Mein Testobjekt: ein Pedelec von ENSO
Mein Testobjekt, ein ENSO-Pedelec, und ich.

Pedelecs? Das sind doch diese Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung für das ältere Semester. Oder für jene, die keinen Ehrgeiz haben und sich einfach anschieben lassen wollen. Zugegeben, so hab ich gedacht.

Wer wie ich relativ viel mit dem Rad unterwegs ist, teilt sicher diese Einstellung. Der sportliche Ehrgeiz (oder das eigene Ego?) erlaubt es einfach nicht, fremde Hilfe durch einen Elektromotor anzunehmen.

Trotzdem war ich neugierig, was an den Dingern dran ist und wie sie sich fahren. Als sich die Gelegenheit für eine Testfahrt bot, hab ich diese beim Schopf gepackt und mir ein Elektrofahrrad bei meinen Kollegen ausgeliehen.

Abgeholt habe ich es in der Tiefgarage unserer Hauptverwaltung. Die Handhabung ist sehr simpel: Draufsetzen, Unterstützung anschalten und lostreten. Beim ersten Tritt in die Pedale war ich erstaunt, wie sehr der Elektromotor unterstützt. Es ist tatsächlich so, als ob jemand von hinten anschiebt. Die steile Ausfahrt hinauf musste ich mich kaum anstrengen.

Ich erspare es mir, eine Abhandlung technischer Details oder Tipps und Tricks zur längeren Akkuhaltbarkeit zu schreiben. Diese gibt es im Internet zu Hauf. Meine Kollegin Claudia Weinhold hat bereits eine sehr wissensreiche Recherche angestellt. Übrigens: Was das Pedelec vom E-Bike unterscheidet, hat mein ehemaliger Kollege Tino Schütte in seinem Beitrag erklärt.

Für mich geht es beim Radfahren aber letztendlich (neben dem sportlichen Ehrgeiz 😉 ) um das Fahrgefühl. Und das lernt man nur kennen, wenn man tatsächlich fährt.

Szenario 1 – Zügig durch die Stadt

Wer in Dresden mit dem Rad unterwegs ist, weiß, dass im Elbtal immer ein bisschen Wind weht. Egal, ob man von Ost nach West oder umgekehrt unterwegs ist, irgendwie kommt der Wind immer von vorne. Das kann frühmorgens vor der Arbeit schon ein richtiger Motivationskiller sein. Manchmal legt einem der innere Schweinehund freudig hechelnd die Autoschlüssel vor die Füße.

Da kann es ziemlich motivierend sein zu wissen, dass jemand von hinten schieben kommt. Ich empfand es als sehr angenehm, ohne Anstrengung dem Wind entgegen treten zu können. Und das Beste war, das ich auf Arbeit nicht so durchgeschwitzt wie sonst angekommen bin.

Szenario 2 – Nützlicher Helfer im Alltag

vollgepackte Fahrradtaschen
Mit vollgepackten Fahrradtaschen ist der „Schubs von hinten“ besonders willkommen. Foto: ABUS Security Tech Germany CC BY-ND 2.0

Alles in allem fährt es sich im Stadtverkehr mit dem Pedelec sehr bequem. Das viele Start-Stopp aufgrund der roten Ampeln stört gar nicht mehr so, da man beim Start schön angeschoben wird.

Diese Hilfe macht sich insbesondere nach dem Einkauf bemerkbar, wenn in den Radtaschen ein paar Lebensmittel und isotonische Getränke verstaut sind. Dann kommen leicht 10 bis 15 Kilogramm Gepäck zusammen. Diese merkt man mit dem Elektrofahrrad gar nicht mehr.

Was die Geschwindigkeit angeht: Im Stadtverkehr bin ich im Schnitt drei bis vier Kilometer pro Stunde schneller unterwegs als gewöhnlich. Das spart bei einer Strecke von zehn Kilometern circa fünf Minuten Zeit.

Szenario 3 – Problemlos durch hügeliges Gelände

Natürlich durfte auch eine kleine Tagestour nicht fehlen. Dazu habe ich mir die Gegend um die Talsperre Malter ausgesucht, da ich demnächst mit meiner Tochter eine Radtour dorthin unternehmen möchte und keine Überraschungen erleben will. Also erkundete ich mit dem Pedelec das Gelände.

Zunächst fuhr ich aus dem Elbtal hinaus. Bergauf geht es spielend leicht, ähnlich wie in Bestform auf einem Rennrad. In Malter angekommen, habe ich die Gelegenheit genutzt einen Abstecher auf den ENSO-Energie-Erlebnispfad zu unternehmen. Meine Tour führte mich zurück durch den Rabenauer Grund. Unweit der Rabenauer Mühle taten sich dann als Überraschung ein paar felsige Stufen auf. Es hieß also absitzen und tragen. Mit dem hohen Gewicht des Elektrofahrrads hatte mein Akademiker-Bizeps seine helle Freude.

Zusammenfassend muss ich zugeben, dass Pedelec fahren eine besondere Erfahrung ist. Ich habe weniger geschwitzt und war trotzdem schneller unterwegs. Mein Puls ging ruhiger (was vor allem in Punkto Fettverbrennung von Vorteil ist, da nur bei niedrigem Puls die Pölsterchen aufgebraucht werden), ich war deutlich entspannter.

Im Alltag muss, je nach zurückgelegter Strecke, der Akku alle zwei bis drei Tage aufgeladen werden. Das ist ähnlich „anstrengend“, wie das Smartphone ständig zu laden.

Mit dem Pedelec auf dem Energie-Erlebnis-Pfad
Das Pedelec macht auch auf dem Energie-Erlebnispfad eine gute Figur – solange keine Treppen zu überwinden sind.

Auf großen Touren gibt es aufgrund der Akkureichweite ein paar Schwächen. Diese können aber entweder durch einen Ersatzakku oder eine energiesparende Fahrweise, bei der man rechtzeitig schaltet und so die optimale Trittfrequenz von 60 bis 70 Pedalumdrehungen pro Minute erreicht, kompensiert werden. Je weniger „Drehzahl“ Sie selbst aufbringen, desto mehr Leistung gibt der Motor hinzu.

Ich kann jedem, der den inneren Schweinehund austricksen und sich mehr bewegen will, nur zu einem Elektrofahrrad raten. Auch wenn ich durchaus Spaß beim e-biken hatte, werde ich nicht umsteigen. Für mich ist es Ansporn, meine Fitness (wieder 😉 ) dahin zu entwickeln, ohne Motor aber mit der gleichen Leichtigkeit durch die Lande zu radeln.

Ach so: Wie es sich fährt, wenn der Motor aus ist? Vom Fahrgefühl erinnerte es mich an das gut gepflegte Rad meiner Oma, ein Möve Modell 15 aus dem Jahr 1958, das in ihrem Schuppen stand. Als ausgehender Teenager fuhr ich dieses „Eisenschwein“ recht häufig. Das Elektrofahrrad mit deaktivierter Tretunterstützung weckte bei mir einige Erinnerungen an das anstrengende Treten von damals.