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Blütenweiße Wäsche auf der Leine – mit der Maschine ist dieser Zustand keine schweißtreibende Angelegenheit mehr. Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Hand auf‘s Herz, in der Regel sehen wir Männer die Waschmaschine nur beim Umzug oder wenn das Ding mal streikt – sorry, Vorurteil. Ich hatte vor kurzem das Vergnügen.

Nachdem ich ein Zimmer in unserem Haus zum Wirtschaftsraum umgebaut hatte, hieß es das gute Stück aus dem Keller ins Erdgeschoss zu transportieren. Warum Umzüge so nerven, wird einem spätestens dann klar, wenn man mit einer Sackkarre und gefühlten 200 Kilogramm Waschmaschine zwischen den Etagen feststeckt.

Dabei ging mir manches durch den Kopf. So auch der Gedanke, wie diese Erfindung doch den Alltag einer Hausfrau oder eines Hausmannes erleichtert. Ein gewisser Karl Louis Krauß meldete 1901 die erste deutsche Ganzmetallwaschmaschine auf Basis des Trommelprinzips zum Patent an.

Waschtag
Waschbrett und -trog sowie jede Menge Muskelkraft waren früher am Waschtag nötig. Foto: Dietmar Meinert/pixelio.de

Für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende war es ein Quantensprung. Denn zuvor bedeutete das Wäschewaschen schwere körperliche Arbeit. Meine Großmutter erzählte von Waschtagen, an denen sie im Waschhaus erst die Wäsche in einem großen Kübel gekocht hat und mit Hilfe von Waschbrett, Muskelkraft und Seifenlauge dem Schmutz zu Leibe rückte.

Doch mit dem Gerät, das bei uns heute daheim steht, ist auch die Erfindung von 1901 nur noch im Grundprinzip vergleichbar. Oder machen Sie noch Feuer unter dem Waschkessel?

Wo heute eine Steckdose und ein Wasseranschluss genügen, brauchte man damals zusätzlich einen Anschluss an einen Schornstein. Die Waschmaschine wurde im sächsischen Schwarzenberg in den Kraußwerken gebaut und weiterentwickelt. 1931 bekam das System einen elektrischen Getriebemotor. Wenn Sie Lust haben, können Sie sich ab November im frisch renovierten Museum Schloss Schwarzenberg eine solche Waschmaschine namens Turna ansehen.

Turna
Die Turna war die erste Waschmaschine mit Elektromotor aus den sächsischen Kraußwerken. Foto: Archiv Städtisches Museum in Schwarzenberg „PERLACASTRUM“

Die Turna wog stolze 180 kg und verbrauchte rund 100 Liter Wasser pro Waschgang. Für damalige Verhältnisse sehr gut. Weitere Entwicklungen nach dem Krieg waren der „Halbautomat“, ein Waschautomat ohne Schleuderfunktion, und der „Vollautomat“, der diese Funktion auch hatte.

Ich selbst kenne beide Maschinen. Beim Halbautomaten war eine kleine Wäscheschleuder nötig. Für mich als Kind damals eine lustige Sache – oben Wäsche rein, unten Wasser raus und am Ende klebte die Wäsche an der Trommel fest.

Und rund 80 Jahre nach der ersten Waschmaschine? Jetzt gibt es Begriffe wie Energieeffizienzklassen oder Aquastop. Die neuesten Geräte sind heute kleine Computer und lassen sich via SmartPhone bedienen. Wie das geht, erläutert dieses Video.

Der Wasser- und Stromverbrauch richtet sich danach, wie viel Wäsche sich in der Maschine befindet. Besonders energiesparende Geräte verbrauchen nur noch ca. 35 Liter Wasser und rund 0,5 Kilowattstunden Strom pro Waschgang bei 40 Grad Celsius. Hohe Waschtemperaturen sind heute die Ausnahme, da sich auch die Waschmittel verbessert haben. Beim Gewicht der Maschinen geht die Spanne weit auseinander: von rund 60 bis über 100 kg.

Ich bin gespannt, wo die Entwicklung hingeht. Vielleicht gibt es ja bald Kleidung, die sich selbst reinigt. Dann wäre die Waschmaschine überflüssig. 😉

Zurück zu deren Umzug aus dem Keller in den neuen Wirtschaftsraum. Mit der Hilfe des Nachbarn habe ich es geschafft. Nun tut sie wieder ihren Dienst. Ist schon toll, zu sehen, was pfiffige Sachsen so erfunden haben, und wie diese Dinge unseren Alltag verändern.

Zum Schluss noch zwei Tipps: Auf unserer Webseite können Sie sich zum Thema sparsame Haushaltsgeräte schlau machen und in unserem Blog erklärt Ihnen mein Kollege Matthias Queitsch, wie Sie möglichst energiesparend Waschen.