Meine Heizung: Fernwärme aus dem Heizkraftwerk

Energie
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Thermostat
Über meinen Fernwärmeanschluss kommt wohlige Wärme fertig zu mir ins Haus. Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Vor einiger Zeit planten meine Kollegen und ich eine neue Blogserie. Darin berichten wir über unsere Erfahrungen mit unterschiedlichen Heizungssystemen.

Von der Gasbrennwertheizung über eine Kachelofen-Luftheizung bis zur Wärmepumpe mit Direktverdampfung haben Sie bereits einige Beiträge meiner Kollegen lesen können. „Über Fernwärme kann ich etwas schreiben“, verkündete ich in unserer Runde damals selbstbewusst.

Nur was? In meiner Dresdner Mietwohnung hatte ich keine Wahl. Das Heizungssystem stand beim Einzug bereits fest. Deshalb habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie Fernwärme eigentlich funktioniert. Bis ich diesen Beitrag schrieb.

Die Besonderheit dieser Heizungsart verbirgt sich bereits im Namen. Im Gegensatz zu anderen Systemen, wird die Wärme nicht bei mir vor Ort erzeugt, sondern zentral in einem Heizkraftwerk. Von dort aus gelangt sie mittels Heißwasser über ein Rohrleitungssystem in mein Wohnhaus. Wir Mieter nutzen sie zum Heizen und zur Aufbereitung unseres Warmwassers.

Dadurch befindet sich weder ein Heizkessel noch ein Brennstofflager im Keller, sondern nur eine kleine, kompakte Übergabestation. Wir haben also deutlich mehr Platz.

Auch finanziell macht sich das bemerkbar. Regelmäßige Wartungsarbeiten an dem Heizkessel entfallen genauso wie die Besuche des Schornsteinfegers. Denn bei uns im Haus werden keine Energieträger verbrannt. Es entstehen weder Abgase und Ruß, noch Gerüche. Auch um den Brennstoffbezug muss sich der Vermieter nicht kümmern.

Im Vergleich zu Erdgas oder Erdöl sind die Preise für Fernwärme langfristig stabil und gut kalkulierbar. Wartungsarbeiten an der Fernwärme-Übergabestation führt der Wärmelieferant in regelmäßigen Abständen selbstständig durch. Als Verbraucher merke ich davon nichts. Die Kosten sind im Grundpreis für die Fernwärme bereits enthalten.

Und auch die Umwelt profitiert. Denn Fernwärme wird vielerorts nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) erzeugt. Dabei wird Abwärme, die bei der Stromerzeugung im Kraftwerk entsteht, zum Heizen von Haushalten verwendet. Die Energie des Brennstoffs wird so optimal ausgenutzt. Deshalb besitzen solche Anlagen eine sehr gute CO2-Bilanz. Wie das genau funktioniert, erklärt dieses Video:

Neben diesen vielen Vorteile gibt es jedoch auch eine Kehrseite der Fernwärme-Medaille. KWK-Anlagen nutzen die Brennstoffe zwar optimal aus. Dennoch setzen sie zum Großteil fossile Energieträger wie Erdgas, Kohle oder Erdöl ein. Diese haben insgesamt eine negative Umweltbilanz.

Gut finde ich hingegen, dass immer mehr Fernwärmenetze aus der Abwärme von Biomassekraftwerken gespeist werden. Zur Stromerzeugung werden dort erneuerbare Brennstoffe wie Holz oder Stroh eingesetzt.

Fernwärme Rohrleitungen
Über Rohrleitungen gelangt die Fernwärme vom Heizkraftwerk zum Verbraucher. Foto: Pixabay

Das ändert jedoch nichts am Problem des Wärmetransports. Denn Fernwärme wird nicht dort erzeugt, wo sie verbraucht wird, sondern zentral in einem Heizkraftwerk. Durch die Rohrleitungen auf dem Weg zum Kunden geht ein beachtlicher Teil der Wärme verloren.

Das ist der Grund, warum sie nur in Städten und Ballungsräumen verfügbar ist. Aber auch dort ist Fernwärme deutlich ineffizienter als moderne dezentrale Systeme, wie eine Gas-Brennwertheizung.

Ja, wer die Wahl hat, hat die Qual. Das gilt auch für das eigene Heizungssystem. Zumindest dann, wenn man es beeinflussen kann. 😉

Mein Abschlussplädoyer für die Fernwärme ist positiv. Sie ist preiswert, komfortabel und umweltfreundlich.

Kommentare

  1. Ich vermisse in dem Artikel eine Übersicht zum Jahresverbrauch unter Angabe der Haus- bzw. Wohnungsfläche in Verbindung mit den zugehörigen Energiepreisen.
    Wenn dann noch der Dämmstandard beschrieben wird, kann jeder eine noch bessere Bewertung vornehmen.

  2. Hallo Kapitän,

    entschuldigen Sie meine späte Rückmeldung. Im Jahr 2014 habe ich in meiner 65 Quadratmeter großen Wohnung 6.435 Kilowattstunden Fernwärme verbraucht.

    Der Durchschnittsverbrauch in Deutschland liegt zwischen 77 und 126 Kilowattstunden Fernwärme pro Quadratmeter. Mit 99 Kilowattstunden pro Quadratmeter liege ich also im guten Mittelfeld.

  3. Mein Fazit: Teure 9ct/Kwh Fernwärme? leider nein danke!

    Hallo Sven:

    ….und was haben sie 2014 nun… BEZAHLT ….für ihre 6.435 Kilowattstunden Fernwärme?
    Das ist doch die entscheidene Frage! Drüber aber schweigen sie!
    Daraus ergibt sich dann der Fernwärme-Preis/Kwh.
    Ihr verbrauchter Heiz- und WW-Verbrauch aber ist doch ganz unabhängig von verwendeten Energieträger und sagt damit rein gar nichts über ihn aus!

    Sie verbreiten viele Unwahrheiten über Fernwärme:
    1.: „…ist preiswert“ Aha, aber über den Preis /Kwh schweigen sie!

    2.: „Wer die Wahl hat!..“ ja, aber wer hat die schon als Fernwärmekunde eines Monopolisten?
    Die meisten Mieter sicher nicht.

    Ich habe sie als kleiner MFH-Besitzer und wechsle nun nach 25 Jahren, u.a.
    da Fernwärme:
    – total überteuert ist (31.215 Kwh kosteten mich 3520€ in 2017: die Kwh also knapp 9 Cent!)
    – sehr hohe Fixkosten enthält (hier 75%)
    – da sich Dämmen damit absolut nicht lohnt (reiner Heizkostenanteil nur 27%)
    – FW viel schneller teurer wird als andere Energieträger in den letzten 25 Jahren
    – ich als Kunde nicht fair und korrekt behandelt werde (z.B. Wucher-Ersatzteilpreise)

    Sie behaupten z.B.:
    1. „Die Fernwärmepreise sind gut kalkulierbar.“
    Aha, wieso das? Sie zahlen doch als „Brennstoffpreis“ den weltmarktabhängig schwankenden Grenzübergandspreis für Erdgas (Hannover: 5,8ct/Kwh) genau wie alle anderen, also wie ihn der Gasversorger ihnen abverlangt. Wie können sie den denn „kalkulieren“? Ihr FW Versorger zahlt natürlich als Großabnehmer ERHEBLICH weniger, verdient also damit schon mal deutlich an ihnen.
    2. FW ist „Umweltfreundlich“.
    Das dachte ich auch mal, zu Beginn 1995. Ok es gibt schlimmeres, inzwischen weiß ich aber: moderne Gasbrennwert-zentralheizungen sind mit einem Wirkungsgrad von 98% kaum zu toppen, jedenfalls nicht von einem modernen Gaskraftwerk (WG 50- 65%?) wie hier in Hannover.
    Und das Warmwasser kühlt dann leider nochmals stark ab auf dem Weg zum Kunden und verschlechtert diese Bilanz erneut. Was geht hier verloren? Leider sind keine Infos darüber zu finden.
    Aber das verschleiert mein Kraftwerksbetreiber elegant mit schönen alternativen „Fakten“ auf seiner Homepage.
    3. Station mit „wenig Platrzbedarf“ – Die Station plus Warmwasserspeicher braucht MINDESTENS genauso viel Platz wie moderne Gasbrennwertheizungen, wenn nicht sogar mehr…plus die dicken Zuleitungen,

    Dazu kommen als Nachteil aber noch sehr hohe, oft versteckte Fixkosten an einen Monopolisten:
    – die teuren „Grundkosten/Leistungspreis“ (bei mir 980€/anno im MFH, = 43€/pro Kwh eingestellte Leistung)
    – teure Wartungskosten (360€) wo wenig zu warten ist
    – ggf. deutlich überhöhte Ersatzteilkosten (bei mir: ne 160€-Pumpe für 840€!)
    – Konzessionsabgabe (180€= 32ct/Kwh/anno)

    weitere Kröten:
    – Knebel-5-Jahres-Verträge, sich automat. verlängernd
    – Die FW-Preissteigerungen der letzten 20 Jahre sind klar überdurchschnittlich hoch.
    – Die Eigentümer (hier die Stadtpolitiker) nutzen die Fernwärme um die Stadtkasse zu füllen (20 Mio. Konzessionsabgabe) und um hochdotierte Aufsichtsrat-Posten an die treuen Parteigenossen zu verteilen- auf Kosten der Mieter.

    Die teure Fernwärme ist damit schon lange ein Fall fürs Kartellamt! Das aber ist bisher leider untätig. Ich hoffe, nicht mehr lange!

    Mein Fazit: Fernwärme? leider nein danke

  4. Aha, der hier schleich-werbende Herr Kretschmar ist also ein treuer Mitarbeiter bei ENSO, also beiFW-Fersorger Stadtwerke Dresden, und damit Teil des Fernwärme- Systems. Da wundert es mich es natürlich nicht, das nur positive Fazit, leider ohne konkrete Preise zu nennen.
    Ich hatte ja schon Kontakt zum Kartellamt, wegen des klaren Mißbrauchs seiner Marktmacht, den mein Fernwärmeversorger hier in Hannover betreibt, und weiß daher, daß in Ostdeutschland noch wesentlich höhere Preise vom ausgelieferten Kunden kassiert werden.
    Ich weiß auch, daß das Bundeskartellamt längst am ermitteln ist.
    Hoffentlich kommt bald mal was dabei raus.
    Diese Behörde bräuchte natürlich wesentlich mehr Möglichkeiten, um den vielen korrupten Strukturen in der Republik das Wasser abzugraben.

  5. Ja, ich bins nochmal, wie unangenehm..
    Das ist doch hier offenbar ein reiner Schleich-Werbeauftritt für ihren Arbeitgeber, werter Herr!
    Sie schreiben:
    „Regelmäßige Wartungsarbeiten an dem Heizkessel entfallen“ (…ok, kein Heizkessel da) aber dann:
    „Wartungsarbeiten an der Fernwärme-Übergabestation führt der Wärmelieferant in regelmäßigen Abständen selbstständig durch. (normaler Wartungsvertrag also) Als Verbraucher merke ich davon nichts. Die Kosten sind im Grundpreis für die Fernwärme bereits enthalten.“ (also etwa Gratis?)
    Diese regelmäßigen Wartungsarbeiten sind natürlich mitnichten gratis!
    Der sehr teure „Grundpreis“ (unangenehmes Thema: sie schweigen auch darüber) ist abhängig von der eingestellten max. Leistung der Station in Kwh, und dafür bekommt der Mieter aber gar nichts an Gegenleistung. (Bei mir: 43€x22Kwh kosten 946€/anno)
    Diese kostet dann nochmal extra.
    Eine Frage: zahlen sie auch noch „Konzessionsabgabe“? Wieviel?
    Das zahlt ein FREIER Gasheizungsbesitzer nämlich nicht.

  6. Vielen Dank für Ihre Kommentare. Als Mitarbeiter der ENSO hatte ich 2016 die Gelegenheit genutzt, um meine Erfahrungen und Meinung zur Fernwärme zu beschreiben. Meine Einschätzung hat sich seither nicht geändert. Ich bin nach wie vor mit meinem Heizungssystem zufrieden. Gern greife ich aber Ihre Impulse auf und diskutiere sie mit meinen Kollegen.
    Viele Grüße

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