wenn das Fahrzeug bei einem der Nutzer „übernachtet“ und am nächsten Tag mit vollem Akku seine Fahrten antreten soll. Der geladene Strom wird dabei oftmals von der selbst verbrauchten Menge abweichen. Um eine gerechte Rückerstattung der Stromkosten zu ermöglichen, erfassen wir die Füllstände der Fahrzeugbatterien fortlaufend und können so den einzelnen Nutzern die Ladevorgänge direkt zuordnen.

Mit der Überwachung des Akkuzustandes und einer guten Vorausplanung wollen wir auch ausschließen, dass einem „Stromer“ der Saft ausgeht und er unterwegs liegen bleibt. Aber was passiert, wenn eine Tour dennoch nicht klappt, zum Beispiel weil ein Nutzer ausfällt oder das Fahrzeug defekt ist? Damit die Teilnehmer in diesen Fällen weiterhin mobil bleiben, springen Ansprechpartner der TU Dresden ein. Je nach Problemfall können diese die Fahrzeuge an den eigentlich vorgesehenen Punkt bringen oder für Ersatz sorgen. Der Einsatzplan wird dadurch quasi „geflickt“.

Sie merken, wir haben ordentlich vorgearbeitet. Aber ein guter Plan hält bekanntlich immer nur bis zur Praxis. Während des Testzeitraums wird sicherlich die eine oder andere Herausforderung zu meistern sein.

Falls Sie das nicht abschreckt oder jetzt erst recht Ihr Interesse geweckt ist, bewerben Sie sich und wagen Sie mit uns gemeinsam das Experiment „Verbundauto“.