Warum stehen uns die Haare zu Berge, wenn wir einen Pullover ausziehen oder mit einem Luftballon an unserem Kopf reiben? Ich habe die Antwort für Sie!

Manchmal darf ich meine Tochter noch zum Klamottenkauf fahren. Ganz brav sitze ich dann vor der Umkleidekabine und warte, bis die junge Dame ihren „Probiermarathon“ beendet hat. Zwischendurch hole ich auch mal das ein oder andere Kleidungsstück. Immer wieder höre ich es dann aus der Umkleide leise fluchen. Weniger wegen der Größe der Kleidungsstücke, vielmehr gibt es Unbehagen, weil es ständig knistert beim Aus- und Anziehen. Dazu muss man noch wissen, dass Sie lange Haare hat.

In Gedanken schweife ich ab – etwa 25 Jahre zurück in die Zeit meiner Ausbildung zum Elektriker. Ich erinnere mich daran, wie unser Lehrmeister das Knistern als künstlich erzeugten Donner bezeichnete und ich mir zunächst nichts darunter vorstellen konnte.

Sie alle kennen dieses Phänomen: Beim Anziehen eines Pullovers, dem Absetzen einer Wollmütze oder beim Gang über den Büroteppich laden wir uns elektrostatisch auf – uns stehen die Haare zu Berge beziehungsweise springt der Funke über, sobald wir dann zum Beispiel eine Türklinke berühren. Wir spüren und hören dieses leise Knistern beziehungsweise Mini-Donnern. Und wer kennt nicht den Versuch mit dem Plastiklineal, an dem die Papierkugeln haften bleiben, wenn man es an einem Wollpullover reibt und über die Kügelchen hält.

Reiben zwei Flächen unterschiedlicher Ladung aneinander, beispielsweise beim Ausziehen eines Pullovers, werden die negativen Elektronen von dem Atom mit dem schwächeren Kern zum Atom mit dem stärkeren Kern übertragen. Ein Protonenüberschuss führt zu einer positiven Ladung in den Haaren. Da sich gleiche Ladungen voneinander abstoßen, stehen uns die Haare zu Berge.

Der Effekt

Den Effekt, den wir hier erleben, bezeichnen Physiker als statische Elektrizität.

Statisch bedeutet bewegungslos. Statische Elektrizität ist somit bewegungslose elektrische Ladung. Alle festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffe bestehen aus Atomen. Jedes Atom besitzt einen positiv geladenen Kern, um den sich ein oder mehrere negative Elektronen bewegen. Im Ruhezustand entspricht die Anzahl der positiven Ladungen, denen der negativen.

Wichtig ist: Die äußeren sogenannten Hüllenelektronen werden bei den verschiedenen Atomarten unterschiedlich stark vom Atomkern angezogen. Berühren sich nun zwei Oberflächen oder werden diese aneinander gerieben, werden die negativen Elektronen von einem Atom zum anderen übertragen, die weniger stark von ihrem Atomkern angezogen werden.

Die Höhe der Ladung hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel vom Material, Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie vom Druck und der Geschwindigkeit der Trennung.

Was hat das mit dem Pullover meiner Tochter zu tun?

Beim An- und Ausziehen berührt der Pullover die Haare, hierbei werden negative Elektronen aus dem Stoff gelöst. Diese negativen Elektronen sammeln sich an der Oberfläche des Pullovers. Insbesondere Wolle, Plastik oder andere synthetische Fasern sind schlechte elektrische Leiter, hier können die negativen Elektronen nicht abfließen und bleiben an der Oberfläche hängen.

Im Dunkeln können die Entladungen sogar als kleine Lichtblitze zu sehen sein.

Erhöht sich die Konzentration der negativen Elektronen entsteht eine elektrische Spannung. Diese Spannung kann sich in der Luft entladen – wie ein Blitz bei einem Gewitter. Einem Blitz folgt der Donner. Genau das passiert beim Ausziehen des Pullovers. Wir hören einen sehr leisen Donner – das Knistern. Es sind winzige Entladungen in der Luft oder – wie bereits beschrieben – springt der Funke an der Türklinke über.

Ist das Knistern deutlich zu hören, sollte der Versuch gewagt werden, das Ganze im Dunkeln zu wiederholen. Mit etwas Glück werden die kleinen Entladungen als winzige Lichtblitze sichtbar.

Bei wem werden da nicht Kindheitserinnerungen aus dem Physikunterricht wach!?

# Life hack

Kleiner Tipp für die Wintermonate: Elektrostatisch aufgeladene Haare bändigen Sie am besten, indem Sie Ihre Hände befeuchten und kurz über Ihren Kopf halten. Auf diese Weise entladen sich die Haare wie von Zauberhand.

Investigativ im Alltag für Sie unterwegs – Ihr Torsten Barthel
(Übrigens: Im Bild oben bin ich nicht mit meiner Tochter, sondern mit meiner Kollegin, Lisa Mehnert, zu sehen.).

Habe ich Sie neugierig auf weitere Alltagsphänomene gemacht? Dann lesen Sie ebenfalls meinen Artikel zu „Was klickt im Bügeleisen?“