Johannes Bretschneider vor dem Umspannwerk in Altenberg
Als Trainee bei ENSO NETZ arbeitet Johannes Bretschneider am Niederspannungs-Netzkonzept für Altenberg.

Johannes Bretschneider ist einer von drei Hans-Pundt-Preisträgern 2016. Nach seinem Praktikum bei der ENSO NETZ GmbH verfasste der Absolvent des Studiengangs „Elektrotechnik und Elektronik“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) auch seine Abschlussarbeit bei unserem Tochterunternehmen.

Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) Dresden hat ihn dafür mit dem Hans-Pundt-Preis geehrt. Der VDE vergibt die Auszeichnung jährlich an Absolventen, die in ihrer Abschlussarbeit herausragende Leistungen gezeigt haben. Der Preis ist nach dem 2010 verstorbenen Professor der Elektrotechnik, Wissenschaftler und Hochschullehrer an der Technischen Universität Dresden benannt.

Ich habe mit Johannes Bretschneider über seine Abschlussarbeit gesprochen, nachgefragt, wie es zur Nominierung kam und was der Preisträger heute beruflich macht.

Herr Bretschneider, das Thema Ihrer Diplomarbeit lautete „Analyse und Entwicklung einer Ausbaukonzeption eines ländlichen Mittelspannungsnetzes unter probabilistischen Aspekten“. Wie kamen Sie denn auf so ein Thema?

Die Idee stammte nicht von mir, sondern von der ENSO NETZ. Ehrlich gesagt, musste ich auch erst einmal nachschlagen, was probabilistisch – also „die Wahrscheinlichkeit berücksichtigend“ – bedeutet. 😉

Dann hat mich das Thema jedoch fasziniert, denn ich wollte gern eine Diplomarbeit mit Praxisbezug schreiben. Umso mehr hat es mir gefallen, dass ich mit dem ENSO-Umspannwerk in Ulberndorf ein konkretes und aktuelles Projekt in unserer Region betrachten konnte.

Womit haben Sie sich in Ihrer Arbeit beschäftigt?

Meine Abschlussarbeit besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil habe ich den Zustand des Mittelspannungsnetzes im Versorgungsgebiet des Umspannwerk Ulberndorf analysiert. Ich habe mir zum Beispiel angeschaut, wie die Stromkabel verlaufen. Liegen sie unter der Erde oder sind es Freileitungen? Werden sie bei einem Netzumbau zukünftig noch benötigt?

Diese Überlegungen sind für einen Netzbetreiber sehr wichtig, um zu gewährleisten, dass der Strom jederzeit störungsfrei beim Kunden ankommt. Aus meinen Ergebnissen habe ich ein Konzept für den Ausbau des Mittelspannungsnetzes in dieser Region erstellt.

Und im zweiten Teil?

Da habe ich ein Modell zur Belastungsanalyse im Stromnetz entwickelt. Es soll die Frage beantworten, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Zeitpunkt, an dem viel Strom durch Erneuerbare Energien in das Netz eingespeist wird, auf einen Zeitpunkt trifft, zu dem Netzkunden viel Energie abnehmen. Dieses Modell habe ich dann beispielhaft an einem Windpark bei Dippoldiswalde getestet.

Wie kam es denn zur Nominierung?

Mein Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden hat die Arbeit beim VDE Bezirksverband eingereicht.

Das Modell, welches ich im zweiten Teil meiner Arbeit entwickelt habe, basiert auf einem Verfahren aus dem Bereich der elektrischen Bahnen. Ich habe es so angepasst, dass es auch für die Beurteilung von Stromnetzbelastungen verwendet werden kann. Mein Professor hat die Arbeit mit 1,0 bewertet und sah das Potenzial für die Auszeichnung.

Wie haben Sie erfahren, dass Sie zu den drei Preisträgern gehören?

Ich habe eine E-Mail vom VDE bekommen. Darin beglückwünschte mich der Verband zu dem Preis. Ich war total überrascht. Mein Professor hatte zwar mal im Nebensatz erwähnt, dass er meine Arbeit eingereicht hat. Aber ich habe nicht damit gerechnet, zu gewinnen.

Herr Bretschneider, was machen Sie heute beruflich?

Ich habe bei ENSO NETZ ein Traineeprogramm begonnen. So konnte ich in meiner Heimat bleiben. Außerdem finde ich es spannend, Projekte hier vor Ort zu betreuen anstatt für Planungsbüros deutschland- oder europaweit unterwegs zu sein.

Seit Oktober 2016 bin ich im Regionalbereich Heidenau. Dort arbeite ich in der sogenannten Projektierung. Meine Kollegen und ich planen, betreuen und überwachen Bauarbeiten am Stromnetz. Zurzeit arbeite ich an einem Niederspannungs-Netzkonzept für Altenberg.

Während des zweijährigen Berufseinsteigerprogramms werde ich auch noch verschiedene angrenzende Bereiche kennenlernen, zum Beispiel die Netzführung, die Schutztechnik oder die Kollegen, die den Breitband-Ausbau in Ostsachsen betreuen.

Vielen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch.