Fußballer, Trainer, Nachwuchs-Förderer Klaus Sammer
Fußballer, Trainer, Nachwuchs-Förderer Klaus Sammer

Über 270 Spiele, 40 Tore und über 50 Jahre Fußballerfahrung als Spieler, dann als Trainer und schließlich als Scout für die DFB-Nachwuchsarbeit. Er ist einer der ganz großen Sachsen. Klaus Sammer hat einen langen, erfolgreichen und manchmal auch  steinigen Weg hinter sich. Schluss ist für ihn aber noch lange nicht. Seit 2003 ist er Mitglied im ENSO-Fußball-Beirat und engagiert sich für die Nachwuchsförderung (enso.de/fussball) in unserer Region. Ich habe ihn anlässlich der 16. Verleihung des ENSO-Nachwuchsförderpreises interviewt.


Herr Sammer, Sie sind Experte auf dem Gebiet der Fußball-Nachwuchsförderung. Ist es heute schwieriger die Kinder auf den Bolzplatz zu holen als vor der Zeit von Handy und PC?

Nein. Es gab schon immer unterschiedliche Kinder. Die einen waren oft draußen und die anderen eben weniger. Es ist nach wie vor so, dass die Kinder  von der Straße und eben vom Computer weg  hin zum Sport gebracht werden müssen. Das wiederum ist eine Frage der Motivation; das Interesse der Kinder für Bewegung muss geweckt werden.

Das klingt leichter gesagt als getan. Wie kann das am besten gelingen?

Auf keinen Fall sollten die Kinder zu etwas gezwungen werden. Bei meinem Sohn Matthias war es damals so: Wenn ich gespielt habe, hat meine Frau die Kinder einfach mit zum Platz genommen. Und heute sieht man sie ja auch überall, die Väter die mit ihren Kindern ein bisschen im Park spielen. Das reicht oft schon. Vor allem wenn sie jung sind haben Kinder viele verschiedene Interessengebiete. Ich habe fast alle Sportarten gemacht, die es bei uns gab, außer Boxen und Turnen. Fürs Turnen war ich zu groß und das Boxen hat immer so wehgetan (lacht). Erst danach kam ich zum Fußball. Die Kinder sollen sich ruhig ausprobieren. Dann finden sie schon irgendwann die eine Sache, die ihnen gefällt. Wichtig ist eben ein kleiner Motor, also Vorbilder, Familie, Freunde – dann kommt das Interesse von ganz allein.

Und welche Rolle spielt die Arbeit von Vereinen bei dieser Motivation?

Die Vereinsarbeit spielt schon eine große Rolle. Aber das Fußballspiel darf am Anfang nicht schwer sein und es darf nicht so viel Druck geben. Sonst verlieren die Kinder die Lust am Sport. Der Spaß muss an erster Stelle stehen, nicht der Leistungsdruck. Genau da sind die Trainer gefragt, mit spielerischen Übungen zu motivieren. Slalom, Stangenlaufen -beides mit oder ohne Ball.. Wichtig ist es, mit dem Sport die motorischen Grundlagen zu legen. Ein Fußballer muss eben auch einen Handstand oder einen Purzelbaum können. Das Körpergefühl ist entscheidend.

Gewinnen ist doch aber sicher auch wichtig.

Natürlich lebt man als Fußballer für die glorreichen Momente, für den Jubel. Ein guter Fußballspieler ist aber, wer nicht nur mit Gloria umgehen kann. Man muss da durch, auch mal von der eigenen Mannschaft oder den eigenen Fans ausgepfiffen zu werden, man muss gegenhalten und das sollte einen stärker machen.

Worauf sollte ein Verein Ihrer Meinung nach besonderen Wert legen?

Für mich stand bei der Nachwuchsarbeit der Leistungssport nie im Vordergrund. Wichtiger ist es, dass die Kinder lernen sich zu vertragen und dass sie nicht immer ihren Willen durchsetzen können. Da sind diese kleinen Sachen wie zum Beispiel die Selbstständigkeit. Sie müssen ihre Tasche selber packen. Es geht nicht, dass Mutti oder Vati dann in die volle Kabine kommt und dem Kind die Sachen hinterher räumt. Sie müssen lernen, sich die Schuhe selber zu binden. Das ist auch wieder die Aufgabe des Übungsleiters und der Vereine. Die Kinder müssen da langsam herangeführt werden.

Was brauchen Vereine für diese Aufgabe?

Vor allem die freiwilligen Mitarbeiter. Ohne ihr Engagement geht es einfach nicht. Deswegen ist es ja auch so toll, dass sich die ENSO im Sport seit Jahren engagiert –  nicht nur mit Geld, auch mit so kleinen Sachen wie einem Training, Ballnetzten oder Ähnlichem. Ich finde es toll dass die ENSO die vielen freiwilligen Helfer unterstützt.

Auch Sie unterstützen den Sport in der Region schon sehr lange. Was treibt Sie dabei an?

Ich bin zur Nachkriegszeit aufgewachsen. Wer da einen Ball hatte, der war König. Meine Mutter war allein mit drei Kindern, mein Vater im Krieg gefallen. Wir mussten schauen, dass wir was zu Essen auf den Tisch bekommen. Wir haben teilweise barfuß gespielt. Heute ist das natürlich ein bisschen anders. Trotzdem sollten wir die Kinder von der Straße weg holen.

Der ENSO-Fußball-Beirat

In Dresden ist das auch gar nicht so schwer. Wir sind eine besondere Fußballstadt. Die Fankultur hier ist sehr positiv. Auch das kann das Interesse der Kinder wecken, wenn man mit ihnen ins Stadion geht und sie diese Stimmung mal erleben. Und ich bin vollkommen überzeugt, auch wenn es seine Zeit dauern wird, Dynamo Dresden wird wieder in die erste Liga aufsteigen!

Apropos, Sie haben die Vereinsgeschichte von Dynamo Dresden stark geprägt. Wie sieht es mit der  Fußballtradition in ihrer Familie aus? Wird die fortgeführt?

Mir war es immer sehr wichtig, dass die Kinder nicht müssen, niemals. Bei Matthias habe ich nur das Interesse geweckt und irgendwann war es groß genug. Er hat dann immer den ganzen Hof zusammengetrommelt und dann haben sie gespielt. Aber der Leistungssport stand nie im Fokus, weder bei meinen Kindern, noch bei meinen Enkeln.

Eine letzte Frage Herr Sammer: In diesem Jahr ist wieder Fußball-WM. Wie ist ihr Tipp?

Natürlich drücke ich die Daumen für Deutschland. Das ist ganz klar, auch wenn es schwer wird, den Titel wieder zu holen. Solche Mannschaften wie Spanien, Brasilien und Frankreich haben sich gut erholt und haben auch Chancen. Aber ich bin für Deutschland.

Wir drücken natürlich auch die Daumen. Vielen Dank für das Interview!

Die ENSO verleiht jährlich den ENSO-Nachwuchsförderpreis. Dabei erhalten die zehn besten Vereine der Region eine  Förderung in Höhe von 500 bis 2.500 Euro. Die besten drei Vereine zeichnen wir außerdem mit einem Gütesiegel in Gold, Silber oder Bronze aus. Bis zum 29. Mai 2018 können Sie noch an unserem Online-Voting teilnehmen und Ihrem Lieblingsverein die Chance auf den mit 1.000 Euro dotierten Publikumspreis geben. Der Verein wird im Rahmen der Verleihung des ENSO-Nachwuchsförderpreises am 9. Juni 2018 in Weinböhla ausgezeichnet.

Hier geht’s zum Voting: http://fussball-foerderpreis.de/

Gewinner des ENSO-Nachwuchsförderpreises 2017
Gewinner des ENSO-Nachwuchsförderpreises 2017