Außentemperatur: 2 Grad Celsius. Meine Stimmung: Mittel. Warum? Es ist der kälteste Tag der Woche in diesem – zugegebenermaßen noch recht milden und bisher fast schneefreien – Winter. Trotzdem fluche ich leise auf dem Weg in die Tiefgarage des ENSO-Gebäudes: „Genau den richtigen Tag hast du dir für die Dienstreise von Dresden nach Bautzen mit dem Elektroauto rausgesucht.“ Bekanntermaßen ist die Funktionalität von Elektroautos der aktuellen Generation bei Kälte nicht so gut wie bei warmen Temperaturen. Die Angaben beruhen eher auf Spekulation als Wissen. Nun gut – aber der BMW i3 ist gebucht und so füge ich mich meinem Schicksal in der Hoffnung, gut durchzukommen.

Das hauseigene Lastmanagement im CITY CENTER, dem Sitz der ENSO AG, hat über Nacht gut funktioniert. Mein Elektrofahrzeug startet mit mir bei 97 Prozent Akkuladung in den Dienst. Gute Voraussetzungen, um die Klimaanlage auf freundliche 23 Grad zu justieren – schließlich habe ich während der Fahrt weder Lust auf Frostbeulen, noch auf meine dicke Jacke. Nach den gut 60 Kilometern auf dem Weg in den Regionalbereich Bautzen, erwarten mich heute Termine zum Ausbau der Breitbandanschlüsse in der Region. ENSO wird dort bis 2020 – Stand jetzt – auf ca. 23 km Tiefbaumaßnahmen durchführen, um die Region mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen und schnelles Internet im sogenannten „ländlichen Raum“ zu gewährleisten. Diesem Thema werden wir uns auch in künftigen Beiträgen widmen. Zurück zu meinem Live-Test der E-Mobility-Tauglichkeit für die Strecke Dresden-Bautzen-Dresden.

Bereits im Stadtverkehr machen sich die Vorzüge bemerkbar

Erstes Hindernis ist, überhaupt auf die Autobahn zu gelangen. Das Wetter ist unangenehmer als in den Wochen zuvor, die Zahl der Autos in den Morgenstunden steigt an. Zusätzlich erschweren Baustellen und Sperrungen die Fahrt. Die ersten Vorteile meines Stromers machen sich bemerkbar: Wie beim Automatikgetriebe muss ich auch hier nicht permanent schalten, sondern nur Beschleunigen und Bremsen – letzteres wird mir durch die Motorbremse des E-Motors erleichtert.

Knapp 160 Kilometer Reichweite zeigt mir das Bordsystem bei durchschnittlichem Verbrauch an.

Irgendwann ist es geschafft, die A4 breitet sich vor mir aus. Ein Gros der LKW-Ströme ist zwar bereits durch, doch reihen sich die Übrigen Stoßstange an Stoßstange auf der rechten Spur. Ich beschleunige und achte freilich auf Geschwindigkeitsbeschränkungen. Mehr aber auch nicht. Wo freigegeben ist, ist eben freigegeben. „Stromern“ soll ja nicht nur nachhaltig sein, sondern auch Spaß machen. Das tut es bei 140 km/h durchaus, da ich diese Geschwindigkeit letztlich nicht höre. Keine Motorengeräusche, sondern lediglich Radio und Fahrwind. Die Geräuschkulisse ist angenehm. Doch schon bald sinkt meine Reichweitenanzeige sichtbar ab. Habe ich es mir doch zu gut gehen lassen? Radio, Klimaanlage und gute Geschwindigkeit bei für E-Autos widrigen Bedingungen? Ich rechne kurz durch und stelle fest: Reicht trotzdem locker bis nach Bautzen. Doch was passiert, wenn dort kein Ladepunkt frei ist? Kann ich überhaupt aufladen? Leichte Zweifel machen sich breit – ich wollte am frühen Abend schon gern wieder nach Hause kommen.

Ist das E-Fahrzeug den gut 120 Tageskilometern gewachsen?

Die Entscheidung ist gefallen: Es ist warm genug, für die Reststrecke heißt es nun: Durchhalten. Und selbst singen hält warm. Ich drossle mich auf ca. 110 km/h. Tatsächlich sinkt der Verbrauch nach wenigen Minuten – und so komme ich mit 56 Prozent Ladung im Regionalbereich an: Geschafft! Rein rechnerisch sollte das sogar für die Rückfahrt reichen – ohne Heizung, Radio und bei 90 km/h oder via B 6, wo ohnehin keine durchgängig hohen Geschwindigkeiten erreicht werden können.

Das grüne Licht signalisiert: Der Ladevorgang ist gestartet, das Fahrzeug lädt auf.

Doch die Sorge war umsonst: An der firmeneigenen Ladesäule ist nur ein E-Fahrzeug angeschlossen, die restlichen drei Ladepunkte sind frei. Meine Freude ist groß, die Heimfahrt scheint gesichert. Ich aktiviere den Ladepunkt und verbinde ihn mit dem Fahrzeug. Großzügig wähle ich das weniger leistungsfähige Kabel – ich habe ja den kompletten Arbeitstag über Zeit, um das E-Auto wieder komplett aufzuladen. Die Anzeige versichert mir, das sei in ca. 5 Stunden der Fall. Das genügt mir. Und so könnte ein Kollege ein weiteres E-Mobil aus dem ENSO-Fuhrpark mit dem zweiten, leistungsfähigeren Kabel schneller aufladen, wenn das nötig sein sollte. Tatsächlich steht ein drittes Fahrzeug während meines „Kontrollgangs“ während der Mittagspause an der Ladesäule und hängt am stärkeren Ladekabel – gern geschehen, Herr Kollege.

Mein Fahrzeug meldet schon fast Vollzug, beruhigt setze ich meinen Dienst fort. Ein paar Stunden später trenne ich nach einem ereignisreichen Tag das vollständig aufgeladene Fahrzeug vom Ladepunkt und begebe mich mit 100 Prozent Akkustand auf die Heimreise Richtung Dresden. Meine Erfahrungswerte der Hinreise sagen mir: Ich muss weder frieren, noch auf der rechten Spur zwischen den LKW-Kolonnen schleichen. Mit dieser Gewissheit passiere ich wenig später die Stadtgrenze. Erneut helfen mir die speziellen Fahreigenschaften des Elektroautos durch den Feierabendverkehr in der Dresdner Innenstadt. Die einfachen Beschleunigungs- und Bremsvorgänge entspannen die stressige Verkehrssituation.

Stromer-Dienstreise ein voller Erfolg

Zurück auf dem Stellplatz im CITY CENTER verzeichnet das Fahrzeug 52 Prozent Akkuverbleib; etwas weniger als nach der Hinfahrt. Und das, obwohl ich langsamer gefahren bin und einen vollen Akku hatte. Offensichtlich hat es den Stromer respektive seine Batterie doch beeindruckt, den Tag über draußen gestanden zu haben. Glücklicherweise ist der Stellplatz in der Tiefgarage des Gebäudes weniger temperaturanfällig. So verbinde ich das Fahrzeug wieder mit dem Lademanagement des Hausstroms. Die Anzeige leuchtet blau statt grün: Das heißt, es wird nicht direkt aufgeladen, vielmehr ist das Auto in der Stromwarteschlange. Bei über 50 Prozent Ladung ist das verständlich. Vermutlich wird über Nacht gewechselt, dann wird der Status Blau zum Status Grün, der Ladevorgang beginnt. So wird der nächste Mitarbeiter wieder ein aufgeladenes Fahrzeug vorfinden.

Dank Ladesäule auf unserem Betriebsgelände im Regionalbereich konnte das Stromfahrzeug über den Arbeitstag wieder aufgeladen werden.

Fazit: Kein Wunder, dass auch einige ostsächsische Kommunen für den Ausbau elektromobiler Angebote großes Interesse an der Kooperation mit ENSO zeigen. Die „Probefahrt“ mit dem Elektroauto durch Teile unseres Versorgungsgebietes war erfolgreich. Bei Beachtung mehrerer Faktoren wie Wärme und Geschwindigkeit hätte ich recht wahrscheinlich sogar ohne Zwischenladung Hin- und Rückreise geschafft. Mit konventioneller Fahrzeugnutzung, die gerade in der kälteren Jahreszeit angezeigt ist, wird eine Zwischenladung nötig. Diese war durch die firmeninterne Ladeinfrastruktur gewährleistet. Selbst eine elektromobile Dienstreise über 120 km war somit kein Problem. Bei einem kommenden Termin in Görlitz werde ich das Experiment auf 220 km Hin- und Rückreise erweitern