Eine Freiflächen-Photovoltaikanlage vor Windrädern
Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist eine tragende Säule der Energiewende. Foto: Armin Kübelbeck, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland läuft auf Hochtouren. Bereits heute stammen 33 Prozent des verbrauchten Stroms aus regenerativen Quellen. Bis 2025 sollen es laut Bundesregierung rund 40 bis 45 Prozent sein.

Anfang diesen Monats hat das Bundeskabinett die Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Damit soll sich die Ökostromförderung ab dem nächsten Jahr grundlegend ändern. Was das konkret bedeutet, erkläre ich Ihnen in meinem Beitrag.

Was ändert sich mit der Reform des EEG?

Bisher erhielten Produzenten von erneuerbaren Energien eine auf 20 Jahre festgelegte Einspeisevergütung für ihren erzeugten Ökostrom. Auf diese Weise schuf der Gesetzgeber Anreize, in neue Anlagen zu investieren.

Diese Förderung soll sich mit der EEG-Novelle ab nächstem Jahr ändern. Projekte zum Ausbau von regenerativen Energien werden dann von der Bundesnetzagentur ausgeschrieben. Den Zuschlag erhält der Bewerber, der den umweltfreundlichen Strom zum niedrigsten Preis anbietet und mit der geringsten Förderung auskommt. Dieser darf seine Anlage anschließend errichten.

Darüber hinaus hat die Bundesregierung eine jährliche Höchstmenge für den Ausbau von Windenergie an Land und auf See sowie für Strom aus Solar- und Biomasseanlagen festgelegt.

Warum sind diese Änderungen notwendig?

Durch das neue Ausschreibungsmodell wird die Vergütungshöhe für Ökostrom je Technologie (zum Beispiel Windenergie an Land oder Photovoltaik) wettbewerblich zwischen den Anlagenbetreibern ermittelt.

Grafik zeigt den Ausbaukorridor für die erneuerbaren Energien bis 2025
Ausbaukorridor der regenerativen Energien bis 2025. Quelle: ZSW nach Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat)

Die Bundesregierung will auf diese Weise eine Überförderung der erneuerbaren Energien verhindern und die Kosten des Ausbaus abdämpfen. Schließlich haben Verbraucher und Stromkunden allein im vergangenen Jahr annähernd 25 Milliarden Euro für die Ökostrom-Umlage aufgebracht.

Die festgelegten Höchstmengen sollen für eine bessere Planbarkeit beim Ausbau der grünen Technologien sorgen. Überkapazitäten, wie sie in der Vergangenheit beispielweise bei der Windenergie entstanden sind, sollen so verhindert beziehungsweise abgebaut werden.

Für welche Anlagen gelten die Neuerungen?

Das neue Vergütungsmodell konzentriert sich zunächst auf Windenergie an Land und Photovoltaik. Bei Wind an Land sollen in 2017, 2018 und 2019 jeweils 2.800 Megawatt (MW) brutto pro Jahr ausgeschrieben werden. Das entspricht einer Menge von rund 1.000 Windrädern. Allerdings sind dort auch Anlagen enthalten, die an bestehenden Orten ersetzt werden (sogenanntes Repowering).

Die Ausschreibung bei Photovoltaik beträgt ab 2017 600 MW pro Jahr. Anlagen bis zu einer Leistung von 750 Kilowatt (KW) sind davon jedoch ausgenommen. Darüber können sich vor allem Eigenheimbesitzer freuen, die eine Solaranlage auf ihrem Häuserdach errichten wollen. Sie erhalten nach wie vor die gesetzlich festgelegte Vergütung. Betreiber von Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung über dieser Bagatellgrenze müssen sich jedoch dem Wettbewerb stellen.

Fachwerkhaus mit Solaranlage auf dem Dach
Solaranlagen bis zu einer Leistung von 750 KW sind von der EEG-Reform nicht betroffen. Foto: Túrelio, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

Auch Biomasse wird in die geplante Ausschreibung aufgenommen. Für sie beträgt das jährliche Volumen zwischen 2017 und 2019 jeweils 150 MW und für die Jahre 2020 bis 2022 jeweils 200 MW. Die Ausschreibungsmengen ab 2023 werden in der nächsten EEG-Novelle festgelegt.

Für Windparks auf See sieht das EEG 2016 ein Ausbauziel von 6.500 MW für 2020 und von 15.000 MW für 2030 vor. Rechnerisch entspricht das in etwa der Leistung von zwölf Atomkraftwerken. Um einen kontinuierlichen Ausbau zu gewährleisten, begrenzt das neue EEG die Ausschreibungsmenge zwischen 2021 und 2030 auf 750 MW pro Jahr.

Bei Wasserkraft werden keine Ausschreibungen durchgeführt. Die Zubaupotenziale dieser grünen Technologie beschränken sich fast ausschließlich auf Modernisierung und Erweiterung bestehender Anlagen. Zudem ist die Anzahl der größeren Anlagen mit nennenswertem Modernisierungsbedarf und Erweiterungspotenzial verhältnismäßig gering. Mit einem relevanten Wettbewerb wäre bei einer Ausschreibung also nicht zu rechnen. Gleiches gilt für die Geothermie.

Anlagenbetreiber dieser beiden Technologien erhalten aus diesem Grund weiterhin eine gesetzlich festgelegte Vergütung, genau wie schon nach dem EEG 2014.