Ein Fördergerüst aus dem Bergbau steht am Straßenrand.
Ein fast 30 Meter hohes Fördergerüst mit Seilscheibe aus dem Bergbaubetrieb Dresden-Gittersee weckte unsere Neugier.

Immer, wenn wir auf dem Weg zum Rabenauer Grund im Auto auf der Straße von Dresden-Coschütz nach Freital hinab rollen, kommen wir an einer auffälligen Konstruktion vorbei. Was das wohl sein könnte, fragten unsere Kinder. „Ein Gerüst aus dem Bergbau“, mutmaßte mein Mann.

Letztes Wochenende machten wir Halt um nachzusehen, was es mit dem Gestell auf sich hat. Und tatsächlich: Ein Schild verriet uns, dass ein Fördergerüst von 1957 vor uns stand.

Näheres zur regionalen Bergbaugeschichte erfuhren wir um die Ecke im Museum von Schloss Burgk. Beim Rundgang durch die Ausstellung und bei einem Abstecher in die Schauanlage entdeckten wir überraschend viele Verbindungen zur Energieversorgung.

Nutzen Sie doch das Pfingstwochenende, um es uns gleich zu tun! Ein Besuch im Bergwerksmuseum ist für die Feiertage vielleicht nicht das Naheliegendste. Ein Abstecher lohnt sich aber – nicht zuletzt wegen des malerischen Schlosses mit seinem verträumten Park am Fuße des Windbergs. Es beherbergt auch die Kunstsammlung der Stadt Freital mit Werken von Dresdner Künstlern des 19. und 20. Jahrhunderts.

Blick auf Schloss Burgk in Freital
Das Schloss in Freital-Burgk beherbergt nicht nur das Bergwerksmuseum, sondern auch die städtischen Kunstsammlungen.

Erstmals urkundlich erwähnt wird die dörfliche Ansiedlung Burgk im Jahre 1168. Wann genau der Grundstein für das herrschaftliche Anwesen gelegt wurde, ist ungewiss – vermutlich in der Renaissance.

Seit dem 16. Jahrhundert ist das Schloss mit dem Steinkohlebergbau verbunden. Damals soll das Rittergut von einer thüringischen Adelsfamilie mit der Absicht, erste Bergbauversuche zu unternehmen, gekauft worden sein.

Zur Blütezeit gelangte es im 19. Jahrhundert unter dem Einfluss des Freiherrn Carl Friedrich August Dathe von Burgk. Er gründete die Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke und entwickelte sie zu einem der bestgeführten privaten Montanunternehmen in Sachsen.

Gas und Strom bringen große Umwälzungen beim Geleucht

Weit in die Geschichte zurück reicht die Ausstellung des Burgker Rittergutes. Wir bekommen eine Ahnung davon, wie schwer es die Bergarbeiter damals hatten; in welch einfachen Verhältnissen sie lebten und arbeiteten. Neben zahlreichen Informationstafeln sind unter anderem die gute Stube des Bergmannes, Uniformen, Gerätschaften und bergmännisches Geleucht zu sehen.

Stichwort „Geleucht“. So bezeichnet der Bergmann alle Leuchtmittel, die unter Tage zum Einsatz kommen. Kienspäne, Kerzen, Fett- und Öllampen wurden über Jahrtausende hinweg im Bergbau eingesetzt. Die Nachteile liegen auf der Hand: kurze Brenndauer, geringe Lichtausbeute, hohe Unfallgefahr durch offene Flammen. Außerdem waren Rußbelastung und Sauerstoffverbrauch enorm, was zu schlechter Luft in der Grube führte.

Glasvitrinen mit bergmännischem Geleucht
Durch die Ausstellungsstücke in den Glasvitrinen lässt sich die Entwicklung des bergmännischen Geleuchts gut nachvollziehen.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es durch Leuchten, die mit dem chemisch entwickelten Gas Acetylen (sog. Karbidlampe) betrieben wurden, zu spürbaren Verbesserungen.

Obwohl sich das Acetylengeleucht weltweit verbreitete, musste es schon bald dem elektrischen Licht weichen. Nach der Erfindung der Glühlampe durch Edison im Jahr 1881 dauerte es kaum zehn Jahre, bis die erste elektrische Lampe unter Tage zum Einsatz kam.

Die besondere Herausforderung bestand darin, netz- und ortsunabhängige Stromquellen zu erschließen. Der Akkumulator wurde damit zum wichtigsten und schwierigsten Bauteil.

Man stelle sich vor: Anfangs bestand die Batterie aus Blei, wog 1,65 kg, hielt acht bis zehn Stunden und das bei geringer Lichtausbeute! Doch dabei blieb es glücklicher Weise nicht – die Akkumulatoren wurden ständig weiter entwickelt und optimiert. Und auch am Tragekomfort tüftelten die Fachleuchte. Auf Handleuchten folgten welche, die um den Hals getragen werden konnten, und schließlich setzte sich die Stirnlampe durch.

Elektrizität verbessert Grubenförderung, Energie- und -Druckluftversorgung

Der elektrische Strom brachte weitere Verbesserungen für den Bergbau, beispielsweise die Grubenförderung.

Anfangs mussten die Bergleute alles manuell nach draußen transportieren. Sie behalfen sich mit Körben, Schubkarren und Wagen (Hunt), die sie über Korb-, Seilbahnen, Bremsberge und –schächte sowie mit Unterstützung von Pferden und handbetriebenen Hebemaschinen (Haspeln) ans Tageslicht beförderten. Ende des 19. Jahrhunderts erleichterten endlich elektrisch betriebene Förderhaspeln und Grubenlokomotiven die körperlich schwere Arbeit.

"Dorothea", die erste elektrische Grubenbahn der Welt aus dem Jahr 1882
„Dorothea“, die erste elektrische Grubenbahn der Welt, wurde 1882 von Siemens & Halske für den Oppelschacht in Zauckerode gebaut.

Die erste elektrisch betriebene Grubenlokomotive der Welt aus dem Jahr 1882 ist – gut geschützt hinter Glas – in der Bergbauschauanlage zu sehen.

Als es endlich möglich wurde, die Gruben von über Tage durch Schächte, Querschläge und Verteilerstationen mit Elektroenergie und Druckluft zu versorgen, war das ein Segen für die Bergleute!

Das erste gasbeleuchtete Dorf der Welt

In den Jahren 1827/28 soll übrigens auf dem Gelände des Wilhelminen-Schachtes in Groß-Burgk eine der ersten von deutschen Technikern errichtete Gaserzeugungsanlage in Betrieb gegangen sein.

Meine Kollegin Andrea Rehbein schreibt in ihrem Beitrag zur Gasbeleuchtung, dass 1828 in Dresden dank R. S. Blochmann, dem „Begründer der deutschen Gasindustrie“, die ersten öffentlichen Gaslaternen brannten. Ein Irrtum?

Jein. Im damaligen Dorf Groß-Burgk wurde – quasi im Schatten der Dresdner Gasanstalt – eine Gaserzeugungsanlage errichtet. Der damalige Besitzer Freiherr Dathe von Burgk dachte wirtschaftlich und suchte nach Möglichkeiten, die heißen Koksofengase zu verwerten. Also verfolgte er die Entwicklungen rund um die Gaslichterzeugung aufmerksam. Nach einigen Tüfteleien und Fehlschlägen gelang es ihm mit Unterstützung von Fachleuten tatsächlich, eigenes Leuchtgas zu erzeugen.

Eingang in die "Tagesstrecke Oberes Revier Burgk" im Schlossgarten
Das Mundloch zum Besucherbergwerk „Tagesstrecke Oberes Revier Burgk“ erreicht man nach einem kurzen Spaziergang durch den schönen Schlossgarten.

Als am 23. April 1828 in Dresden anlässlich der Geburt des Prinzen Albert 36 Gaslaternen brannten, illuminierte auch Freiherr Dathe von Burgk das Schachtgebäude und sein Anwesen.

Zurück zum Museum: Gern hätten wir uns noch das Besucherbergwerk „Tagesstrecke Oberes Revier Burgk“ angeschaut, dessen Einstieg sich im Burgker Schlossgarten befindet. Es soll nicht nur für Bergbaufreunde, sondern auch für geologisch interessierte Besucher spannend sein, weil 295 Millionen Jahre alte Flözlagerungen der Steinkohle zu sehen sind.

Allerdings ist eine Einfahrt in die 1.300 Meter lange Strecke immer nur dienstags, donnerstags und am ersten Sonntag im Monat möglich. Da waren wir eine Woche zu spät. … Vielleicht haben Sie bei Ihrem Ausflug mehr Glück!