Luftaufnahme des Wasserkraftwerks Lehnmühle
An der Talsperre Lehnmühle steht das jüngste unserer sechs Wasserkraftwerke. Foto: Landestalsperrenverwaltung/Foto + Co. Peter Schubert

Die Sonne lacht und das Grün sprießt. Endlich entfaltet der Frühling wieder seine ganze Schönheit und lädt zu ausgiebigen Spaziergängen oder Wanderungen ein. Einen Ausflug zur Talsperre Lehnmühle habe ich mir für dieses Frühjahr fest vorgenommen.

Natur und Technik bilden entlang der Wilden Weißeritz schon seit langem eine Einheit. Die Kraft des Wassers trieb früher die Räder von Schneide-, Mahl- und Ölmühlen an. Der Betrieb dieser Anlagen hing jedoch sehr stark vom Pegelstand des Flusses ab. Extreme Hochwasser verursachten außerdem große Schäden an den Anlagen.

Auch die Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit Trinkwasser war ein Grund dafür, dass Anfang des 20. Jahrhunderts unter der Leitung von Amtshauptmann und Talsperrenkommissar Dr. Arnold Streit die Untersuchungen zum Bau von Talsperren in den Weißeritz-Tälern vorangetrieben worden. Nachdem ich bereits über die Wasserkraftwerke (WKW)  Malter und Klingenberg berichtet habe, geht es in diesem Beitrag um die Talsperre und das WKW Lehnmühle.

In den Jahren 1926 bis 1931 wurde die Talsperre errichtet und liefert im Verbund mit der Talsperre Klingenberg Rohwasser für die Trinkwasserversorgung der Städte Dresden und Freital. Aber eine Verbindung besteht nicht nur zwischen diesen beiden Talsperren. Im Mittleren Erzgebirge und im Osterzgebirge sind insgesamt acht dieser Wasserspeicher über Rohwasserüberleitungen miteinander gekoppelt. Neben Lehnmühle und Klingenberg betrifft das die Talsperren Lichtenberg, Rauschenbach, Saidenbach, Neunzehnhain I und II sowie Einsiedel. Der Verbund dient nicht nur zur Absicherung der Trinkwasserversorgung, sondern auch dem Hochwasserschutz.

Staumauer des Wasserkraftwerks Lehnmühle
Die Staumauer der Talsperre Lehnmühle zählt zu den längsten Deutschlands. Foto: Landestalsperrenverwaltung/Kirsten J. Lassig

Das Staubecken der Talsperre Lehnmühle, das von der Wilden Weißeritz gespeist wird, hat ein Gesamtvolumen von knapp 24 Millionen Kubikmetern und eine Oberfläche von 1,34 Quadratkilometern. Die Staumauer zählt mit einer Länge von 520 Metern zu den längsten Deutschlands. Sie ist 42 Meter hoch und an der Krone vier Meter breit. Die Ingenieursleistung hinter derartigen imposanten Bauwerken fasziniert mich jedes Mal aufs Neue.

Eine Rekonstruktion der Staumauer fand in den Jahren 1975 bis 1990 statt. Dabei wurde die Wasserseite neu verfugt, die Mauerkrone erneuert und der Hochwasserüberfall verändert.

Das WKW Lehnmühle lieferte erstmals 1965 Strom. Es ist das jüngste unserer sechs Technikveteranen entlang der Roten und Wilden Weißeritz. 2006 haben wir die Francisspiralturbine, die eine Leistung von 600 Kilowatt hat, überholt und den 3-Phasen-Synchrongenerator sowie die Schalt- und Steuertechnik komplett erneuert.

Turbine des Wasserkraftwerks Lehnmühle
2006 wurde die Francisspiralturbine überholt und die Anlagentechnik komplett erneuert.

Die maximale Fallhöhe des Wassers beträgt 43 Meter. Zum Vergleich – im WKW Malter sind es maximal 29,5 Meter, im WKW Klingenberg maximal 34,5 Meter. Mit 1,9 Kubikmetern pro Sekunde fließt weniger Wasser durch die Turbine als bei den anderen beiden ENSO-Speicherkraftwerken.

Gemeinsam erzeugen unsere sechs WKW rund zehn Millionen Kilowattstunden umweltfreundlichen Strom pro Jahr. Knapp 3.000 Haushalte können wir damit versorgen.

Mit diesem Beitrag zur Talsperre und zum WKW Lehnmühle geht die kleine Blog-Serie über unsere Technikveteranen entlang der Roten und der Wilden Weißeritz zu Ende. Wenn ich Ihr Interesse am Thema Wasserkraft geweckt habe und Sie ein WKW besichtigen möchten, sollten Sie sich den 29. April 2017 vormerken. Denn an diesem Tag öffnet das WKW Rabenauer Grund anlässlich des Tages der Erneuerbaren Energien wieder seine Türen.