Solarradweg in den Niederlanden
Auf dem Solarradweg in den Niederlanden werden verschiedene Oberflächen getestet. Foto: SolaRoad Netherlands

Vor knapp zweieinhalb Jahren berichtete ich hier im Blog von der Idee eines amerikanischen Ehepaars, die mich faszinierte: Strom aus der Straße.

Während Julie und Scott Brusaw in den USA noch immer daran tüfteln, ihre „Solar Roadways“ zur Marktreife zu bringen, ist man in den Niederlanden bereits einen Schritt weiter.

Seit mehr als einem Jahr radeln Fahrradfahrer dort über den ersten Solarradweg der Welt. Nun zogen die Betreiber Bilanz – mit überraschend positivem Ergebnis.

Solarstrom aus dem Radweg

Wenn die Einwohner der niederländischen Gemeinde Krommenie bei Amsterdam in ihren Nachbarort radeln, nutzen sie dafür den wohl fortschrittlichsten Fahrradweg der Welt. Auf einer 70 Meter langen Teststrecke sind Solarzellen in den befahrbaren Boden eingelassen. Sie erzeugen umweltfreundlichen Sonnenstrom.

Im November 2014 wurde der Weg eröffnet. Rund drei Millionen Euro hat er die Gemeinde gekostet. Doch im Gegensatz zu normalen Verkehrswegen hat der Solarradweg das Potenzial, seine Bau- und Produktionskosten mit der Erzeugung von Sonnenstrom wieder einzuspielen. Rund 15 Jahre soll das laut den Entwicklern der Firma SolaRoad dauern.

Der modulare Aufbau des ebenerdigen Kraftwerks ähnelt seinem amerikanischen Pendant. In zweieinhalb mal dreieinhalb Meter großen Betonplatten sind Solarzellen aus Silizium eingelassen. Darüber befindet sich eine Schicht aus Sicherheitsglas mit einer rutschfesten und lichtdurchlässigen Beschichtung. Sie sorgt nicht nur dafür, dass Radfahrer und Fußgänger den Weg sicher benutzen können, sondern ist auch besonders schmutzabweisend.

Die Betonplatten des Solarradwegs werden mit einem Kran verlegt.
Die Betonplatten des Solarradwegs müssen mit einem Kran verlegt werden. Foto: SolaRoad Netherlands

Wie viel Energie in dem Solarradweg steckt, zeigt seine Bilanz nach einem Jahr: Rund 10.000 Kilowattstunden grünen Strom hat die Fahrbahn im Probebetrieb erzeugt – genug, um drei Haushalte zu versorgen.

Nochmal zur Erinnerung: Die Teststrecke ist nur 70 Meter lang. Ich finde dieses Ergebnis erstaunlich. Selbst die Entwickler von SolaRoad haben nicht mit einem so hohen Ertrag gerechnet.

Allerdings offenbarte der Praxistest auch Schwachstellen. So löste sich etwa ein Teil der Fahrbahnbeschichtung. Zurückzuführen sei dies auf Materialveränderungen durch starke Temperaturschwankungen, so die Konstrukteure.

Die Niederländer planen nun den Solarradweg mit neuen Materialien um 20 Meter zu verlängern und weitere zwei Jahre zu testen. In dieser Zeit soll die Fahrbahn wichtige Erkenntnisse für den Einsatz auf der Straße liefern. Zum Beispiel, wie sich der Schatten der Radfahrer auf die Stromerzeugung durch die Solarzellen auswirkt.

Solarstraßen in Deutschland

Auch in Deutschland nimmt die Idee von Solarstraßen Fahrt auf. Hierzulande arbeitet das junge Start-Up-Unternehmen Solmove daran, Sonnenenergie auf dem Asphalt einzufangen. Im Gegensatz zum holländischen Konkurrenten planen die deutschen Entwickler jedoch nicht, die Solarzellen in viereckige Betonmodule einzulassen, die mithilfe eines Baukrans verlegt werden müssen. Solmove tüftelt vielmehr an einem Solarteppich, der ähnlich wie Rollrasen verlegt werden kann.

Solarteppich von Solmove
Der „Solarteppich“ von Solmove kann über bestehende Verkehrswege ausgerollt werden. Foto: Solmove

Möglich machen das acht mal acht Zentimeter große Glasfliesen, die über ein spezielles Gewebe miteinander verbunden und mit einer rutschfesten und selbstreinigenden Oberfläche versehen sind. So können sie flexibel über bereits vorhandene Fahrbahnen ausgerollt werden.

Das spart Kosten, da die Verkehrswege nicht erneuert werden müssen. Einen ersten Praxistest soll es 2017 auf einem Parkplatz in der bayrischen Gemeinde Herrsching am Ammersee geben. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

Den Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung hat die Idee schon jetzt überzeugt. Er hat Solmove Anfang Februar diesen Jahres das Qualitätssiegel Werkstatt-N verliehen. Damit zeichnet die Initiative jährlich 100 Ideen aus, die den Weg in eine nachhaltige Gesellschaft weisen.

Ob Straße, Rad- oder Fußweg – was halten Sie von Verkehrswegen, die umweltfreundlichen Strom erzeugen?