Fischadler brüten auf Hochspannungsgittermasten von ENSO

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Der Ornithologe und Vogelschutzbeauftragte Peter Reuße stellt in seinem Gastbeitrag den Fischadler vor.

Der Fischadler gilt in Deutschland als seltenes und gefährdetes Tier. Wer im Raum Großenhain zuletzt genauer gen Himmel schaute, könnte einen der der seltenen Greifvögel erblickt haben. Strommasten sind beliebte Brutplätze für die Tiere. ENSO unterstützt die Wiederbesiedlung der Fischadler durch die Anbringung von artgerechten stabilen Nistkörben.

Wir waren in der Nähe von Großenhain, wo unsere ENSO-Mitarbeiter die Jungtiere aus den Nestern holten, damit sie von ehrenamtlichen Ornithologen wie Peter Reuße behutsam beringt werden können. Anschließend setzten die erfahrenen Kletterer die Vögel natürlich wieder ins Nest. Über die Besonderheiten des Fischadlers schreibt der Artspezialist Peter Reuße in seinem Gastbeitrag.

Bestandsentwicklung

Beringung des Fischadler-Nachwuchses bei Bauda, nordwestlich von Großenhain.

Einst waren Fischadler weit verbreitete Brutvögel in ganz Europa. Jagd, Eierraub durch Sammler, Abholzen der Nistbäume sowie der jahrzehntelange Einsatz von Pestiziden waren die Hauptgründe für das fast flächendeckende Verschwinden der Art in Mitteleuropa.

Auch aus Sachsen waren die Fischadler lange Zeit als Brutvögel verschwunden. Nur in Mecklenburg und Nordbrandenburg haben einige Paare diese schlimmen Zeiten überdauert. Heute bestehen diese Ursachen nicht mehr und die Art breitet sich wieder in einst aufgegebene Gebiete aus. Ein guter Zeitpunkt die Fischadler bei ihrer Rückkehr zu unterstützen.

In Sachsen gab es erstmals, seit vielen Jahrzehnten des Fehlens, im Jahr 1996 zwei Paare mit Nestbau auf Hochspannungsgittermasten, allerdings noch ohne Brut. Im Folgejahr hatten diese beiden Paare dann Bruterfolg mit jeweils drei ausgeflogenen Jungen. Damit war die Wiederbesiedlung Sachsens eingeleitet. Natürliche Brutplätze auf Bäumen sind in Sachsen sehr selten zu finden. Fischadler weichen deshalb gern auf Strommasten aus.

Steckbrief Fischadler:

  • Körperlänge 50 – 66 cm
  • Gewicht 1,21 – 2,05 kg
  • Flügelspannweite bis 1,75 m

Fischadler sind größere Greifvögel, die sich ausschließlich von Fischen ernähren. Diese werden im Sturzflug auf der Wasseroberfläche erbeutet, wobei der Adler mit dem ganzen Körper untertauchen kann. Bei uns sind sie von Mitte März bis Anfang Oktober zu sehen. Den Winter verbringen sie in Westafrika. Zunehmend überwintern Fischadler aber bereits im Mittelmeergebiet.

Mit 3 Jahren kommen die Fischadler in die Geschlechtsreife. Gebrütet wird einmal im Jahr. Das Gelege besteht aus 1-4 Eiern, wobei 3er Gelege am häufigsten vorkommen. Die Brutdauer beträgt ca. 38 Tage. Bis zum Ausfliegen brauchen die Nestlinge 50 – 60 Tage. Beide Eltern brüten, wobei der Hauptanteil dem Weibchen zukommt. Das Männchen schafft überwiegend Beute herbei. Während der gesamten Fortpflanzungszeit wird weiter am Nest gebaut. Zur Brut werden normalerweise freistehende hohe alte Bäume benutzt, wobei das Nest immer auf die Baumkrone aufgesetzt wird. Zum ersten Mal wurde 1938 auf einem Hochspannungsgittermast im Norden von Brandenburg ein Fischadlernest gefunden. Inzwischen brüten in Deutschland die meisten Fischadler auf Strommasten.

Ansiedlungsunterstützung durch ENSO

Aufgrund fehlender Brutplätze in Sachsens Wäldern weichen die Fischadler auf Strommasten aus.

Von Anfang an wurden die Ansiedlungen auf den Gittermasten durch die Anbringung von artgerechten stabilen Nistkörben unterstützt. Ohne die Unterstützung mittels stählerner Nistkörbe, gelingt es den Fischadlern nicht immer auf Anhieb ein Nest zwischen den Metallstreben der Eisengittermasten zu errichten. Häufig fallen die eingetragenen Äste hindurch, so dass kein Nestbau gelingt oder das Nest nicht rechtzeitig für eine Brut fertig ist. Inzwischen haben viele Fischadlerpaare zwischen Elbe und Neiße auf den Hochspannungsleitungen der ENSO eine sichere Brutstätte gefunden. Der Fischadler hat in Sachsen einen sicheren Brutbestand erreicht und gilt nicht mehr als akut bedroht. Einen wesentlichen Anteil an dieser erfolgreichen Entwicklung hat auch die ENSO.

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