Land of Giants
Geht es nach den Architekten Choi+Shine, sollen aus Strommasten tatsächlich stählerne Riesen werden. Quelle: Choi+Shine

„Mode ist jene kurze Zeitspanne, in der das völlig Verrückte als normal gilt.“, soll Oscar Wilde mal gesagt haben. Das trifft nicht nur auf Kleidung, sondern auch auf Bauwerke zu.

Der Pariser Eiffelturm beispielweise stieß in der Bevölkerung anfangs nicht nur auf Gegenliebe.

Anlässlich der Weltausstellung 1889 nach hochmodernem Konstruktionsverfahren mit genietetem Stahl erbaut, verschrien ihn Kritiker wie Paul Verlaine spöttisch als „Skelett von einem Glockenturm“.

Doch diese Gitterstruktur setzte sich durch und galt bald als schick und topaktuell. Sie verkörperte den technisch-industriellen Fortschritt der damaligen Zeit.

Auch der traditionelle Stahlgitter-Strommast orientiert sich am berühmten Pariser Vorbild. Als Symbol elektrisierenden Fortschritts wurde er vor allem in ländlichen Gegenden einst freudig begrüßt. Heute ist einer seiner wichtigsten Aufgaben hingegen, möglichst wenig aufzufallen.

Bewegungslos markieren die stählernen Riesen die Koordinaten des länderumspannenden Energieflusses. Doch optisch erinnern sie noch immer an die Zeit der Industrialisierung. Welches Mastdesign würden heutige Architekten wohl vorschlagen? Weltweit arbeiten Designer und Ingenieure schon seit Jahren an neuen Formen für Hochspannungsmasten.

In einigen Ländern wie Island, Norwegen und Großbritannien fanden bereits Design-Wettbewerbe statt. Neugierig habe ich im Internet nach Fotos gesucht und bin fündig geworden. Ein paar dieser internationalen Ideen für neue Strommasten sehen Sie hier.

Twist
„Twist“
Quelle: GRID EXPO
Superstring
„Superstring Pylon“
Quelle: GRID EXPO
Stella Polaris
„Stella Polaris“
Quelle: GRID EXPO

 

Mirror Wall
„Mirror Wall“
Quelle: GRID EXPO
Migrant Mast
„Migrant Mast“
Quelle: GRID EXPO
Arphenotype
„Arphenotype“
Quelle: ARPHENOTYPE

Ob sich all diese Designvorschläge tatsächlich eins zu eins umsetzen lassen, bezweifle ich. Denn Strommasten müssen zu Recht strenge Anforderungen an Sicherheit, Stand- und Wetterfestigkeit erfüllen, die ihren Gestaltungsspielraum einengen. Dennoch finde ich es gut, in neue Richtungen zu denken und mit solchen Wettbewerben Aufmerksamkeit für das Stromnetz zu wecken.

Mein Lieblingsentwurf ist übrigens „Stella Polaris“. Er erinnert mich an meinen alten Traumfänger, der beim Auszug aus der elterlichen Wohnung vor mehreren Jahren zurückgeblieben ist.

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