Zeichnung drei Fußballspieler mit Ball
Die Bewegungsenergie beim Fußballspielen lässt sich in Strom umwandeln. Foto: Dieter Schütz/pixelio.de

Vielleicht haben Sie es ja in der Presse oder im Internet gelesen: In einem Armenviertel der brasilianischen Hauptstadt Rio de Janeiro erzeugen die Freizeit-Fußballspieler den Strom selbst, den sie zur Beleuchtung ihres Kunstrasenplatzes brauchen.

Bodenplatten aus recyceltem Kunststoff, die unter dem Grün verborgen sind, reagieren auf den Druck, den die Sportler beim Laufen übers Spielfeld ausüben. Die Platten wandeln diese kinetische oder Bewegungsenergie für die Beleuchtung des Areals während des abendlichen Kicks in elektrische Energie um.

In einem Speicher am Rande des Fußballplatzes wird sie gesammelt. Die auf diese Weise gewonnene Menge Strom reicht für etwa zwei Stunden Flutlicht aus. Zur Einweihung der Anlage vor zwei Jahren kam sogar Brasiliens Fußballlegende Pelé.

Piezoelektrischer Effekt

Die pfiffige Idee stammt vom Londoner Start-Up-Unternehmen Pavegen Systems. Umgesetzt hat sie sie inzwischen auf einem weiteren Fußballplatz in Lagos (Nigeria). Bei einem anderen Projekt am Flughafen London-Heathrow sorgen die Schritte der Passagiere für das Licht in einem Terminalteil.

Möglich macht das der so genannte piezoelektrische Effekt, bei dem Druck und elektrische Spannung in bestimmten Materialien, die als Piezokristalle bezeichnet werden, die entscheidende Rolle spielen. Dieses Video erläutert das Prinzip:

Hinter jeder Bewegung steckt Energie. Mit ihrer Nutzung beschäftigt sich das noch recht junge Forschungsgebiet Energy Harvesting. Joggen, Radfahren oder Tanzen sind nicht nur gut für die eigene Fitness, sondern taugen auch als Stromquelle.

Diskothek als Kraftwerk

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Auch auf der Tanzfläche strotzt es nur so vor Energie. Foto: Tanita_Lied/pixelio.de

Egal ob Hip-Hop, Disco-Fox oder Rock‘n Roll – auf der Tanzfläche strotzt es nur so vor Energie. Der „Club Watt“ in Rotterdam war vor acht Jahren die weltweit erste Diskothek, die das Potenzial für sich erschloss.

Verlegt wurde ein flexibler elektromechanischer Boden, der unter den Füßen der Tänzer einige Millimeter nachgibt. Die durch Schwingungen erzeugte Bewegungsenergie wird per Generator in Elektrizität umgewandelt und anschließend in Akkus gespeichert.

Leuchtdioden im Boden sowie Lampen an der Bühne zeigen an, ob gerade viel oder wenig Strom erzeugt wird. Andere Diskotheken haben inzwischen nachgezogen.

Energie aus Muskelkraft

Auf Muskelkraft setzt der Berliner Fitnesstrainer René Eick. In seinem Green Gym im Prenzlauer Berg baute der studierte Maschinenbauingenieur schon vor sieben Jahren Fahrradergometer und Stepper um, installierte Spannungswandler und eine Batterie.

Über Steckdosen an den Geräten können die Sportler ihre Handys oder MP3-Player mit dem aus ihrer Muskelkraft produzierten Strom aufladen. Die überschüssige Energie wird für die Beleuchtung im Fitnessstudio genutzt.

Ein Trend aus den USA hat inzwischen Mitteldeutschland erreicht. In Halle brachten Studenten im März ein Fahrradkino in Schwung. Auf zehn fest montierten Drahteseln traten die Zuschauer in die Pedale, um mit ihrer Muskelkraft  den Strom zu erzeugen, der benötigt wird, damit der Film über die Leinwand flimmern kann.

Biker
Wer tüchtig in die Pedale tritt, kann in einigen Fitnessstudios sein Smartphone aufladen. Foto: Susanne Richter/pixelio.de

Gut vorstellen könnte ich mir das bei den Filmnächten am Elbufer in Dresden. Bestimmt fänden sich unter den mehreren Tausend Besuchern pro Vorstellung genügend Freiwillige, die sich für die anderen abstrampeln – für ein Gratis-Ticket und ein paar Getränke als Anerkennung.

Das amerikanische Startup-Unternehmen Pedal Power ist davon überzeugt, dass der Ansatz nicht nur als Freizeitvergnügen, sondern für viele tägliche Aufgaben taugt. So könnte die Energie vom Drahtesel bei einem Stromausfall und für Menschen in Entwicklungsländern hilfreich sein, meinen die Gründer.

Noch sind die Mengen überschaubar, um die es dabei geht. So kommen bei einer Stunde Schwitzen auf dem Crosstrainer um die 80 Wattstunden zusammen. Diese Menge reicht aus, um eine Glühlampe zwei Stunden lang leuchten zu lassen.

Als Geschäftsidee, mit der sich reichlich Geld verdienen lässt, eignet sich das Ganze wohl kaum. Aber wer eine oder gar mehrere Stunden trainieren muss, um den Akku seines Handys aufzuladen, sieht seinen Stromverbrauch künftig gewiss mit anderen Augen – und geht sparsamer mit dem Saft aus der Steckdose um. Das ist doch immerhin schon etwas.