Luisa Melzer macht bei ENSO eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement.
Luisa Melzer macht bei ENSO eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement.

Dass ich während meiner Ausbildung nach Amerika komme, hätte ich nicht gedacht. Ich heiße Luisa Melzer und lerne bei ENSO im 2. Lehrjahr den Beruf Kauffrau für Büromanagement.

Als meine Schule, die Prof.-Dr.-Zeigner-Berufsschule, mir im September 2017 die Chance gab, an einem einmonatigen Schüleraustausch in die USA teilzunehmen, freute ich mich riesig. Ich wollte die Kultur der Amerikaner kennenlernen, sehen, wie diese leben und erfahren, wie die Ausbildung dort abläuft.

Ausbildungsunternehmen gibt Rückhalt

Die Skulptur "Cloud Gate" im Millennium Park von Chicago beeindruckt durch ihre spiegelnde Oberfläche.
Die Skulptur „Cloud Gate“ im Millennium Park von Chicago beeindruckt durch ihre spiegelnde Oberfläche.

ENSO unterstützte mich bei meinen Wunsch: Zwei Wochen stellte mich das Unternehmen für meine Reise frei. Für weitere 14 Tage investierte ich einen Teil meiner Urlaubstage.

Gemeinsam mit 15 Schülern und zwei Lehrern unserer Berufsschule bereiste ich die drei Bundesstaaten South Dakota, Minnesota und Illinois. Ich sah das Denkmal Mount Rushmore, das riesige Shoppingcenter „Mall of America“ und den Millennium Park in Chicago.

Am besten gefiel mir der Custer State Park. Das ist ein Wildreservat im Westen von Süd Dakota. Früher lebte dort der Stamm der Sioux. Heute ist das Land nur noch von Tieren, wie Präriehunden, Kojoten und Antilopen besiedelt. Am meisten beeindruckt haben mich die Bisons. Zu sehen, wie diese mächtigen Tiere an unserem Reisebus entlang liefen, war einfach atemberaubend.

High-Tech in Schule und Ausbildung

Danach ging es zu unserer Partnerschule, der Watertown Highschool. Sie befindet sich in der Kleinstadt Watertown, im Osten von South Dakota. Für zwei Wochen habe ich hier bei einer Gastfamilie gelebt und konnte den Unterricht an einer amerikanischen Schule miterleben.

Im Vergleich zu unserer Schule wird da kaum mit Zettel und Stift gearbeitet. Die Schüler dürfen ihre Unterrichtsfächer weitestgehend selbst wählen. Schüler, die sich dafür entschieden haben, schon Punkte für das College zu sammeln, eignen sich das Wissen selbstständig an. Dazu bekamen sie ein iPad. Mir wurde klar, dass die Schulen in Deutschland, die ich kenne, leider nicht mit zeitgemäßer Technik arbeiten. An der amerikanischen Schule gefiel mir gut, dass die Kreativität der Schüler viel mehr gefördert wird. Es gab Kurse wie Töpfern, Fotografie, Zeichnen und Basteln. Ich konnte sehen, dass den Lehrern die Arbeit Spaß machte. Sie gingen mit den Schülern viel offener und lockerer um, als es hier bei uns üblich ist. Das würde ich mir auch wünschen.

In ihrem Fotobuch hat Luisa viele Eindrücke festgehalten – wie hier nachgestellte Arbeitsplätze in einem amerikanischen Ausbildungsinstitut.
In ihrem Fotobuch hat Luisa viele Eindrücke festgehalten – wie hier nachgestellte Arbeitsplätze in einem amerikanischen Ausbildungsinstitut.

Unsere duale Ausbildung, bei der in Betrieb und Berufsschule gelehrt wird, gibt es in den USA nicht. Ich besuchte ein Technisches Institut – vergleichbar mit einer Berufsschule – und gewann dadurch einen Einblick in die amerikanische Ausbildung. Mir ist sehr schnell aufgefallen, dass diese Schulen hochmodern sind. Hier absolvieren die Schüler den theoretischen Teil der Ausbildung. Der praktische Teil findet an nachgestellten Arbeitsplätzen statt – wie etwa dem, der einen Traktor simuliert. Doch solche Technologien haben ihren Preis. Anstatt Geld vom Unternehmen zu bekommen, müssen die Schüler Schulgeld bezahlen. Eine zweijährige Ausbildung kostet je nach Beruf zwischen 9.000 € und 15.000 €.

Ich bin etwas neidisch auf die technische Ausstattung, welche die Schüler nutzen dürfen. Trotzdem macht es mich sehr froh, dass in Deutschland jeder eine Chance auf eine gute Ausbildung hat, ohne am Anfang des Berufslebens so viel Geld ausgeben zu müssen.