Azubitausch
Einmal im Jahr wird das Berufsleben aller Auszubildenden für einen Tag komplett auf den Kopf gestellt. Die Auszubildenden des ersten und zweiten Lehrjahres für kaufmännsiche und technische Berufe tauschen Schweißgerät und Taschenrechner.

Elisabeth Hoffmann ist kaufmännische Auszubildende im ersten Lehrjahr bei ENSO. Sie ist in den verschiedenen Bereichen und Abteilungen des Unternehmens unterwegs, lernt vor allem die Abläufe im Einkauf, den Geschäftskundenbetrieb und die Finanzbuchhaltung kennen. Genauso Edgar Feifer und Lukas Roch. Sie erlernen den Beruf des Elektroanlagenmonteurs. Sie arbeiten normalerweise mit Stromzählern, verlegen Kabel oder rüsten Umspannstationen mit der neusten Technik aus.

Doch einmal im Jahr wird das Berufsleben aller Auszubildenden für einen Tag komplett auf den Kopf gestellt. Die Auszubildenden des ersten und zweiten Lehrjahres der kaufmännsichen und technischen Berufe tauschen Schweißgerät und Taschenrechner. Uwe Düvel, Ausbildungsleiter bei ENSO, erklärt uns, warum die Jugendlichen diesen Jobtausch durchführen:

„Die jungen Leute sollen über den Tellerrand blicken und Zusammenhänge im Unternehmen erkennen. Nehmen wir mal als Beispiel einer Muffe. Beschaffen unsere Kaufleute, wenn sie im Einkauf sind Muffen, kommen sie beim Jobtausch mal live damit in Berührung. Umgekehrt lernen die technischen Auszubildenden, wie der Preis einer Muffe ist oder wie sie Mengenrabatte beim Kauf berücksichtigen.“

Edgar Feifer, Lukas Roch und die anderen gewerblichen Auszubildenden
Edgar, Lukas und die anderen technischen Auszubildenden errechneten anhand ihrer
eigenen Vergütungsabrechnung, wie sich die
Sozialabgaben zusammensetzen.

Wir haben Elisabeth, Edgar und Lukas gefragt, wie sie den Tag erlebt haben.

Wie seid ihr in den Azubitausch gestartet? Was waren eure Erwartungen?

Edgar und Lukas: Als Elektroanlagenmonteure der ENSO im zweiten Lehrjahr arbeiten wir meist mit Relais und Kabelschneider. Umso größer war die Erwartung, die Tätigkeiten der kaufmännischen Bereiche nun näher kennen zu lernen.

Was habt ihr so gemacht?

Elisabeth: Zuerst  hat uns ein Ausbilder das Innovationskraftwerk Reick gezeigt, besonders die neuen Wärmespeicher, die da errichtet werden. Danach fing jeder von uns an einem Arbeitsplatz an, ein kleines Metallstück mit der Feile zu bearbeiten. Eine typische Tätigkeit der Auszubildenden, die den Beruf des Anlagenmechanikers erlernen. Später entstand daraus ein Türschild, in das wir auch unsere Namen einprägen konnten.

Elisabeth rückte also erstmal  einem Stück Metall mit der Feile zu Leibe. Unterdessen „bewaffneten“ sich die Jungs mit Taschenrechner und Stiften.

Edgar und Lukas: Schon die erste Aufgabe, eine Aufzählung der verschiedenen Sachbereiche und des Führungspersonals beider Unternehmen, ließ uns mächtig ins Schwitzen kommen. Es folgte eine Simulation des internen Posteingangs, wobei wir unterschiedliche Briefe den richtigen Abteilungen zuordnen sollten. Nach einigen nötigen Korrekturen widmeten wir uns einer fiktiven Bestellung von Büromaterial. Es hieß nun Stücklisten ausfüllen, Preise nach Anzahl berechnen (den Mengenrabatt nicht vergessen!) und eine SEPA- Überweisung zu tätigen. Besonderes Letzteres war für viele eine Herausforderung, da wir dies noch nicht zuvor gemacht hatten.

Während die Jungs sich nun mit SEPA-Überweisung, Excel und Steuerrechnung herumschlugen, hatte Elisabeth beim Auftragsschweißen besonders viel Spaß.

Elisabeth Hoffmann
Elisabeth bei ihrem persönlichen Highlight, dem Auftragsschweißen im Ausbildungszentrum Dresden Reick.

Elisabeth: Das Highlight des Tages war das Auftragsschweißen, in dem wir uns probieren konnten. Angst vor Feuer und Funken durfte keiner haben, denn Letztere sprangen teilweise  durch die halbe Werkstatt. Einige der Mädels (darunter auch ich) waren so begeistert dabei, dass man denken konnte, sie wöllten das den ganzen Tag machen. Insgesamt war der ganze Tag viel anstrengender als ich es mir vorgestellt habe. Ich bin abends fast im Zug eingeschlafen. Umso überraschter war ich, dass auch zwei Mädchen bei ENSO einen technischen Beruf lernen.

Auch wenn der Tag sehr intensiv für alle war, ist es doch jedes Jahr wieder eine willkommene Abwechslung für die Schüler.

Edgar und Lukas: In einer abschließenden Auswertung äußerten wir alle großen Respekt gegenüber der Herausforderungen einer Ausbildung und waren erstaunt, über die Vielzahl der Aufgabengebiete mit denen unsere Kaufleute täglich zu tun haben.

Elisabeth: In diesen Berufen muss man wirklich sehr viel Geduld und Ausdauer haben. Einfach hinschmeißen wenn man keine Lust mehr hat, geht da nicht. Den Ausbildern ist es wichtig, dass man den Willen zeigt, etwas schaffen zu wollen. Aber vor allem haben wir jetzt mehr Respekt vor der Ausbildung der technischen Auszubildenden. Und ich glaube, das war der Sinn an der Sache.

Am Ende fühlten sich alle bestärkt in der eigenen Berufswahl und sind glücklich mit einer Erfahrung mehr in ihr eigentliches Azubi-Leben zurückgekehrt.