Im Herzen grün: Häuser natürlich dämmen

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250 Jahre alt: Ein Faktorenhaus in Schönbach. Foto: ©aerial-photography-oberlausitz

Die Rückbesinnung auf das traditionelle Handwerk ist nichts Neues. Auch im Bereich der Gebäudesanierung und bei der Wahl geeigneter Dämmstoffe lässt sich dieser Trend beobachten: Nachdem über viele Jahre hinweg Steinwolle, Glaswolle oder Polystyrol gefragt waren, greift man heute wieder auf natürliche Materialien zurück. Naturbaustoff-Experte Jens Jannasch aus Oppach (Landkreis Görlitz) erklärt in diesem Gastbeitrag, welche Vorteile natürliche Dämmstoffe haben und was Bauherren beachten sollten.

Das Bauwesen wird nachhaltiger

Mit meinen Firmen, dem Baugeschäft und Naturbaustoffhandel Jannasch, unterstützen mein Team und ich Bauherren bei der Sanierung von Altbauten und denkmalgeschützten Gebäuden. Damit Wohn- und Arbeitsräume am Ende chemie- und belastungsfrei sind, nutzen wir dafür ausschließlich natürliche Materialien – auch für die Dämmung. Während in der Nachwendezeit kaum jemand an ökologisches Bauen gedacht hat, beobachten wir seit etwa 15 Jahren, dass das Dämmen mit nachhaltigen Rohstoffen beliebter wird. Die Klimaschutzdebatte und die damit verbundene Energiewende sorgen für ein Umdenken im Bauwesen. Gerade in der Lausitz, wo noch viele Umgebindehäuser das Landschaftsbild prägen, greifen die Menschen aber auch auf natürliche Dämmstoffe zurück, um den Charme alter Gebäude zu erhalten. Erst vor kurzem haben wir beispielsweise die Arbeiten an einem etwa 250 Jahre alten Faktorenhaus in Schönbach im Landkreis Görlitz abgeschlossen. Damit die Firma „Möbel Starke“ dort ihren neuen Verwaltungssitz einrichten kann, haben wir das Gebäude von Grund auf ökologisch ertüchtigt und damit gleichzeitig ein Stück Kulturgut erhalten.

Naturbaustoff-Experte Jens Jannasch über die Vorteile natürlicher Dämmstoffe.

Vorteile natürlicher Dämmstoffe

Holzfasern, Zellulose, Hanf, Schilfrohr oder Seegras sind nur einige von vielen natürlichen Dämmstoffen. All diese Produkte werden aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. Daneben können Bauherren zum Dämmen ihrer Häuser auch auf tierische Materialien wie Schafwolle oder auch recycelte Stoffe wie Schaumglas oder Glaskugeln zurückgreifen. Holzfasern, Zellulose und Co. sind aufgrund Ihrer hervorragenden Eigenschaften für ein gesundes Raumklima perfekt geeignet. Natürliche Dämmstoffe zeichnen sich durch sehr hohe Haltbarkeit und Langlebigkeit aus. Wer die Dämmung nach einigen Jahrzehnten dann doch mal erneuern muss, kann diese Dämmstoffe ganz einfach recyceln, teilweise sogar kompostieren. Durch die Verwendung von nachhaltigen Baustoffen hat jeder Bauherr direkten Einfluss auf unseren gemeinsamen „ökologischen Fußabdruck“.

Keine Sanierung im Alleingang

Ich empfehle Bauherren vor der Sanierung immer die Beratung durch einen Experten. Denn nicht jeder natürliche Dämmstoff eignet sich für jede Anwendung: Es macht einen großen Unterschied, ob ich mein Haus zum Beispiel innen oder außen dämmen möchte. Für die Innen- und Außendämmung sowie das Dach sind diese kapillaraktiven und diffusionsoffenen Baustoffe bestens geeignet. Sie schützen nicht nur vor Kälte, sondern halten die Innenräume im Sommer auch angenehm kühl. Meine Kollegen und ich schauen uns vor der Wahl des Dämmstoffs das Gebäude genau an und prüfen den Baukörper. Erst dann können wir anhand verschiedener Berechnungen sagen, welche Dämmung sinnvoll ist.

Für viele Menschen ist die Haussanierung vor allem eine Kostenfrage. Dass natürliche Dämmstoffe teurer sind, trifft allerdings nicht immer zu. Materialien wie Zellulose können am Ende sogar günstiger sein. Ich bin der Meinung: Generell sollte unsere Gesundheit an oberster Stelle stehen. In den Räumen, in denen wir leben, essen, arbeiten und schlafen, müssen wir uns wohlfühlen. Bedenkliche Baustoffe haben dort nichts zu suchen.

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