Nachwuchsstar im ENSO-Eiskanal – Teil 1

Engagement
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Jessica Degenhardt ist gerade in der Schweiz bei den Youth Olympic Games (9. bis 22. Januar) und kämpft um eine Medaille im Rennrodeln. Die 17-jährige hat sich vor über zehn Jahren mit dem Virus „Rennrodeln“ infiziert und zählt zu den Top-Nachwuchstalenten. Im Jugend-Weltcup steht Jessica sowohl im Einzel als auch im Doppel derzeit auf Platz 1.

Jessica fährt für den RRC Altenberg und der ENSO-Eiskanal ist einer ihrer Lieblingsbahnen, auf der sie vor Heimkulisse jedes Mal 100 Prozent gibt. Trotz Saison-Stress hat sich Jessica die Zeit genommen, um uns einen Einblick in ihr Leben als Spitzensportlerin kurz vor dem Abitur zu geben.

Der Virus Rennrodeln und seine Nebenwirkungen

Eigentlich hat mein großer Bruder den „Virus Rennrodeln“ in unsere Familie gebracht und seitdem bekommen wir ihn nicht mehr los ;-). Nein, Spaß. Mein Bruder hat in der Grundschule mit Rodeln angefangen. Ich hab diese Sportart dann auch sehr lieb gewonnen und wollte auch sofort anfangen. Meine Mama meinte aber, ich sei noch zu jung und soll bis zur zweiten Klasse abwarten. Im Februar 2010 habe ich dann im Alter von acht Jahren meine ersten Fahrten gemacht. Seitdem kann ich auch nicht mehr ohne diesen Sport. Während sich mein großer Bruder bald in Zukunft nur noch Zuschauer zu sein, wurde mein kleiner Bruder dann ebenfalls infiziert.

Ein Vorbild hatte ich noch nie so wirklich. Ich war fasziniert von den vielen Erlebnissen und Ereignissen, die die „Großen“ geprägt haben. Es sind deswegen eher emotionale Dinge, die mich mit meinem Sport verbinden.

Mein bisher emotionalster Moment waren die Junioren-Weltmeisterschaften vor zwei Jahren auf meiner Heimatbahn in Altenberg. Nach dem ersten Lauf war ich auf Platz 5, mit sehr geringem Rückstand auf das Podium. Nach einem guten zweiten Lauf wartete ich mit meinem Team und meinen Eltern auf die letzten Läufe der anderen Athleten. Als klar war, dass ich auf dem Podest stehe, hat meine Mama so laut gejubelt und vor Freude angefangen zu weinen. Jedes Mal, wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich Gänsehaut bekomme. Die Unterstützung, vor allem von meiner Familie und Freunden, gibt mir immer wieder viel Energie.

Auf dem Weg zur Spitzensportlerin: Im Jugend-Weltcup steht Jessica sowohl im Einzel als auch im Doppel derzeit auf Platz 1.
„Die Unterstützung, vor allem von meiner Familie und Freunden, gibt mir immer wieder viel Energie.“

Einzel oder Doppel?

Mir machen sowohl das Einzel als auch Damendoppel Spaß. Mit dem Einzel kenne ich mich gut aus. Ich kenne jedes kleine Detail an dem Schlitten und kann meine Technik weiterentwickeln. Der Doppelschlitten ist anders. Der Körperschwerpunkt ist weiter oben und auch durch eine fürs Doppel optimierte Schlittenform reagiert der Schlitten anders. Es macht Spaß, ist aber auch mit mehr Risiko verbunden. Generell muss ich aber sagen, dass der Fokus auf dem Einzel liegt, da das Doppel noch nicht olympisch ist – ausgenommen bei den Jugendolympischen Spielen.

Das Leben als junge Spitzensportlerin 

Es gab tatsächlich auch schon Zeiten, in denen ich mich gefragt habe: Was zur Hölle mache ich eigentlich hier? Ich habe dann angefangen mit anderen darüber zu reden und anschließend ist mir wieder bewusst geworden, dass mir eigentlich sehr viel an diesem Sport liegt. Ich kann nicht sagen, was genau, aber es ist halt einfach so.

Im Moment ist mein Leben komplett auf den Sport ausgerichtet. Ich gehe inzwischen seit fünf Jahren auf eine Sportschule in Altenberg und möchte im Frühling 2021 mein Abitur schreiben. Als Sportler lebt man, glaube ich, auch einfach nur so für den Moment. Man weiß nicht, wie sich die Karriere entwickeln wird – positiv oder auch negativ. Deswegen sollte man zu jeder Zeit auf eine Karriere nach dem Sport vorbereitet sein.

Aus diesem Grund ist mir das Abitur sehr wichtig, genauso wie meine spätere Ausbildung. Ich will mich im Bereich der Alternativmedizin probieren, habe allerdings noch keine Lösung, wie ich das in Kombination mit dem Sport schaffen kann. Aber ich bin sehr zuversichtlich. Bis dahin träume ich von einer Medaille bei den Youth Olympic Games und einer weiteren bei der Juniorenweltmeisterschaft im Februar in Oberhof. Doch der ganz große Traum ist und bleibt Olympia.

Wir drücken die Daumen! In Teil 2 gibt uns Jessica einen Einblick in die Wettkampfvorbereitungen im Rodelsport.

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