Autoverkehr auf einer Landstraße
In fünf Jahren sollen deutlich mehr Elektroautos als heute über Deutschlands Straßen rollen. Foto: pixelio.de/Rudolpho Duba

Als Projektkoordinator habe ich die Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland und vor allem in Sachsen im Blick.

Besonders aufmerksam verfolge ich, wie die Politik die Weichen stellt. Denn nach dem Willen der Bundesregierung soll es im Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen geben.

Wie nah sind wir diesem Ziel? Im letzten Fortschrittsbericht hat die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) den aktuellen Stand zusammengefasst.

Deutschland als Leitmarkt

Ende 2014 waren lediglich knapp 30.000 E-Fahrzeuge – reine elektrische (BEV) und Plug-In-Hybride (PHEV) in Deutschland zugelassen. Das ist weit von der angestrebten Zielmarke entfernt. Danach müssten bereits 100.000 Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Im internationalen Vergleich landen wir damit nur im Mittelfeld. Hier haben wir Aufholbedarf.

In Sachsen rollten Anfang 2015 insgesamt 581 rein elektrische E-Fahrzeuge über die Straßen. Hinzu kommen rund 450 Plug-In-Hybride – also insgesamt etwa 1.000 Elektroautos. Damit liegen wir unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Ein Grund für die geringe Zahl könnte meiner Ansicht nach im bisherigen Fahrzeugangebot liegen. Modelle mit reinem Elektroantrieb eignen sich vorrangig in größeren Ballungszentren für kürzere Wegstrecken. Mit Dresden, Leipzig und Chemnitz verfügt Sachsen aber über vergleichsweise wenig Großstädte.

Opel Ampera und Mitsubishi i-MiEV
Am Markt gibt es Plug-in-Hybride wie den Opel Ampera und Autos mit reinem Elektromotor wie den Mitsubishi i-MiEV. Im ENSO-Fuhrpark sind beide Modelle vertreten.

Die Bundesregierung will Deutschland auch zum internationalen Leitanbieter für Produkte, Dienstleistungen und Lösungen rund um die Elektromobilität entwickeln.

Für eine Land mit der exportorientierten Schlüsselindustrie Automobilwirtschaft und einer global steigenden Nachfrage an Fahrzeugen mit alternativen Antriebstechnologien eine wichtige Zielstellung.

Hier nimmt Deutschland im Moment eine führende Rolle ein. Forschung und Entwicklung im Bereich der Elektromobilität wurden in den letzten Jahren stark gefördert. Das hat sich ausgezahlt: Bis Ende 2014 führten deutsche Automobilhersteller 17 Serienmodelle auf dem Markt ein. Weitere 12 Modelle sollen in diesem Jahr dazu kommen.

Auch Sachsen profitiert davon. Der BMW i3 wird in Leipzig produziert, ebenso wie der BMW i8, ein Sportwagen als Plug-In-Hybrid.

Entwicklungsprognosen für Sachsen

Trotz der bisher eher verhaltenen Zulassungszahlen gibt es Anzeichen, dass sich Elektrofahrzeuge hierzulande bald stärker verbreiten.

Zum einen dürfte sich die global steigende Nachfrage beispielsweise in China, den USA oder den skandinavischen Ländern positiv auf den deutschen Markt auswirken. Vom technologischen Fortschritt, sinkenden Produktionskosten und der zunehmenden Modellvielfalt müsste das hiesige Angebot profitieren.

Neben dem Elektromobilitätsgesetz auf nationaler Ebene werden vor allem die EU-Vorgaben zu CO2-Grenzwerten eine wichtige Rolle spielen. Ab 2021 sollen für Pkw maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer zulässig sein. Vor allem im Ober- und Mittelklassesegment ist diese Vorgabe nur mit alternativen Antriebstechnologien zu erreichen.

Eine zuverlässige Prognose für die weitere Marktentwicklung in Deutschland bleibt schwierig. Die NPE geht im Mittel von 500.000 Elektrofahrzeugen für 2020 – ohne weitere unterstützende Maßnahmen, wie Kaufanreize –  aus. Bezogen auf Sachsen wären dies etwa 24.000 Elektroautos.

ENSO-Stromtankstelle in Oybin
Eine ausreichende Dichte an öffentlichen Stromtankstellen wie hier auf dem Wanderparkplatz im Kurort Oybin sind wichtig für die Akzeptanz von Elektroautos.

Positiv könnte sich das wachsende Angebot von Plug-In-Hybriden auswirken. Vor allem für Vollbeschäftigte in ländlichen Räumen, kleinen und mittelgroßen Städten sowie Vororten wäre dieser Fahrzeugtyp wirtschaftlich attraktiv.

Und Pendler gibt es in Sachsen verhältnismäßig viele. Mit ihren Autos legen sie längere Wegstrecken zurück und erreichen eine hohe Jahreslaufleistung. Die niedrigeren Betriebskosten von Elektrofahrzeugen kommen da stärker zum Tragen.

Zudem verfügen Bewohner im ländlichen Raum meist über private Lademöglichkeiten – neben der öffentlichen Ladeinfrastruktur eine wichtige Voraussetzung für die regelmäßige Nutzung von Elektroautos.

Unser Unternehmen hat in den letzten Jahren in die Ladeinfrastruktur investiert. Neun Stromtankstellen sind am Standort Dresden und in der Region Ostsachsen entstanden.

Die Entscheidung für ein E-Fahrzeug hängt nicht nur von den Lademöglichkeiten, sondern vor allem auch von den Fahrprofilen der Besitzer ab. Gemeinsam mit der TU Dresden untersuchen wir im Projekt ENMOVER passende Einsatzfelder für Elektrofahrzeuge. Mit Fokus auf den regionalen Raum und der Schnittstelle Stadt-Land erproben wir auch Pendlerszenarien und untersuchen die Möglichkeit der Mehrfachnutzung.

Kaufanreize nötig

Um das Eine-Million-Ziel zu erreichen, braucht es zusätzliche Maßnahmen. Die NPE schlägt eine Reihe von Ansätzen vor, darunter finanzielle Anreize für gewerbliche Nutzer wie Kaufprämien oder Steuerprivilegien. Auch Investitionspartnerschaften beim Aufbau von Ladeinfrastruktur beispielweise zwischen Kommunen und Energieversorgern sowie nicht-monetäre Anreize wie Sonderparkrechte für Fahrer von Elektroautos wären denkbar.

Parkplatzschild für Elektrofahrzeuge
Können Sonderparkrechte ein Argument sein, sich für ein Elektroauto zu entscheiden? Mehr Erfolg versprechen finanzielle Anreize. Foto: pixelio.de/Georg Sander

Die stärksten Effekte dürften die empfohlenen Sonderabschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen beim Kauf eines Elektroautos und öffentliche Beschaffungsinitiativen bringen.

Wenn Gewerbetreibende und Gemeinden ihre Fahrzeugflotten konsequent auf Elektromobilität umstellen, würde das einen spürbaren Effekt bringen.

Denn zu 60 Prozent sind es Unternehmen und die öffentliche Hand, die Neuwagen erwerben. Gleichzeitig wird die Grundlage für einen Gebrauchtwagenmarkt geschaffen – wichtig für private Käufer.

Die breite Förderung von Forschung und Entwicklung verschafft Deutschland eine gute Ausgangsposition, sich als Leitmarkt für die Elektromobilität zu entwickeln. Der technologische Wettlauf sowohl zwischen den Antriebstechnologien als auch den Automobilnationen bleibt spannend. Mit unseren eigenen Projekten versuchen wir, der Elektromobilität in der Region Rückenwind zu verschaffen.