Landbetrieb in der Großenhainer Pflege setzt auf Nachhaltigkeit

Auf insgesamt 840 Kilowatt Spitzenleistung (kWp – Kilowatt peak) bringen es die Photovoltaikanlagen auf den Stalldächern des Hähnchenmast-Betriebes in Skäßchen – eine stattliche Größe. Zu einer bestehenden Anlage, die von einem Privatinvestor vor einigen Jahren errichtet wurde, kamen kürzlich zwei weitere hinzu: ENSO hat Dachflächen gepachtet und darauf eine eigene 400-kWp-Anlage installiert. Und eine weitere, 200 kWp groß, wurde von uns im Auftrag des Betreibers gebaut. Der Strom aus der ENSO-Photovoltaikanlage fließt vollständig in unser Mittelspannungsnetz. Der Mastanlagen-Betreiber dagegen erzeugt vorrangig für den eigenen Bedarf in den Ställen, und nur der Überschuss wird in unser Mittelspannungsnetz eingespeist.

ENSO-Projektleiter Enrico Neuhaus überprüft die Elektroverkabelung der Solarmodule.

Damit dies störungsfrei funktioniert, wurde vom ENSO-Regionalbereich Großenhain außerdem eine neue Übergabestation errichtet. Sie löst die alte verschlissene Kundenanlage ab, die bereits an ihre Grenzen gekommen war. Allein das Temperatur-Regime, das für die Aufzucht der kleinen Hähnchen lebensnotwendig ist, ist so sensibel, dass es zu keinem längeren Stromausfall kommen darf. Daher gibt es im Mastbetrieb zwei stationäre und eine mobile Netzersatzanlage (NEA), die im Notfall einspringen können. Die mobile NEA wurde ebenfalls von ENSO NETZ zur Verfügung gestellt.

Überhaupt ist die Hähnchenmast eine ziemlich empfindliche Angelegenheit: Während der fünfwöchigen Mastzeit darf es keinerlei Störung im Umfeld geben. Deshalb konnten die Solarmodule auf den Dächern immer nur in der einwöchigen Reinigungspause zwischen zwei Stallbesetzungen montiert werden. Das galt auch für den Anschluss an die neue Umspannstation. Dafür war im Übrigen eine Spülbohrung notwendig, um mit den Anschlussleitungen unter der Straße und unter einem Stallgebäude entlangzukommen.

2.221 Solarmodule auf vier Stalldächern

Skäßchen ist ein kleiner Ort in der Großenhainer Pflege mit nicht einmal 200 Einwohnern. Nach mehreren Eingemeindungen bzw. Eingliederungen gehört es heute zur sieben Kilometer entfernt liegenden Stadt Großenhain. Etwas außerhalb stehen die Ställe des Hähnchenmastbetriebes der Familie Steinz.

Für die Erweiterung der Photovoltaikanlage wurden auf vier Stalldächern 2.221 polykristalline Solarmodule installiert. Die Umwandlung von Gleichstrom in Wechselstrom übernehmen  zwölf Huawei-Wechselrichter mit 33 bzw. 66 kVA Leistung (Kilovoltampere).

Vollautomatische Kinderstube

In der „Hähnchen-Kinderstube“ von Familie Steinz aus Skäßchen bei Großenhain wachsen innerhalb von 35 Tagen aus frisch geschlüpften Küken die allseits beliebten Broiler heran. Und in dieser Zeit können die Masthähnchen zumindest in puncto Tierwohl höchste Standards genießen. Dem Betrieb geht es nämlich nicht nur um beste Geschäftsergebnisse, sondern vor allem um nachhaltige Produktionsabläufe und dass es den Tieren dabei gut geht. Für seine Betriebsentwicklung und die Innovationen im Stall wurde der Familienbetrieb bereits mehrfach ausgezeichnet, erst jüngst bei der Grünen Woche in Berlin. Bereits 2010 erhielt er vom sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft das Siegel für „Tiergerechte und umweltverträgliche Haltung“.

Montage der Solarmodule auf den Stalldächern des Hähnchenmast-Betriebes in Skäßchen.

Das Besondere: die Küken schlüpfen erst im Stall. Sie werden wohlbehütet als Ei geliefert – und somit ohne zusätzlichen Stress für die Tiere. Außerdem wird dadurch das Einschleppen von Keimen vermieden. Der Stallbetrieb ist größtenteils vollautomatisch. Geheizt wird mit einer Hackschnitzelanlage, kombiniert mit Wärmerückgewinnung und effizientem Belüftungssystem. Die Einstreu kommt immer erst kurz vor den Hähnchen in den Stall. Unter der Decke hängen rot-gelbe Futtertöpfe und kleine rote Tränken – alles kann heruntergelassen, und wenn der Stall ausgemistet werden soll, wieder unter die Decke gezogen werden. Die Futtertöpfe sind so konstruiert, dass die Tiere nicht hineintreten können und immer nur so viel Futter nachrutscht, dass es frisch und sauber bleibt.

Wenn die Küken bzw. die Eier ankommen, beträgt die Temperatur im Stall 34 ºC. Nach den 35 Tagen Mastzeit ist sie auf 20 ºC heruntergefahren. Damit sind optimale Klimabedingungen für die
Tiere gewährleistet. Um die Hähnchen in der Mastzeit auf das Schlachtgewicht zu bringen, erhalten sie energiereiche Futterpellets.

Autorin: Birgit Freund

Fotos: Weidler, Männel