Üben für den Ernstfall: THW und ENSO NETZ kooperieren

Engagement
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Um für Not- und Krisensituationen gewappnet zu sein, haben Netzbetreiber ENSO NETZ GmbH und der THW Landesverband Sachsen/Thüringen eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Doch eine solche Zusammenarbeit muss gelebt und trainiert werden – wie jüngst im Zeithainer Ortsteil Gohlis.

Samstagvormittag, 10:37 Uhr im beschaulichen Gohlis, einem Ortsteil von Zeithain im Landkreis Meißen. Eine Kolonne aus Lkws und Transportern fährt mit Blaulicht in den Ort ein. Ein Bewohner am Gartenzaun fragt erschrocken: „Was ist denn hier los?“ Stefan Heinrich vom Ortsverein Radebeul des Technischen Hilfswerks (THW) kann ihn jedoch beruhigen. „Das ist nur eine Trockenübung, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.“

Energieversorgung trotz Hochwasser

Gemeinsam mit ENSO NETZ-Mitarbeitern vom Regionalbereich Großenhain trainieren die Kameraden aus Riesa und Radebeul vier Maßnahmen des Hochwasserschutzes. Damit soll die Elektroenergieversorgung im Ernstfall gewährleistet, beziehungsweise schnell wieder hergestellt werden.

Seit 2014 besteht die Kooperation zwischen beiden Partnern. Regelmäßig an Samstagen kommen sie zu Arbeitstreffen zusammen. Ziel ist es, in Not- und Krisenfällen schneller reagieren und besser zusammenarbeiten zu können. Bei Weiterbildungen und Übungen tauschen sie theoretisches und praktisches Wissen sowie Erfahrungen aus. Darüber hinaus unterstützt der regionale Netzbetreiber im Rahmen einer Fördermitgliedschaft das ehrenamtliche Engagement des THW.

An diesem Samstagmorgen im Oktober finden sich alle Beteiligten zunächst im Besprechungsraum des THW Ortsverbands Riesa ein. Der Tag steht ganz im Zeichen des Hochwasserschutzes. Ein Thema, das die Gegend regelmäßig in Atem hält – wenn der Wasserpegel der Elbe dramatisch ansteigt. Auch Gohlis war in der jüngeren Vergangenheit mehrfach davon betroffen. Deshalb verfügt der Ortsverband Riesa über den technischen Zug mit einer eigenen Fachgruppe „Wassergefahren“. Sie ist spezialisiert auf die Rettung von Anwohnern und koordiniert die technische Hilfe an sowie auf dem Wasser. Eine weitere Fachgruppe beschäftigt sich mit der Beseitigung von Wasserschäden an Pumpen. „Hochwasser entlang der Elbe kann niemals ganz ausgeschlossen werden. Deshalb ist es wichtig, dass das THW am Standort Riesa eine solche Spezialeinheit dauerhaft vorhält, um für diese Situationen gewappnet zu sein“, betont Tilo Kadner, Leiter des Regionalbereichs Großenhain von ENSO NETZ.

Bei dieser Übung schützen die Kameraden eine elektrische Versorgungsanlage mit Sandsäcken.
Kim Thiemann, Stefan Heinrich sowie Lutz Nüske mit ENSO NETZ-Regionalbereichsleiter Tilo Kadner (2. v. r.) im Besprechungsraum des THW.

Gründliche Vorbereitung

Doch vor der Praxis kommt erst einmal die Theorie: Kim Thiemann spricht über Deichverteidigung im Hochwasserfall. Genau das soll am heutigen Tag im Zeithainer Ortsteil Gohlis trainiert werden. Bevor die Einsatzfahrzeuge mit Sondersignalsamt Beflaggung auf einer Lkw-tauglichen Route ihr Ziel ansteuern können, sind viele Fragen zu klären: Welche Fahrzeuge kommen zum Einsatz? Wie gehen wir vor Ort vor? Wer übernimmt welche Aufgaben?

„Im Vorfeld gilt es, alles Nötige für ein zielgerichtetes Vorgehen zu klären. In der Regel rücken wir dann spätestens nach einer Stunde aus“, erklärt der erfahrene THW-Kamerad Martin Werner. So ist auch die Anordnung der Fahrzeuge vor Ort zu klären. Hochleistungspumpe sowie Lkw-Ladekran sollten mit den Sandsäcken nah am Ort des Geschehens stehen. Rechtzeitig vor der Übung hat der Regionalbereich Großenhain von ENSO NETZ alle notwendigen Vorbereitungen getroffen und Genehmigungen in die Wege geleitet.

Vier Übungen, ein Ziel

Bei der ersten Übung stapeln die Männer Sandsäcke um eine elektrische Versorgungsanlage und errichten damit einen mobilen Schutzwall. Ein Dutzend ENSO NETZ-Mitarbeiter und THW-Kameraden stehen in Reih und Glied, um die schweren Säcke weiterzureichen. Dann folgt Übung Nr. 2: das Anschließen einer Großpumpenanlage, die bis zu 25.000 Liter Wasser pro Minute transportieren kann.

Jeweils zwei Personen nehmen die schweren Schläuche, die auf dem gewaltigen Pumpenanhänger liegen, vom Maschinisten entgegen und befestigen diese an den Anschlüssen. Die Pumpe selbst kommt heute nicht zum Einsatz. Es ist ja wie gesagt nur eine Trockenübung.

Bei der dritten Aufgabe geht es um Aufbau und Anschluss der großen Netzersatzanlage von ENSO NETZ mit rund 500 Kilowatt Leistung. Diese Anlage wird benötigt, um Netzkunden bei Ausfall einer Umspannstation weiter mit elektrischer Energie zu versorgen. Vier Kabel verbinden Netzersatzanlage und Umspannstation miteinander. Anschließend muss das Netz synchronisiert werden, damit wieder Strom fließen kann. Ein mobiles Tankgerät sorgt für Nachschub bei Großpumpenanlage beziehungsweise Netzersatzanlage. Das ist die vierte Übung direkt am Einsatzort.

„Mit solchen Einsätzen bereiten wir uns gründlich auf Notfälle vor. Schließlich soll dann alles Hand in Hand laufen“, erklärt Tilo Kadner. Für das THW ist die Zusammenarbeit mit ENSO NETZ ein Glücksfall. „Es gibt vielfältige Themen, bei denen wir uns in Theorie und Praxis gegenseitig unterstützen sowie voneinander lernen können“, fasst Danilo Fast, Ortsbeauftragter des THW Riesa, am Ende der mehrstündigen Übung mit einem Dutzend THW-Kameraden sowie sechs ENSO NETZ-Mitarbeitern in Gohlis zusammen.

Das THW

Mehr als 80.000 ehrenamtliche Helferinnen sind deutschland- und weltweit für das Technische Hilfswerk (THW) in ihrer Freizeit unterwegs. So zum Beispiel bei der Bekämpfung von Katastrophen sowie öffentlichen Notständen und Unglücksfällen.

In Riesa engagieren sich aktuell 40 und in Radebeul 60 Kameradinnen. Sie haben allesamt die einjährige THW-Grundausbildung am Ausbildungszentrum im niedersächsischen Hoya absolviert. Einige ließen sich anschließend noch zu Maschinisten, Trinkwasserlaboranten, Bootsführern oder Ortungsspezialisten weiterbilden.

Die Einsatzgebiete des THW untergliedern sich in die Bereiche Infrastruktur, Gefahrenabwehr, Führung, Kommunikation sowie Logistik, Umweltschutz und Versorgung der Bevölkerung. In Deutschland besteht das THW aus einer zentralen Leitung, acht Landesverbänden, 66 Regionalstellen und insgesamt 668 Ortsverbänden. Moderne Einsatzgeräte sowie gut ausgebildete Spezialist*innen bilden die Grundlage für die hohe Effizienz und den Erfolg seit seiner Gründung 1950 in Bonn.

www.lv-snth.thw.de

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