Portraitfoto von Tobias von Wittich im Geschäft von Fahrrad XXL
Tobias von Wittich ist Fahrradfachberater und Spezialist für Elektrofahrräder bei Fahrrad XXL in Dresden. Foto: Daniel Förster (3)

Vor einiger Zeit habe ich Ihnen hier im Blog geschildert, warum Pedelecs bei Jung und Alt voll im Trend liegen. In meinem heutigen Beitrag widme ich mich dem wichtigsten Bauteil des Elektrofahrrads: dem Akku. Er versorgt den Motor mit elektrischer Energie. Je länger er durchhält, umso länger ist auch Ihr Fahrspaß.

Gerade im Winter verlangt der Stromspeicher nach besonderer Aufmerksamkeit. Wie Sie ein langes Akku-Leben erreichen können, erfahren Sie in meinem Artikel.

Eines vorweg: Auch in der nasskalten Jahreszeit können Sie Ihr Elektrofahrrad problemlos nutzen. Motoren und Akkus von aktuellen Herstellern sind gut abgedichtet und funktionieren auch bei niedrigeren Temperaturen. Dennoch sollten Sie einige Besonderheiten beachten, wenn Sie im Winter mit elektronischem Rückenwind unterwegs sind. Sie betreffen vor allem den Akku.

Modernes Akkumanagement

Elektrofahrräder sind heutzutage mit Lithium-Ionen Akkus ausgestattet. Neben dem geringen Gewicht zeichnen sie sich die Energiespeicher dadurch aus, dass sie keinen Memory-Effekt besitzen. Sie haben im Gegensatz zu Nickel-Cadmium-Akkus also keinen Kapazitätsverlust, wenn sie häufig nur teilweise entladen werden. Deshalb können Sie Ihren Fahrrad-Akku grundsätzlich bei jedem Füllstand ans Ladegerät stecken, ohne ihm zu schaden.

Füllstandsanzeige eines Pedelec-Akkus
Anhand der LED-Anzeige erkennen Sie, wie voll der Pedelec-Akku noch ist.

Außerdem besitzen moderne Akkus einen Überladungsschutz. Dadurch schaltet sich der Stromspeicher selbständig ab, wenn er vollgeladen ist.

Es macht allerdings keinen Sinn, ihn über mehrere Tage an der Steckdose zu lassen. Denn dann geht er in eine sogenannte Erhaltungsladung. Dabei lädt er sich voll auf, das Ladegerät schaltet ab, der Akku entlädt sich mit der Zeit etwas und das Ladegerät lädt ihn wieder komplett auf. Das wiederholt sich solange, bis Sie es vom Strom trennen.

Akkutraining: Die ersten Ladezyklen sind besonders wichtig

Nehmen Sie Ihren Pedelec-Akku erstmals in Betrieb, sollten Sie ihn für die ersten fünf bis sieben Ladezyklen möglichst leer fahren, um ihn anschließend jeweils mit einem Mal komplett aufzuladen. Dieser Vorgang ist wichtig, denn so trainieren Sie Ihrem Energiespeicher seine volle Kapazität an. Stecken Sie den Akku erst an die Ladestation, wenn nur noch ein oder zwei Balken auf der Füllstandsanzeige zu sehen sind.

Zwei Fahrradfahren im Schnee
Auch im Winter können Sie Ihr Pedelec problemlos nutzen. Allerdings müssen Sie dann mit einer geringeren Reichweite rechnen. Foto: www.pd-f.de / Kay Tkatzik

Aber Achtung: Fahren Sie den Akku nicht so weit leer, dass die Motorunterstützung komplett ausschaltet. Ansonsten kann es zu einer Tiefenentladung kommen, die dem Stromspeicher schadet.

Nach dieser Trainingsphase können Sie Ihren Akku bei jedem Füllstand ans Ladegerät stecken. Meiner Meinung nach hält er jedoch deutlich länger, wenn Sie diese Zwischenladungen nur in Ausnahmefällen durchführen. Denn grundsätzlich bedeutet der Ladevorgang großen Stress für den Energiespeicher. Je häufiger er geladen wird, umso schneller altert er.

Richtiger Umgang im Winter

Die Elektronik eines Pedelecs fühlt sich zwischen 5 und 30 Grad Celsius am wohlsten. Doch auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt können Sie es problemlos nutzen. Dann müssen Sie jedoch Abstriche bei der Reichweite machen. Bei Minusgraden kann diese vorübergehend auf bis zu 70 Prozent des Gewohnten sinken.

Außerdem sollten Sie Ihren Energiespeicher im Winter nach Fahrtende mit in die Wohnung oder ins Büro nehmen, um ihn nicht zu sehr auskühlen zu lassen. Setzen Sie ihn erst kurz vor dem Losfahren wieder in das Rad ein. So wirken Sie dem kältebedingten Kapazitätsverlust entgegen. Unterwegs hält sich der Akku durch die Stromentnahme selbst warm. Schalten Sie die Tretunterstützung deshalb am besten gleich bei Fahrtantritt ein, solange der Stromspeicher noch Zimmertemperatur hat.

Neoprenhülle für den Pedelec-Akku
Neopren-Hüllen schützen den Akku nicht nur vor zu schnellem Auskühlen, sondern auch vor Feuchtigkeit und Schmutz.

Im Handel sind mittlerweile auch Neoprenhüllen für Pedelec-Akkus erhältlich. Sie bewahren ihn vor zu schnellem Auskühlen. Das kommt der Reichweite zugute. Außerdem schützen sie den Stromspeicher vor Schmutz und Feuchtigkeit.

Falls Sie Ihr Elektrofahrrad mit dem ersten Schnee in den Winterschlaf schicken wollen, sollten Sie den Akku entnehmen und bei einer Temperatur zwischen 5 und 20 Grad Celsius an einem trockenen und lichtgeschützten Ort lagern. Der Energiespeicher sollte dabei zu ungefähr 60 Prozent geladen sein.

Die ideale Ladetemperatur beträgt 17 bis 24 Grad Celsius. Auch beim Laden hat die Umgebungstemperatur einen Einfluss auf die Kapazität des Akkus. Ist er zu kalt, kann er nicht vollständig geladen werden, bei Temperaturen im unteren einstelligen Bereich sogar Schaden nehmen.

Gerade zum Thema Akku empfehle ich jedem Pedelec-Fahrer die Betriebsanleitung seines Elektrofahrrads gründlich zu lesen und die Punkte zur Nutzung des Stromspeichers einzuhalten. Durch entsprechende Pflege lässt sich die Haltbarkeit deutlich verlängern – denn ein neuer Akku geht ins Geld.