Michael-Mühlwitz
Michael Mühlwitz ist Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik und wohnt mit seiner Familie seit einigen Monaten in einem Passivhaus in Dresden-Stetzsch.

Das war mein erstes Gefühl nach dem Einzug in unser neues Haus: Es ist überall gleichmäßig warm und sehr schön hell hier. Meiner Frau und den vier Kindern ging es ähnlich.

Seit Februar wohnen wir nun in den eigenen vier Wänden. In dieser Zeit brauchten wir die Fußbodenheizung gerade mal vier Wochen. Eine klassische Heizungsanlage haben wir nicht, trotzdem beständig eine Temperatur von über 20 Grad Celsius im gesamten Haus.

Die Abwärme eines Servers, der in unserem Keller steht, reicht aus, um das Wasser und die Räume auf die nötigen Temperaturen zu bringen. Wir nutzen ein Angebot der Dresdner Firma Cloud & Heat.

Wie das funktioniert, beschreibt Matthias Queitsch in seinem Blog-Beitrag. Für einen Einmalbetrag haben wir 15 Jahre lang Wärme gekauft – zu einem Bruchteil der früheren Heizkosten.

Passivhaus
Große Fenster im Wohnbereich lassen viel Licht und Wärme ins Haus.

Wegen des drohenden Neubaus der Bundesstraße 6 im Zusammenhang mit der neuen Elbbrücke in Dresden-Niederwartha suchten wir einen neuen Platz zum Leben. Die geplante „Ortsumgehung“ sollte 20 Meter von unserem damaligen Wohnhaus entfernt entstehen.

Im Stadtteil Stetzsch, unweit unserer bisherigen Wohngegend, fanden wir ein hochwassersicheres Grundstück. Wichtig war uns auch die gute Anbindung an den Nahverkehr.

Ein Passivhaus hatten wir nicht von Anfang an geplant. Wir wollten wirtschaftlich bauen, mit guter Wärmedämmung, um die hohen Energiekosten deutlich zu reduzieren. In unserer 100 Quadratmeter großen Mietwohnung zahlten wir Heizkosten von rund 200 Euro im Monat.

Zunächst dachten wir an Erdgas-Brennwerttechnik. Schornstein und Erdgasanschluss sind deshalb in unserem Haus schon vorhanden. Außerdem kochen wir gern mit Gas. Die Heizung wäre problemlos nachrüstbar.

Unser Architekt Olaf Reiter prüfte, ob wir wegen der damit verbundenen staatlichen Förderung den Passivhausstandard erreichen können. Er hat schon mehrere solcher Häuser entworfen. Was sie auszeichnet, erläutert er in einem Blog-Beitrag. Das Ergebnis seiner Prüfung in unserem Fall: Nötig ist nur ein geringer Mehraufwand.

Wir bauten mit Ziegeln, deren Hohlkammern für eine bessere Dämmung mit Steinwolle gefüllt sind. Die Außenwände haben eine Stärke von einem halben Meter. Die Ziegel speichern die Wärme, sorgen so für ein gleichmäßiges Wohnklima und bieten einen guten Schallschutz.

Wegen des möglichen erhöhten Grundwasserstandes in Elbnähe haben wir uns beim Keller, der auch außen und unten gedämmt ist, für eine sogenannte Weiße Wanne entschieden. Die beheizte Fläche beträgt somit insgesamt rund 200 m2.

Unsere Vorstellungen von der Anordnung der Räume und ihrer Größe waren von Beginn an konkret. Das Wohnzimmer hat große Glasflächen Richtung Süden und Westen. Durch eine zweiflügelige Glasschiebetür gelangt man von dort in die Küche mit Fenstern nach Süden und Osten.

Im Gebäude sind die Wege kurz. Küche und Bad liegen nebeneinander. Ein weiteres Bad im ersten Stock befindet sich genau darüber. Das warme Wasser hat es aus dem Speicher also nicht weit.

Die Fenster sind dreifach verglast. Da viel Energie verloren geht, wenn sie zur Lüftung offen stehen, setzen wir auf Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Das Prinzip verdeutlicht diese Grafik:

Grafik-Zentrale-Lüftungsanlage

Die Lüftungsanlage ist ständig in Betrieb. Nach drei Stunden hat sie die Luft im gesamten Haus einmal komplett gewechselt. Mit Hilfe eines Wärmetauschers werden 95 Prozent der Wärme aus der Abluft auf die Frischluft übertragen – so geht kaum Energie verloren. Die geschlossenen Fenster haben weitere Vorteile: Weder Lärm noch lästige Insekten kommen von draußen herein.

Serverschrank
Dieser dunkle Kasten hat es in sich. Die Abwärme des Servers dient zu Heizzwecken.

Im Passivhaus ist der Energiebedarf fürs Warmwasser generell höher als der fürs Heizen. Die elektrische Leistung des Servers, dessen Abwärme wir nutzen, beträgt drei Kilowatt und ist zugleich die Wärmeleistung für unser Haus.

Sie reicht aus, um einen 500-Liter-Wasserspeicher zu heizen, der das warme Wasser für die Fußbodenheizung, die Dusche und den Wasserhahn liefert.

Auch die Sonne, die durch die großen Fensterscheiben scheint, hilft uns, den Energiebedarf fürs Heizen zu minimieren. Dafür, dass es nicht zu heiß wird, sorgen eine kleine Wetterstation, die auch die Innentemperatur misst, und sogenannte Außen-Raffstores, die vollautomatisch gesteuert werden.

In Abhängigkeit von Sonnenrichtung, -höhe, Helligkeit, Außentemperatur, Windgeschwindigkeit und Niederschlag schirmen Lamellen die Fenster so ab, dass kein direktes Sonnenlicht eindringen kann, aber der Blick von innen nach außen erhalten bleibt.

Der Architekt hat alle unsere Wünsche fachgerecht umgesetzt und bautechnisch optimiert. 2012 begannen wir mit der Planung. Dieser lange Vorlauf hat sich ausgezahlt und schnelles, kostengünstiges Bauen ermöglicht. Nach einem Dreivierteljahr konnten wir einziehen.

Die Mehrkosten gegenüber einem herkömmlichen Haus betragen beim Passivhaus bis zu 20 Prozent. Über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren refinanzieren sie sich durch den niedrigen Energiebedarf.

Ganze 1.800 Kilowattstunden Strom verbrauchen wir im Jahr. Wir haben auf energieeffiziente Gebäudeinstallation und Haushaltgeräte geachtet, verzichten auf einen Wäschetrockner und nutzen einen überdachten Trockenplatz im Garten.

PV-Anlage
Die Photovoltaikanlage liefert etwa die Hälfte des Stroms, den die sechsköpfige Familie verbraucht.

Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach mit einer Spitzenleistung von drei Kilowatt deckt etwa die Hälfte des benötigten Energiebedarfs ab. Die andere Hälfte beziehen wir aus dem DREWAG-Netz.

Seit einem Dreivierteljahr leben wir nun im neuen Haus. Hier fühlen wir uns rundum wohl – nirgends ist es fußkalt, die Zimmertüren können immer offen stehen. Wenn wir in den Keller gehen, brauchen wir keine dicke Jacke.

Alle unsere theoretischen Überlegungen auf dem Papier und am Computer haben sich bisher im Alltag bestätigt. Wir fühlen uns hier wohl, das Haus passt zu uns. Aber das Beste: Wir kommen fast ohne Heizkosten aus.