Gastautor Dirk Erler (IT-Services, ENSO) berichtet über seine Zeit beim „Thin[gk]athon“ im Dresdner Innovationszentrum Smart Systems Hub.
Als ENSO-Mitarbeiter im Bereich Informationstechnologie (IT) bewege ich mich in einem schnelllebigen und vielfältigen Berufsfeld. Derzeit setzen wir uns intensiv damit auseinander, wie wir neue Trends wie Blockchain oder künstliche Intelligenz für unsere Geschäftsprozesse nutzen können und entsprechendes Know-how entwickeln. 

Mit Hackathons zu Innovationskraft und neuen Lösungsansätzen

Die ideale Plattform für einen Blick über den technologischen Tellerrand sind Hackathons – eine Wortschöpfung aus den Begriffen Hacken und Marathon. Technikbegeisterte Teilnehmer finden sich über mehrere Tage in Teams zusammen und bearbeiten gemeinsam Softwareprojekte. Mit Neugier und Motivation lernen sie neue Technologien kennen und können diese in entspannter Atmosphäre direkt anwenden – frei von Regularien und Formalien. Die beste Lösung gewinnt am Ende.

Mein Interesse an den SAP-Neuheiten brachte mich Anfang März 2019 auf den „Thin[gk]athon“ im Dresdner Innovationszentrum Smart Systems Hub. Mich erwarteten vier Tage mit spannenden Challenges rund um die Themen Energiemanagement und Smart City. ENSO beteiligte sich an der Veranstaltung mit Teilnehmern, Themen für die Challenges, einem Jurymitglied und Gewinnen. Zeit für einen Rückblick:

Tag 1: Vorstellung, Teambuilding und erste Lösungsideen

Es ist Montagmittag: Insgesamt 16 Teilnehmer finden sich im SAP-Komplex in Dresden ein. Nach der Begrüßung und Vorstellung der einzelnen Partner präsentiert unser IT-Bereichsleiter Ronny Götze die Challenges: Innerhalb von vier Tagen sind smarte Energielösungen für vier unterschiedliche Nutzertypen zu entwickeln: Privatpersonen, Studenten, Stadtbewohner und Eigentümergemeinschaften.

Technikbegeisterte Teilnehmer lernen in entspannter Atmosphäre neue Technologien kennen. Dabei bringt jeder Teilnehmer individuelle Kompetenzen ein.

Wir bilden vier interdisziplinäre Entwicklerteams – für jede Zielgruppe eins. Dabei mischen wir methodische Kenntnisse, Branchenwissen und  Programmiererfahrungen. Denn anders als es der Begriff vermuten lässt, ist ein Hackathon mehr als ein Event der IT-Branche – Programmierkenntnisse sind kein Muss. So können auch fachliche Experten, Studenten und Prozessberater aus diversen Wirtschaftsbereichen ihre Fähigkeiten einbringen.

Mein Team wird die nächsten Tage ein Angebot rund um die Energieversorgung für Privatpersonen entwickeln. Nach einer kurzen Kennenlernphase stürzen wir uns auch schon in die erste Session: Design Thinking. Das ist ein Kreativprozess, bei dem Lösungsansätze entlang von Nutzerbedürfnissen gefunden werden. Im Rahmen unserer unternehmensinternen Innovationsinitiative haben wir diese Methode schon häufiger eingesetzt. Unsere Idee reift schnell und so können wir uns die kommenden Tage voll auf die Entwicklung fokussieren.

Tag 2: GreenScore ist geboren

Team GreenScore v. l. n. r.: Jan Jacobi (IT-Security, Softline Solutions), Kai Mildner (Software Developer, itelligence), Oliver Posselt (Head of Cloud Basis Services, itelligence), Dirk Erler (IT-Services, ENSO)

Den Dienstagmorgen nutzen wir trotzdem erstmal, um unser Lösungskonzept gemeinsam zu vertiefen. Unsere Idee nennt sich „GreenScore“ – eine App, die den umweltbewussten Energieverbrauch fördert und so ein positives Bewusstsein für regenerativen Ökostrom aus der Region erzeugt. So sammeln Nutzer zum Beispiel Punkte dafür, wenn ihre Waschmaschine läuft, sobald die Sonne scheint. Die gesammelten Punkte können eingelöst oder gespendet werden.

Wir müssen Datenmodelle entwerfen, Schnittstellen konzipieren und den Prototypen programmieren. Wir nutzen Sensorik, Funkübertragung, IOT und verschiedene Cloud Services. Obwohl ich mich zunächst hauptsächlich inhaltlich eingebracht habe, widme ich mich jetzt unter anderem der Frontend-Entwicklung, soll heißen der Programmierung der Benutzeroberfläche. Auch die anderen drei konzentrieren sich heute auf die Codierarbeit.

Es ist beeindruckend, welcher Teamspirit sich innerhalb kurzer Zeit  entwickelt. Jeder ist top motiviert, bringt seine Stärken ein und unterstützt die Anderen mit seinen Fähigkeiten. Wenn wir mit unseren Gedanken doch mal in der Sackgasse landen – zum Beispiel bei der Anwendung der neuen SAP-Technologien – stehen uns neutrale Coaches zur fachlichen und organisatorischen Beratung zur Seite.

Tag 3: Wie können wir die Jury überzeugen?

Nur noch ein Tag bis zur Ergebnispräsentation – die Zeit wird knapp. Wir fokussieren uns ab heute auf den morgigen Pitch und entscheiden zunächst gemeinsam, was genau wir der Jury präsentieren wollen. Diese Punkte müssen bei der Vorstellung unserer Lösung dann optimal funktionieren. Wir arbeiten an einer überzeugenden Story zu GreenScore und erstellen die ersten Folien und den Live-Teil unserer Präsentation.

Alle Teams produzieren kurze Filme, die die Verwendung und den Nutzen ihrer Lösungen auf den Punkt bringen. SAP unterstützt uns dabei mit virtuellen Kulissen sowie dem Dreh und Videoschnitt.

Tag 4: Pitches und Siegerehrung

Heute wird es ernst, die letzten Stunden liegen vor uns. Wir führen mehrere Tests durch, um jeden noch so kleinen Programmierfehler aufzudecken. Wenn wir gewinnen wollen, können wir uns keine Panne erlauben. Kurz vor dem Mittag sind die Videos fertig – und wir sind bereit für die Pitches. Dann ist Showtime: Jedes Team hat zehn Minuten, um die Jury von ihrer Lösung zu überzeugen.

Wir sehen tolle Projekte:

  • Eine Sharing-Lösung für Eigentümergemeinschaften, um Solaranlagen, Elektroautos und Batteriespeicher sowie Energieverbräuche auf Basis von Blockchain effizienter zu vernetzen.
  • Den EnergyHub, ein Online-Portal, in dem Stadtbewohner direkt Strom von Solar- und Windkraftanlagen aus der Region beziehen können.
  • Eine Monitoring-App für transparentes und effizientes Energiemanagement, die anhand des Verbrauchs das zugehörige Gerät erkennt.

Nach drei Tagen Entwicklungszeit haben alle Teams ihre Ideen der Jury vorgestellt. GreenScore überzeugte und gewann damit den Thin[gk]athon-Wettbewerb.
Danach zieht sich die Jury aus Fach- und Branchenexperten zurück, um die Ideen zu bewerten und sich auf einen Sieger zu einigen. Nach einer langen und intensiven Diskussion teilen die Juroren die Entscheidung mit: Unser Projekt GreenScore hat gewonnen! Mein Team freut sich riesig, auch weil jeder ein Wochenende mit einem Elektroauto erhält.

Mein Resumee

Der Thin[gk]athon war eine rundum gelungene Veranstaltung. Ich habe festgestellt, dass unser Unternehmen bei der Anwendung innovativer Methoden gut aufgestellt ist und bin froh, dass ENSO sich bei diesen Veranstaltungsformaten engagiert. Wir Teilnehmer haben in kurzer Zeit technologisches und methodisches Wissen aufgebaut, von dem wir in Zukunft profitieren werden. Für mich war es sicher nicht der letzte Hackathon.

Gastautor: Dirk Erler

Bildquelle: Thomas Eisenhuth