Elektroauto an einer öffentlichen Stromtankstelle
Elektroautos sieht man heutzutage noch selten im Straßenbild. Kann das neue Förderpaket der Bundesregierung das ändern?

Haben Sie heute schon ein Elektroauto gesehen? Vermutlich nicht – sind aktuell doch nur rund 50.000 Stromer auf Deutschlands Straßen unterwegs. Das entspricht gerade mal 0,1 Prozent des Fahrzeugbestandes.

Das ursprüngliche Ziel von 1 Million Elektroautos ist auch mit zusätzlichen Fördermaßnahmen bis zum Jahr 2020 nicht mehr zu erreichen. Das musste sich die Bundesregierung eingestehen. Vor zwei Tagen hat die Große Koalition den Zielwert auf 500.000 Fahrzeuge halbiert und ein neues Förderpaket bekanntgegeben.

Bisherige Maßnahmen, die im aktuellen Elektromobilitätsgesetz fixiert sind, beschränken sich auf verkehrsrechtliche Privilegien, wie die Mitnutzung von Bus- und Taxispuren oder Sonderparkplätze für Elektrofahrzeuge. Gebracht haben sie wenig.

Zum einen liegt die Entscheidung zur Umsetzung bei denen Kommunen – und die stehen insbesondere der Freigabe von Bus- und Taxispuren skeptisch gegenüber. Mit Blick nach Norwegen vermutlich zu recht, wo solche Maßnahmen derzeit zurückgefahren werden, da E-Autos vielerorts die Busspuren verstopfen.

Ob die genannten verkehrsrechtlichen Privilegien überhaupt die Kaufentscheidung beeinflussen, ist zweifelhaft. Die eigentlichen Hemmnisse der Elektromobilität – zu hohe Anschaffungskosten, zu geringe Reichweite und fehlende Ladeinfrastruktur – werden damit nicht aus dem Weg geräumt.

Das aktuell vorgelegte Elektroauto-Förderpaket der Bundesregierung greift da weiter:

  • Reine Elektrofahrzeuge unter 60.000 Euro sollen ab Mai mit Kaufprämien von 4.000 Euro und Plug-In-Hybride mit 3.000 Euro gefördert werden.
  • Wenn Arbeitnehmer ein E-Auto in ihrem Betrieb aufladen, soll dies nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden müssen.
  • Die Ladeinfrastruktur für E-Mobile soll massiv ausgebaut werden. Insgesamt sind 15.000 Ladestationen geplant, davon 5.000 Schnelllader.
  • Die Batterieforschung in Deutschland soll verstärkt werden.
  • Der Anteil von E-Autos im Fuhrpark des Bundes soll vom 1. Januar 2017 an auf 20 Prozent steigen.

Die direkte Kaufprämie für E-Fahrzeuge ist mit 1,2 Milliarden Euro gedeckelt. Autoindustrie und Bund tragen sie zu gleichen Teilen. Den Preisunterschied zu vergleichbaren konventionellen Modellen kann der Zuschuss meist nicht schließen. Werden über den Nutzungszeitraum die Verbrauchs- und Betriebskosten einbezogen, ergeben sich durch die Prämie immerhin mehr wirtschaftliche Anwendungsfälle.

Elektroautos auf einem Parkplatz
Es braucht eine größere Modellvielfalt und mehr Reichweite, um Verbraucher zum Kauf eines Elektroautos zu bewegen. Foto: pixabay.de

Die Prämie wird zu mehr Verkäufen führen, sofern eingeschränkte Modellvielfalt und Akkureichweite keine Hürde darstellen und Wirtschaftlichkeitsaspekte wie bei gewerblichen Anwendern, Pendlern und Zweitwagennutzern mit passenden Fahrprofilen im Vordergrund stehen.

Im internationalen Vergleich ist die Prämie relativ gering. Im Vorzeigeland Norwegen beträgt sie durch Vergünstigungen bei Steuern, Gebühren und Abgaben ein Vielfaches. Im Ergebnis ist jedes vierte neu zugelassene Fahrzeug ein Elektroauto.

Forscher der TU Braunschweig prognostizieren für Deutschland, dass auch mit einem Zuschuss von 10.000 Euro die Millionengrenze bis 2020 nicht geknackt werden könnte. Zielstellung ist daher, mit der aktuell beschlossenen Prämie immerhin 400.000 zusätzliche E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen.

Der Wegfall des zu versteuernden geldwerten Vorteils vereinfacht das Laden am Arbeitsplatz. Bisherige Hürden für Arbeitgeber, wie notwendige Messverfahren und aufwendige Verrechnungsprozesse, entfallen dadurch. Die Lademöglichkeit im Unternehmen kann den oftmals nicht vorhanden Ladepunkt zu Hause ersetzen. Für die meisten Privatnutzer ist eine solche personalisierte Lademöglichkeit Voraussetzung, sich für ein Elektrofahrzeug zu entscheiden.

Über eine Verlängerung der Kfz-Steuerbefreiung wurde noch nicht entschieden. Als Kaufanreiz hatte dieses Instrument bisher keine Wirkung.

ENSO-Stromtankstelle
In Ostsachsen gibt es mittlerweile fast 30 öffentliche Ladestationen, wie diese hier am Dresdner Hauptbahnhof.

Den Ausbau von Ladeinfrastruktur zu fördern, insbesondere im öffentlichen Bereich, ist mit Blick auf das sogenannte Henne-Ei-Problem dringend notwendig.

Da es aktuell nur wenige Fahrzeuge gibt, die die teure Ladeinfrastruktur nutzen, lassen sich öffentliche Stromtankstellen derzeit nicht wirtschaftlich betreiben. Diese sind jedoch Voraussetzung, den Menschen Reichweitenängste zu nehmen und die Akzeptanz von Elektroautos zu fördern.

Eine entscheidende Rolle spielen Schnellladestationen, die Langstrecken-Elektromobilität ermöglichen. Zwei Drittel der vorgesehenen 300 Millionen Euro sollen daher in Schnelllader fließen. In Ostsachsen betreiben ENSO und DREWAG bereits 27 öffentliche Ladestationen. Weitere sind in Planung – darunter auch Schnelllader.

Die Batterieforschung zu intensivieren dient dem Ziel, Deutschland als Leitanbieter für Elektrofahrzeuge zu etablieren und die Eigenleistung bei der Herstellung der Fahrzeuge zu erhöhen. Immerhin liegt der Wertschöpfungsanteil der Batterie am Fahrzeug bei 30 bis 40 Prozent. Damit bestimmt sie wesentlich die Herstellungskosten.

Gleichzeitig droht der auf Verbrenner-Technik spezialisierten Zulieferindustrie ein massiver Wertschöpfungsverlust, denn viele diese Komponenten werden im Elektroauto nicht benötigt. Umso wichtiger ist es, wesentliche Schlüsselkomponenten des Elektrofahrzeugbaus in Deutschland zu fertigen, um wegfallende Wertschöpfungsbereiche zu ersetzen.

Die Elektrifizierung des Bundes-Fuhrparks sollte selbstverständlich sein. Die Zielsetzung erst ab 2017 damit zu beginnen, den Anteil von E-Autos auf 20 Prozent zu steigern, halte ich für wenig ambitioniert. Das Einsatzpotenzial von Elektrofahrzeugen in Flotten liegt meist höher.

Fazit: Die vorgeschlagenen Maßnahmen gehen in die richtige Richtung – der große Wurf sind sie aber nicht. Mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur geht die Große Koalition eine wesentliche Hürde der Elektromobilität an. Aber auch klare rechtliche Vorgaben, die beispielsweise den Ausbau von Ladeinfrastruktur in halb- und nicht-öffentlichen Parkräumen in Bestands- und Neubauten regeln, sind wichtig. Mit dem Ja zur Kaufprämie herrscht nun endlich Klarheit für die potenziellen Käufer.

Qualmender Auspuff
Elektroautos sind ein wichtiger Bestandteil der Verkehrswende, denn Abgase wie beim Benziner oder Diesel gibt es beim Stromer nicht. Foto: Gabi Eder/pixelio.de

Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie wäre das parallele Zurückfahren der Diesel-Subventionierung ein klares Signal gewesen. Denn entscheidend für den weiteren Markthochlauf ist, ob die Automobilindustrie in naher Zukunft eine breite Palette bezahlbarer E-Fahrzeuge mit hohen Reichweiten anbieten kann.

Nur wenn die Fahrzeuge wirtschaftlich und in ihrer Alltagstauglichkeit mit konventionellen Fahrzeugen vergleichbar werden, wird aus der Elektromobilität ein Massenmarkt. Die Ankündigungen einiger Hersteller für 2017/2018 weitere Modelle auf den Markt zu bringen, lassen bei mir vorsichtigen Optimismus aufkommen.