Spannung pur im ENSO-Eiskanal

Engagement
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Foto: Ortwin Rill

Ich gebe es zu, eigentlich bin ich kein eingefleischter Fan des Kufensports. Mein letzter Besuch eines Wettkampfs in Altenberg liegt 20 Jahre zurück. Zur Bob-Weltmeisterschaft 2000 gewannen, wie so oft, die Deutschen. Langen gegen Lange hieß damals das Duell. Doch die diesjährige Heim-WM in unserem ENSO-Eiskanal konnte und wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Als wir am letzten WM-Tag gegen 11.30 Uhr im Eiskanal ankamen, war der Skeleton Mixed-Team-Wettbewerb gerade beendet und wir erlebten eine tolle Siegerehrung mit – wie könnte es anders sein – zwei Deutschen auf dem Siegerpodest.

Doch wir wollten vor allem die Königsklasse, den Viererbob sehen. Die ersten beiden Läufe am Vortag endeten denkbar knapp. Fünf Starter lagen nur neun Hundertstel auseinander. Der Altenberger Nico Walther lag vorn, es folgten die Letten, dann der Stuttgarter Felix Lochner. Titelverteidiger Francesco Friedrich aus Pirna lag zeitgleich mit den Kanadiern auf Platz vier. Ein Muskelfaserriss des Piloten zwang die Nordamerikaner allerdings zur Aufgabe.

Klar, dass die meisten Zuschauer den beiden sächsischen Teams die Daumen drückten. Mein heimlicher Favorit war Nico Walther. Mein Herz schlägt immer für den Herausforderer. Schließlich hat Friedrich schon alles gewonnen, was es im Bob-Sport zu gewinnen gibt – so auch den Weltmeistertitel im Zweierbob am vergangenen Wochenende.

Foto: Ortwin Rill
Foto: Detlev Müller

Den dritten Lauf verfolgten wir im weltbekannten Kreisel. Man hörte die Bobs schon ansausen und wie auf einer Kinoleinwand fuhren sie an uns vorbei. Es war schön zu sehen, wie viele ausländische Fans angereist waren, um ihre Teams anzufeuern. Und das Geschehen spitzte sich weiter zu. Die Letten unter Kibermanis fielen zurück, dafür rückten die Deutschen näher zusammen. Friedrich und Walther lagen gleichauf, Lochner nur eine Hunderstel dahinter. Viel spannender konnte die WM nicht enden.

Das Finale startete mit dem 20. Platz. Wir standen nun im Zielauslauf und verfolgten das Geschehen auf der großen Leinwand. Auch als Zuschauer spürten wir das Adrenalin der Athleten. Die Piloten steuerten ihre Bobs am Limit durch den Kanal. Dabei macht jeder Fehler den Unterschied und so kam es leider auch zu zwei Stürzen, die die Piloten jedoch unbeschadet überstanden. Und trotzdem bin ich froh, dass meine Kinder Kanuten geworden sind und keine Bobfahrer.

Doch nun das Herzschlagfinale: Es war knapp, Nuancen bei der Startgeschwindigkeit, ein leicht einsetzender Regen, der Nico nicht lag, Hundertstel, die am Ende den Ausschlag gaben. Ich frage mich, wie solche Zeitintervalle überhaupt zuverlässig messbar sind. Am Ende Dreifacherfolg der Deutschen mit Francesco Friedrich an der Spitze, der damit von Rekord zu Rekord eilt. Lochner wird Zweiter und Nico Walther Dritter.

Die Zuschauer waren außer sich – die tolle Stimmung erreichte ihren Höhepunkt. Am Ende gab es nicht nur Freudentränen. Nico erklärte seinen Rücktritt. Er ist nicht mehr bereit, für das letzte Hundertstel alles zu riskieren. Doch was gibt es Besseres, als sich auf seiner Heimstrecke vor diesen tollen Fans mit einer Medaille zu verabschieden?

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